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Herzchen-Smileys vs. Bierzelt-Prosa: das Instagram-Duell Katharina Schulze gegen Markus Söder im Experten-Check

Liegt bei der Zahl der Follower vorn, doch kann anders als Herausfordererin Katharina Schulze (re.) bei “Insta” nicht mit Authentizität punkten: CSU-Spitzenkandidat Markus Söder
Liegt bei der Zahl der Follower vorn, doch kann anders als Herausfordererin Katharina Schulze (re.) bei "Insta" nicht mit Authentizität punkten: CSU-Spitzenkandidat Markus Söder

Was macht einen guten Wahlkampf von Politikern aus? Sicher, sie können Plakate drucken lassen, Wahlspots drehen, und Volksfeste, Podiumsdiskussionen oder Bürgerdialoge besuchen. Neben der "Old School" kristallisiert sich aber eine weitere PR-Disziplin heraus: Social Media. Doch damit tun sich viele Parlamentsprofis enorm schwer, wie aktuell der Check zweier Spitzenkräfte vor der Bayern-Wahl zeigt.

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Ein immer wichtigeres Medium stellt dabei wiederum Foto-Dienst Instagram dar, der im Juni 2018 die 1-Milliarde-Nutzermarke knackte (MEEDIA berichtete).

Der Politik- und Digitalberater Martin Fuchs bringt die Wertigkeit der Facebook-Tochter für Politiker auf den Punkt: „Instagram ist zu einem wichtigen Netzwerk für Politiker in Deutschland geworden. Bilder sind immer gut für die Politik, da sich über sie sehr gut Emotionen bei potenziellen Wählern erzeugen lassen. Darüber hinaus ist Instagram eine gute Möglichkeit, um Formate wie Q&A’s durchzuführen, mit dem Nutzer zu interagieren und ihn partizipieren zu lassen. All das sind gute Werkzeuge für Politiker, die das wiederum bemerkt haben.“

Zu diesen Politikern gehören auch der amtierende Ministerpräsident von Bayern, CSU-Politiker Markus Söder, und die aufstrebende Grünenpolitikerin Katharina Schulze. Gemeinsam mit Ludwig Hartmann bildet sie das Spitzenduo der Grünen für die bayerische Landtagswahl am 14. Oktober und hat aktuellen Umfragen zufolge beste Chancen, zweitstärkste Kraft hinter Söders schwankender CSU zu werden. Nicht nur im realen Auftritt könnten der konservative Söder und die progressive Schulze kaum gegensätzlicher sein. Auch auf Instagram inszenieren sich beiden völlig unterschiedlich – wie ein Vergleich der Profile zeigt.

Katharina Schulze: die Influencerin

Aus Sicht von Martin Fuchs ist die 33-Jährige Katharina Schulze „wie gemacht für Formate wie Instagram oder Snapchat. Sie kommt authentisch und sympathisch rüber, nimmt die Leute mit und tritt mit ihnen in Dialog.“

In der Tat könnte man meinen, man habe man einen Influencer vor sich, wenn die Insta-Story von Katharina Schulze über den Screen flimmert. Häufig mit einer Sonnenbrille auf der Nase gibt sie zu Fuß, aus dem E-Auto oder im Zug ihre selbstgedrehten Snaps zum Besten.

Und sie fordert ihre Abonnenten zur Interaktivität auf, indem sie nach Vorschlägen für einen Wahlkampfsong fragt oder generell dazu anhält, ihr Fragen zu politischen Inhalten oder der Landtagswahl zu stellen. Zusätzlich schafft sie es, sich ein glaubhaft jugendliches und gleichzeitig perfekt unperfektes Image aufzubauen. So macht sie etwa aus ihrer Vorliebe für kalorienhaltige Nahrung keinen Hehl, postet Snaps, in denen sie eine Spezi schlürft oder an einer Eisdiele Halt macht, was sie dann mit Herzchen-Smileys zelebriert.

Dennoch schafft Schulze den Spagat zwischen Unterhaltung und politischen Inhalten, wie Martin Fuchs bemerkt: „Als roter Faden zieht sich durch Schulzes Storys, dass sie grüne Werte vertritt, sprich: Viel läuft, auf dem Fahrrad oder im Elektro-Auto unterwegs ist. Ihre Storys sind unterhaltsam, enthalten aber dennoch politische Botschaften und sind häufig mit politischen Inhalten verknüpft. Sie präsentiert sich als wichtigste Grüne in Bayern, die dennoch auf dem Boden geblieben ist.“

Ein Beispiel für die Einflechtung grüner Werte in ihre Insta-Storys sind etwa Schulzes Witzeleien darüber, dass sie im Elektroauto nicht zu lange die Klimaanlage oder das Radio laufen lassen darf, um Strom zu sparen. Oder wenn sie einen „I love Europe“-Button abfilmt und im selben Atemzug wie zufällig auf ihre Rede zum Thema „Europa“ verweist, die natürlich später noch verlinkt wird.

