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Heimlicher Wechsel: Steffen Klusmann zieht bereits seit Wochen beim Spiegel die Fäden

Steffen Klusmann (l.) hat bereits vor seinem offiziellen Antritt als Nachfolger von Klaus Brinkbäumer begonnen, beim Spiegel zu wirken
Steffen Klusmann (l.) hat bereits vor seinem offiziellen Antritt als Nachfolger von Klaus Brinkbäumer begonnen, beim Spiegel zu wirken

Offiziell fängt Steffen Klusmann seinen neuen Posten als Sprecher des Spiegel Chefredaktion-Trios erst Anfang nächsten Jahres an. Doch der ehemalige FTD-Chefredakteur hat längst seine Aufgaben als Chefredakteur des Manager Magazins abgegeben, um die geplante Fusion von Online und Print beim Spiegel voranzutreiben. Dabei steht Klusmann vor einer Mammutaufgabe, die er nur mit viel Fingerspitzengefühl meistern kann.

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Es war eine dürre Meldung zum Ausscheiden von Klaus Brinkbäumer. Überraschend gab der Spiegel-Verlag gestern bekannt, dass der 51-jährige Chefredakteur seinen Posten mit sofortiger Wirkung räumt, um bis zu seinem endgültigen Ausscheiden zum 31. März als Autor für das Blatt zu arbeiten. Operativ wird der Print-Spiegel unterdessen von den Vize-Chefs Susanne Beyer, Dirk Kurbjuweit und Alfred Weinzierl geführt.

Damit ist die Spitze der Spiegel-Chefredaktion vorerst vakant. Denn offiziell wird Steffen Klusmann, als Sprecher des künftigen Chefredakteurs-Trios, erst Anfang nächsten Jahres aktiv – zusammen mit SpOn-Chefredakteurin Barbara Hans und Spiegel-Reporter Ulrich Fichtner. Längst jedoch zieht der ehemalige Chefredakteur der Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland (FTD) die Fäden beim Spiegel. So hat er beim Manager Magazin nach Heft 10 mit dem Titelthema “Die reichsten Deutschen” seine Aufgaben als Chefredakteur abgegeben, um sich seinem künftigen Betätigungsfeld zu widmen: dem Redaktionsumbau der Print- und Digitalaktivitäten beim Spiegel. So bereitet er „seit etwa drei Wochen gemeinsam mit Barbara und Ullrich die Zusammenführung von Spiegel und Spon” vor, wie Klusmann gegenüber MEEDIA erklärt.

Die Zeit drängt: Klusmann steht vor gewaltigen Aufgaben, wenn er bis Januar die neue Struktur festgezurrt haben will. Künftig soll die publizistische Führungsspitze des Spiegel nach fachlichen und funktionalen Aspekten aufgeteilt werden, nicht mehr nach Medienkanälen. Dies zieht erhebliche personelle Umbauten nach sich. Geplant ist beispielsweise, die Positionen der stellvertretenden Chefredakteure durch Stabsstellen zu ersetzen. Im Gespräch sind hier fünf bis zehn Stabsstellen. Hier muss aber der gestandene Wirtschaftsjournalist in den nächsten Wochen Ross und Reiter nennen. Das ist nicht leicht, denn bei der Besetzung der äußerst wichtigen Positionen muss er viel Fingerspitzengefühl mitbringen, wenn er nicht gleich auf Widerstände in der Redaktion treffen will.

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Doch das ist nicht alles. Verschmelzen Anfang nächsten Jahres die Print- und Online-Redaktionen, steht noch ein weiteres schwieriges Thema auf der Agenda: die Aufnahme der Onliner in den erlauchten Kreis der Stillen Gesellschafter der Mitarbeiter KG. Bislang war dies nur Mitarbeitern des Spiegel-Verlags vorbehalten. Jetzt sollen aber auch SpOn-Mitarbeiter dazustoßen. Nach welchen Kriterien die Onliner Teil der Mitarbeiter-KG werden, sorgt weiter für Gesprächsstoff, heißt es. Eine der wichtigsten Aufgaben für Klusmann ist aber, die maue Innovationsbilanz der Spiegel-Gruppe aufzupeppen. Hier hatte sein Vorgänger Klaus Brinkbäumer wenig erreicht. Das Best-Ager-Magazins-Spiegel Classic ist gefloppt, das Projekt einer Spiegel-Fernsehzeitschrift, erreichte gar keine Marktreife.

Doch neue Print-Produkte müssen her, um den schrumpfenden Auflagenzahlen des Hauptprodukts etwas entgegenzusetzen. Verkaufte der Verlag an der Ericusspitze im 2. Quartal 2015 noch 822.761 Exemplare, waren es im vergleichbaren Quartal diesen Jahres nur noch 704.656 Hefte.

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Alle Kommentare

  1. “Künftig soll die publizistische Führungsspitze des Spiegel nach fachlichen und funktionalen Aspekten aufgeteilt werden, nicht mehr nach Medienkanälen.”

    Was? Nicht nach Gender und Position in der Diskriminierungshierarchie? Was für ein rückwärtsgewandter Frauenhasser! Der nächste Chefredakteur, der im SPIEGEL-Irrenhaus keine 2 Jahre durchhält.

  2. “Der nächste Chefredakteur, der im SPIEGEL – Irrenhaus keine 2 Jahre durchhält.” – Stimme dem voll zu. Es liegt daran, daß Klussman allenfalls die G&J-DNA mitbringt und nicht jene, die es für den SPIEGEL bräuchte. No radical thinking., no radical chique. Bei der FTD hat Klussmann das Rad auch nicht herumgerissen. Der Niedergang des SPIEGEL ist mit ihm und mit dieser Verlagsleitung nicht aufzuhalten. Mitnichten ist er gewollt: Bertelsmann läßt kaputtgehen, und greift dann billigst zu. Genial, was ?

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