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Wochenrückblick: Als Journalist gehört Sigmar Gabriel eindeutig zu den Besserverdienern

Medien-Menschen im engeren und weiteren Sinne: Alexander Gauland, Sigmar Gabriel, Adolf Hitler, Frank Plasberg (v.l.o.n.r.u.) / Fotomontage: MEEDIA
Medien-Menschen im engeren und weiteren Sinne: Alexander Gauland, Sigmar Gabriel, Adolf Hitler, Frank Plasberg (v.l.o.n.r.u.) / Fotomontage: MEEDIA

Dass Alexander Gauland einen Artikel schreibt, der entfernt an Hitler erinnert, ist beileibe nicht der einzige Grund, warum Politiker mit der Abo-Kündigung drohen. Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel ist als Journalist ein Besserverdiener. Und "hart aber fair" prangert die Steuertricks von Journalisten an. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Da gab es diese Woche einigen Wirbel, weil die FAZ einen Gastbeitrag von AfD-Chef Alexander Gauland in ihrer Rubrik “Fremde Federn” veröffentlicht hat. Uiuiui. Der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz kündigte gar an, wegen dem Gauland in der FAZ sein Abo zu kündigen. Historiker erklärten im Tagesspiegel dann, der Gauland-Text weise Parallelen zu einer Hitler-Rede von 1933 auf. Wenn man sich den Redetext von Hitler damals anschaut und den Gauland heute liest, kann man tatsächlich nicht umhin kommen, das zu bestätigen. Aber deswegen gleich das FAZ-Abo kündigen? Man könnte ja auch argumentieren, die FAZ hat Gauland die Bühne geboten, sich und seine Geisteshaltung selbst zu entlarven. FAZ-Mann Jasper von Altenbockum glaubt sowieso, dass der Polenz heimlich weiter FAZ liest:

Es gibt aber noch andere Gründe, sein FAZ-Abo in Zweifel zu ziehen. Zum Beispiel Verlagsumfragen, die Werbung für schwarz-grün in die Köpfe von FDP-Politikern bimsen wollen:

Stefan Rupert ist Landesvorsitzender der FDP Hessen. Ob er wirklich gekündigt hat oder weiter heimlich FAZ liest: unklar.

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Nicht in der FAZ lesen können wir die überaus wertvollen Gast-Kommentare des ehemaligen Vizekanzlers und SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel. Der schreibt bekanntlich seit einiger Zeit exklusiv für Medien der Holtzbrinck-Gruppe (MEEDIA gehört zur Handelsblatt Media Group, die auch Teil der Holtzbrinck-Gruppe ist, Gabriel hat aber noch nicht für uns geschrieben). Die taz hat nun aufgespießt, dass Gabriel ausweislich seiner Bundestagswebsite für die Tätigkeit als Holtzbrinck-Journalist zwischen 15.001 und 30.000 Euro monatlich erhält. Das ist durchaus erklecklich, die Bezüge als Bundestagsabgeordneter bekommt er ja auch noch. Und er tut auch was fürs Geld. Die taz hat nachgezählt, dass Gabriel seit Ende Juni insgesamt 13 Gast-Kommentare schrieb, für Tagesspiegel, Handelsblatt und Wirtschaftswoche. Das waren dann 13 Texte in gut drei Monaten. Macht überschlagen pro Monat vier Kommentare. Bei der niedrigst möglichen Summe von 15.001 Euro wären das 3.750,25 Euro pro Kommentar. Nicht schlecht. Gar nicht schlecht. So ein bisschen fragt man sich freilich schon, warum man dem Siggi so viel Geld für Gast-Kommentare zahlt.

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Die vielen armen Journalisten, die weniger Honorar erhalten als Siggi Gabriel, sollen ja sogar soweit gehen, private Essensrechnungen beim Finanzamt als “Hintergrund”- oder “Informantengespräche” abzusetzen. Die steuerbetrügenden Journalisten wurde in Frank Plasbergs “hart aber fair”-Sendung vom Montag thematisiert (Thema war: Steuern). Gleichzeitig hat Plasberg die armen Journalisten auch noch pauschal als “Besserverdienende” bezeichnet.

Wo kommen wir denn da hin! Die Journalistenverbände sind jetzt natürlich mächtig sauer. Die Deutsche Journalistenunion (DJU) hat äußerste Maßnahmen ergriffen und “hart aber fair” einen Brief geschrieben. Darin heißt es u.a.: “Es mag sein, dass es unter unseren Kolleginnen und Kollegen den einen oder die anderen gibt, die so etwas praktizieren. Das rechtfertigt aber nicht, einer ganzen Berufsgruppe ein solches Fehlverhalten zu unterstellen. Damit verletzt die Redaktion nicht nur ihre journalistische Sorgfaltspflicht. Sie diskreditiert eine Berufsgruppe – ihre eigene -, die sich in der Öffentlichkeit zurzeit ohnehin gegen viele ungerechtfertigte Vorwürfe zur Wehr setzen muss, in unerträglicher Weise.”

DJV-Chef Frank Überall (nomen est omen) wirft der Talkshow “böswillige Verallgemeinerung zu Lasten eines ganzen Berufsstands” vor: “Sicher wird es den einen oder anderen Freien geben, der beim Steuern sparen den Rahmen des Zulässigen überschreitet. Aber deshalb alle 30.000 freien Journalistinnen und Journalisten als gewissenlose Schnorrer zu disqualifizieren ist eine Frechheit.” Überall erwähnt noch, dass das Durchschnittseinkommen der Freien bei deiner Umfrage des DJV bei 2.100 Euro monatlich lag.

Dafür würde der Siggi morgens vermutlich nicht mal aufstehen.

Schönes Wochenende!

PS: In der aktuellen Ausgabe unseres Podcasts “Die Medien-Woche” spreche ich mit Kollege Christian Meier von der Welt über die aktuelle Gauland-Hitler-Debatte. Es geht außerdem um rechte Verlage auf der Buchmesse, darum ob Blockchain den Journalismus retten kann (Spoiler: eher nicht) und es gibt ein Interview mit der Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher von der Uni Hamburg zur Popularität von Trash-Dating-Formaten wie “Love Island” oder “Adam sucht Eva”. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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