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Facebook spielte Werbungtreibenden falsche Video-Statistiken aus – das Ausmaß war wohl größer als gedacht

Facebook-CEO Mark Zuckerberg

Zwei Jahre lang hat Facebook die Sehdauer von Videos in seinen Statistiken überzogen – und damit etliche Werbetreibende womöglich zu Fehlinvestitionen geführt. 2016 hat sich der Konzern für den Fehler entschuldigt. Nun werfen Marketer dem Unternehmen vor, dass Facebook schon ein Jahr davor von dem Fehler gewusst haben soll. Auch das Ausmaß ist wohl größer als gedacht. Der Konzern dementiert.

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Mit dieser Nachricht sorgte Facebook für Unmut bei den Werbekunden: Zwei Jahre lang leitete der Zuckerberg-Konzern seinen Kunden falsche Durchschnittswerte zur Sehdauer von Videos weiter. Bis zu 80 Prozent lagen die Werte daneben und fielen zugunsten der Videowerbung aus. Grund dafür war eigenen Angaben zufolge ein Rechenfehler: Das Netzwerk will für seine Berechnungen nur Videos herangezogen haben, die länger als drei Sekunden angesehen worden sind. Material, das der Nutzer vorher weggeklickt hatte, sei also nicht beachtet und hat das Ergebnis somit verfälscht worden.
Für Werbetreibende dramatisch: Im Zweifel investierten sie durch die verfälschten Zahlen mehr Werbung, als sie eigentlich buchen würden. Verschiedene Werbetreibende haben deshalb 2016 eine Klage gegen Facebook angestoßen. 80.000 Seiten interne Facebook-Papiere konnten sie durcharbeiten, die sie im Rahmen des Gerichtsverfahrens erhalten hatten – und dabei festgestellt, dass das Ausmaß offenbar größer war als gedacht.
Statt 60 bis 80 Prozent soll die Sehdauer von Videos in den Facebook-Statistiken um 150 bis 900 Prozent zu hoch ausgewiesen worden sein, berichtet das Wall Street Journal. Laut der Klage waren Videos, die eigentlich eine durchschnittliche Sehdauer von zwei Sekunden haben, in den Statistiken zum Teil mit 17,5 Sekunden angezeigt.

Wann wusste Facebook davon?

Darüber hinaus werfen die Werbetreibenden Facebook vor, schon ein Jahr vor Bekanntwerden des Rechenfehlers von diesem gewusst zu haben. Demnach hätte der Konzern den Fehler vorsätzlich verschwiegen. Gegenüber Bloomberg reagiert das Unternehmen auf den Vorwurf: Dass Facebook den Rechenfehler absichtlich verschwiegen hätte sei falsch, sagt ein Konzernsprecher. Man habe die Kunden sofort darüber informiert als der Fehler bekannt geworden ist und zudem ein Update im hauseigenen Blog veröffentlicht. Inzwischen arbeitet Facebook mit externen Partnern zusammen um die Statistiken zu erfassen.
Die Kundschaft zeigt sich dennoch verärgert. So dürften auch viele Medientreibende Videowerbung überschätzt und ihre internen Strukturen danach umgestellt haben. Niemanlab nennt einige Beispiele: Unter anderem Mashable, Fox Sports und Vice haben in diesen Jahren oder kurz danach Videoteams ins Leben gerufen und sich dabei auf den anhaltenden Hype von Videos auf Facebook bezogen. Fraglich, ob sich diese Investitionen gelohnt haben.

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