Ein weiterer Pluspunkt für Katharina Schulze ist aus Sicht von Martin Fuchs, „dass sie ihren Instagram-Account nicht erst so aktiv nutzt, seit sie Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl ist. Bereits in der Zeit davor, als sie noch ‚nur‘ Abgeordnete war, hat sie ihren Account regelmäßig bespielt. Dadurch hat sie sich bereits frühzeitig eine Community aufgebaut, was ihr jetzt zu Gute kommt.“

Markus Söder: der Professionelle

Dennoch hat Katharina Schulze „nur“ knapp 4.200 Abonnenten auf Instagram, womit sie weit hinter ihrem Counterpart von der CSU, dem amtierenden Ministerpräsidenten Markus Söder mit mehr als 13.000 Abonnenten liegt (Stand der Angaben: 3. Oktober 2018).„Markus Söder war einer der ersten deutschen Spitzenpolitiker, die die Wichtigkeit von Instagram erkannt haben. Dass er daher ein gewisses Standing, sieht man auch an der Anzahl seiner Abonnenten“, kommentiert Martin Fuchs diesen Umstand.

Söders Vorgehensweise auf Instagram unterscheidet sich deutlich von dem von Katharina Schulze. Die Story-Funktion nutzt er nicht so häufig, setzt stattdessen vermehrt auf Fotos, die dauerhaft im Instagram-Feed landen. Für diese lässt er sich gerne auf Bühnen in gefüllten Bierzelten ablichten und spricht in den jeweiligen Bildbeschreibungen von „überfüllten“ Zelten oder stellt rhetorische Fragen danach, wer sonst in Bayern so viel Rückhalt habe.

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„Söder inszeniert sich als der wahre Nachfolger von Franz Josef Strauß. Dazu demonstriert er Heimatverbundenheit und hebt hervor, dass die CSU aus seiner Sicht ein Äquivalent für Bayern ist“, kommentiert Martin Fuchs, der bei Söders Instagram-Account jedoch einen vielleicht entscheidenden Nachteil feststellt: „Das Problem bei ihm ist die Authentizität. Denn er inszeniert kaum etwas selbst, sondern lässt seinen Content professionell aufbereiten. Die daraus resultierenden Bilder sind dann zwar perfekt belichtet und die Perspektiven akkurat gewählt, wodurch sie allerdings nicht so authentisch und damit auch nicht so nahe am Wähler sind.“

Geht man im Instagram-Feed von Markus Söder etwas weiter zurück findet man hingegen mehr Videos, die er selbst aufgenommen und besprochen hat. Auch darin demonstriert er die von Fuchs angesprochene Heimatverbundenheit. Etwa dann, wenn der bekennende Fan des 1. FC Nürnberg ein Video von einer Autofahrt postet, in dem es „Steht auf, wenn ihr Clubberer (Bezeichnung für Nürnberg-Fans, Anm. d. Red.) seid“ aus dem Radio schallt. Oder wenn er in selbst gedrehten Videos auf Waldspaziergängen über die Schönheit der lokalen Natur sinniert.

Doch selbst erstellte Video-Inhalte Söders haben sich seit seinem Aufstieg zum Ministerpräsidenten allerdings rar gemacht. Aus Sicht von Martin Fuchs wäre es für Söder „sicherlich gut, wenn er das wieder häufiger tun würde. Aber fairerweise muss man eingestehen, dass er als Ministerpräsident deutlich weniger Zeit dafür hat, als wenn er weiterhin ‚nur‘ Minister wäre. Diesen Zeitverlust merkt man auch. Zudem muss er sich nun präsidialer darstellen als noch vor seiner Zeit als Ministerpräsident.“

Immerhin: Ende September meldete Söder sich tatsächlich mal wieder mit einer Videobotschaft von einer Autofahrt zur nächsten Wahlkampfveranstaltung. Inhalt einmal mehr: Es wartet wieder ein „völlig überfülltes Zelt“ – ein erkennbarer Versuch, vom derzeit ständig schwindenen Rückhalt der CSU in der Bevölkerung hinwegzutäuschen.

Der Einfluss von Instagram auf Wahlergebnisse bleibt ungewiss

Doch welchen Einfluss hat die Inszenierung deutscher Politiker schlussendlich auf Umfragewerte oder gar ein Wahlergebnis? Martin Fuchs beantwortet diese Frage differenziert: „Der Einsatz von sozialen Medien in der Politik ist allgemein natürlich wichtig, um neue Zielgruppen zu erschließen. Wie viel Einfluss dieser Einsatz aber letztendlich auf Umfrage- oder gar Wahlergebnisse hat, lässt sich schwer sagen. Und es darf nicht unterschätzt werden, dass die klassischen Medien und Wahlkampfmittel auch immer noch einen sehr hohen Stellenwert und Einfluss haben. Entscheidend ist, dass sowohl analoge, als auch digitale Instrumente gemeinsam gedacht werden und ineinander spielen. Die Denkweise in Online- und Offlinewahlkampf ist überholt!“

Bedenkt man den Aufwärtstrend der Grünen (mit laut jüngsten Umfragen 18 Prozent derzeit zweitstärkste Kraft in Bayern) und den Rückgang bei der CSU (derzeit mit – je nach Erhebung – nur noch 33 bis 35 Prozent klar unter der angestrebten absoluten Mehrheit) und stellt man einen kausalen Zusammenhang zwischen Umfragewerten und Instagram her, lässt sich sagen: Der Instagram-Auftritt von Katharina Schulze hat den Grünen in Bayern nicht geschadet. Der CSU hat jener von Markus Söder hingegen wenig geholfen.

 

 

 

 

 

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