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Ohne Trash und Heuchelei: Warum die “Höhle der Löwen” das junge TV-Publikum seit Jahren begeistert

Vor allem bei jungen Zuschauern beliebt: Die Vox-Gründershow “Höhle der Löwen”
Vor allem bei jungen Zuschauern beliebt: Die Vox-Gründershow "Höhle der Löwen"

Kaum eine Sendung hat das deutsche Fernsehen so überrascht wie die "Höhle der Löwen" auf Vox, in der Startups und Gründer um Geld bei Investoren betteln. In der fünften Staffel des Erfolgsformates stehen die Zeichen erneut auf Zuschauer-Rekord – vor allem beim jungen Publikum. Aber was macht ausgerechnet die Gründershow so erfolgreich?

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Die “Höhle der Löwen” ist ein Phänomen. Eine Sendung, in der es eigentlich nur um nackte Zahlen geht, um Businesspläne und langweilige Bilanzen, sehen sich Woche für Woche Millionen Zuschauer an. Die ersten fünf Folgen der aktuellen Staffel erzielten mit 2,85 Mio. Gesamt-Zuschauern einen Marktanteil von 10,7%, bei den 14- bis 49-Jährigen mit 1,62 Mio. sogar einen von 19%.

Mittlerweile präsentiert Vox das Format im fünften Jahr. Als der Sender 2014 damit an den Start ging, war der Erfolg aber keineswegs sicher. Eine Show, in der Gründer ihre Ideen vorstellen – oder besser: pitchen – und damit reiche Investoren, ein eigentlich langweiliges Klientel, überzeugen müssen, schien gänzlich verrückt. Gerade in Deutschland, wo die Gründerquote seit Jahren schrumpft.

Doch trotzdem wagte sich Vox an das Format, das ursprünglich von den Japanern kommt, wo die Juroren keine Löwen sind, sondern Tiger. 1,80 Mio. Leute sahen 2014 die Premiere der Show, darunter 1,04 Mio. 14- bis 49-Jährige – ein solider, wenn auch kein durchschlagender Auftakt. Doch das änderte sich schnell. Den endgültigen Durchbruch zum Megahit schaffte die Vox-Show im dritten Jahr 2016: Erstmals sahen mehr als 3 Mio. zu, der Marktanteil im Gesamtpublikum lag bei über 10%.

Und wer hätte gedacht, welch verrückte Ideen die Deutschen haben könnten? Da macht ein Gründer mit einer Abfluss Fee den Deal seines Lebens, die den Stöpsel von Waschbecken oder Dusche sauber hält. Da tritt ein sympathisches Ehepaar an, um mit ungewöhnlichen Gewürzen und ihrem Unternehmen Ankerkraut den kompletten Markt auf den Kopf zu stellen. Und da erfinden zwei gewiefte Männer mit Lizza einen Pizzateig, der nicht dick macht.

Realität vs. Show

Wenn es eine Sache gibt, die den Zuschauer jedes Mal zum Staunen bringen sollte, dann sind es nicht die bissigen Investoren, nicht die emotionalen Einspieler und auch nicht der Moderator, der immer auf Seiten der Gründer steht. Es sind die Erfindungen, die diese Sendung Woche für Woche so interessant machen. Die “Höhle der Löwen” spielt mit der Neugier der Zuschauer wie keine andere Show. Und der Zuschauer ist in seinem Urteil mindestens so hart wie die Investoren, die über Deal oder nicht entscheiden. Nicht jede Idee ist der Kassenschlager oder die neue Innovation in einer Branche. Aber es gibt sie: die Gamechanger, die Erfindungen, auf die die Leute gewartet haben.

Nirgendwo ist Realität und Show so eng miteinander verbunden wie bei den “Löwen”. Jeder von uns träumt insgeheim von der großen Erfindung seines Lebens, der einen Sache, auf die die Welt wartet. In “DHDL” sehen wir Menschen, die genau diesen Traum leben – mit zum Teil simplen Ideen. Das Multifunktionshandtuch Towell zum Beispiel, das durch eine integrierte Tasche Smartphones aufbewahrt und sich mit einem einfachen Magnet überall im Fitnessstudio anhängen lässt. Oder das Silikonkissen PonyPuffin, das Zöpfen von Frauen durch einen simplen Trick mehr Volumen verleiht. 

Dass Show und Realität so eng miteinander verbunden scheinen, hängt auch damit zusammen, dass die Erfindungen der Gründer am nächsten Tag schon im Regal des Supermarktes um die Ecke liegen, mindestens aber online zu kaufen sind. Jede in der Sendung erfolgreich gezeigte Erfindung hat einen echten Mehrwert für das Leben der Menschen. Kein Wunder also, dass die Gründer nach Ausstrahlung der Sendung einen derart großen Andrang auf ihre Produkte spüren. So gesehen ist die “Höhle der Löwen” eine Win-Win-Win-Win-Situation: Für den Gründer, der sein Produkt verkauft; für den Investoren, der damit das große Geld macht; für Vox, die sich über hohe Einschaltquoten freuen und – das ist im deutschen Fernsehen eine Seltenheit – für den Zuschauer, der neue Produkte entdeckt und sich gleichzeitig auch noch bestens unterhalten fühlt.

