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„Zwischen Fanreportern und Spielverderbern" – Otto Brenner Stiftung fordert mehr kritischen Sportjournalismus

Für die Otto Brenner Stiftung hat der freie Journalist Tonio Postel ein Arbeitspapier zum Zustand des deutschen Sportjournalismus mit besonderem Fokus auf Fußball angefertigt. Tenor: eine unabhängigere, kritischere Berichterstattung sei im Sportjournalismus dringend notwendig. Vor allem die Sport-Berichterstattung in Privatsendern und Boulevardmedien wird negativ bewertet. 

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Für das Arbeitspapier hat Tonio Postel Interviews geführt und Literatur zum Thema ausgewertet. Gut weg kommen vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender und einige Qualitätsmedien, die versuchen würden, „die Balance zwischen Sportberichterstattung als Unterhaltung und als hintergründigem Journalismus zu wahren“. Anders sehe es bei Privatsendern und Boulevardmedien aus.„Diese Sport- bzw. Fußballjournalisten müssen sich die Frage gefallen lassen, wie sie es mit der Nähe und der Distanz zum Objekt ihrer Berichterstattung halten. Zu selbstverständlich verbrüdern sich viele Reporter mit Fußballspielern oder -managern, um als erste an Informationen zu gelangen“, so der Autor. Verantwortlich sei oftmals der ökonomische Druck, durch Wohlfühljournalismus die nötige Reichweite zu erzielen, mit der die teuren Übertragungsrechte abgegolten werden können. Auch dass manche Vereine mittlerweile selbst unter die Medienproduzenten gegangen sind und mit traditionellen Medien konkurrieren, sieht Postel kritisch. „Auch die Vereine tragen Verantwortung, für eine respektvolle, unabhängige und vor allem kritische Berichterstattung einzustehen und die Arbeit unabhängiger Journalisten – auch öffentlich – zu würdigen. Nur so wird der Fußballjournalismus in Zukunft relevant und seriös bleiben können“, sagt der Autor Tonio Postel.
Ein Punkt, der besonders hervorgehoben wird, ist das Fantum einiger Sportjournalisten. Hier zeige sich ein akutes „Nähe-Problem“. Um die Situation zu verbessern, schlägt Postel u.a. vor, dass die Leitlinien für unabhängige, investigative sportjournalistische Berichterstattung des Netzwerks Recherche oder des Verbands Deutscher Sportjournalisten (VDS) großflächiger verbreitet und bekanntgemacht werden. Bundesligavereine und die berichtenden Medien könnten zudem eine Selbstverpflichtungserklärung zur Zusammenarbeit und Berichterstattung unterzeichnen, und jährlich Fortbildungen für Sportjournalisten und Pressesprechern zu kritischem Sportjournalismus anbieten. Auch die Auslobung eines Preises für kritischen Sportjournalismus sei denkbar.
„Weil die vereinseigenen Medien meist über mehr Ressourcen als die unabhängigen Medien verfügen, zunehmend als deren Konkurrenten auftreten und Mitglieder, Fans und das Publikum direkt ansprechen können, kann eine wahrnehmbare kritische Berichterstattung nicht mehr ohne weiteres garantiert werden“, betont der Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung, Jupp Legrand. Besonders im Falle des oftmals mit Steuergeldern finanzierten „Volkssports Fußball“ sei die Kontroll- und Wächterfunktion des Journalismus aber wichtig, so Legrand weiter.
Hier kann man das Arbeitspapier „Zwischen Fanreportern und Spielverderbern – Fußballjournalismus auf dem Prüfstand“ kostenlos herunterladen.
Die Otto Brenner Stiftung (OBS) ist die Wissenschaftsstiftung der IG Metall mit Sitz in Frankfurt am Main. Ihre Gründung datiert auf das Jahr 1972, dem Todesjahr des damaligen 1. Vorsitzenden der IG Metall, Otto Brenner.

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