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Voyeurismus, Gerechtigkeit und Emotionen

Aber nicht nur das: “DHDL” befriedigt auch den Voyeurismus der Zuschauer, ohne dabei mit überzogenen Zeitlupen-Aufnahmen und unterlegtem Piano auf die Tränendrüse drücken zu müssen. Das war seit der ersten Staffel so und hat sich bis heute kaum verändert. Keine gestellten Möchtegern-Mitleid-Szenen, kein großes persönliches BlaBla, kein Trash. Ein wenig Personality versucht Vox mit Einspielern über die Investoren und Gründer in die Show zu bringen. Mit Ausnahme dessen braucht die Sendung aber keinerlei Nachbearbeitung in Sachen Emotionalität und Voyeurismus: Denn der nährt sich allein aus dem Zusammenspiel der aufgeregten und unerfahrenen Gründer auf der einen und der routinierten Investoren auf der anderen Seite, von denen Judith Williams und Frank Thelen schon seit der ersten Staffel ihr Geld an die Gründer verteilen.

Beim Bieterwettstreit spielt das Gerechtigkeitsempfinden der Zuschauer eine große Rolle. Die Angebote der Juroren sind nicht immer fair, die Anteile, die sie dem sympathischen Gründer des jungen Unternehmens wegnehmen wollen, aus Sicht der Zuschauer so hoch, dass er dem verblendeten Erfinder am liebsten zuschreien würde, den Deal nicht zu machen. Aber so ist das wohl in der kühlen Finanzwelt, in der es vor allem um eines geht: nämlich ums Geld. Auch diese Einblicke in die Branche sind für den Zuschauer neu.

Überhaupt nehmen die Investoren mit ihren immer gleichen Phrasen und merkwürdigen Äußerungen einen bemerkenswert großen Teil der Show ein, der jedoch jedes Mal aufs Neue zum Fremdschämen einlädt. Wenn Frank Thelen zum Erschrecken der Zuschauer feststellt, dass er noch nie gestaubsaugt hat, Dagmar Wöhrl zum zigsten Mal etwas von ihrem Familienunternehmen erzählt, Ralf Dümmel in die skurrilsten Erfindungen investiert und damit “Deutschland zupflastern” will und Carsten Maschmeyer darauf pocht, dass die von den Gründern aufgerufene Bewertung viel zu hoch ist und mal wieder einen seiner Wortspiele zum Besten gibt (“Gründer sind für mich die Gründe zu investieren”). Der Bieterwettstreit, in der das Geld überhaupt keine Rolle zu spielen scheint (“Eine Million, das ist nichts”), gibt der Sendung schließlich die nötige TV-Spannung.

Mit bemerkenswerten bis hin zu erstaunlichen Gründern und Erfindungen, ein wenig Personality, routinierten Investoren und hitzigen Bieterdiskussionen hat es “DHDL” geschafft, eine Marke rund um die Start-Up-Szene in Deutschland zu gründen. Ein Erfolg, den die Macher der Show zusammen mit Gruner + Jahr mittlerweile in Magazin-Form austesten, das interessante Fakten rund um die “Höhle der Löwen” zu bieten hat. Dabei braucht das Magazin gar nicht so viel mehr – es lebt genau wie die Show von den Gründern und Erfindungen. Denn was den Zuschauer natürlich interessiert, ist, wie es mit den Gründern weitergeht, nachdem sie die Höhle verlassen haben und sich mit dem Investoren ihrer Wahl dem ehrlichen Markt stellen.

Wäre die Gründershow selbst ein Start-Up – ein Investment hätte sich fraglos gelohnt. Innerhalb von fünf Jahren hat Vox mit dem Format eine Nische besetzt, die im deutschen Fernsehen bis dato kaum bedient wurde, und lockt damit Woche für Woche selbst die jüngsten “Digital-Natives” vor die Flimmerkiste. Solange die Gründerszene in Deutschland so erstaunliche Erfindungen zu Tage befördert, wird auch die Sendung Quote bekommen – und der Kurs der imaginären “DHDL”-Aktie wachsen. Das Format zeigt: Es braucht kein Trash, kein Heuchel-Mitleid oder emotionale Einspieler. Wenn eine Show die Neugier der Leute weckt, nah an der Realität ist und mit Wettstreit die nötige TV-Spannung und Emotion erzeugt, ist das Konzept für den Erfolg gefunden.

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Alle Kommentare

  1. Um das noch etwas weiterzuspinnen: Schön für VOX, traurig für RTL. Auch dort war man mal kreativ, originell, authentisch.

  2. Stimmt alles, aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass man in dieser Staffel ein bisschen justiert hat. Kommt mir jedenfalls so vor, dass vermehrt dramatisch/emotionale Musik-Untermalung eingesetzt wird, ähnlich wie bei anderen Castingshows und auch die Schnitte sind nicht immer ganz glaubhaft… Außerdem ist die Sendung schon arg gestreckt und in die Länge gezogen seit zwei Staffeln… Trotzdem bleibt das Format Unique und ein absolutes Highlight.

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