Partner von:
Anzeige

“Ihr ostdeutschen Chefredakteure tragt eine besondere Verantwortung”: Franz Sommerfelds Abrechnung mit der “Hetzjagd”-Debatte

Torsten-Kleditzsch-Franz-Sommerfeld.jpg

Die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit wurden in dieser Woche überschattet von der anhaltenden Debatte über fremdenfeindliche Ausschreitungen in ostdeutschen Städten, um Gewaltexzesse und den Hitlergruß, der bei manchen Demonstrationen offenbar hingenommen wird, ohne dass Polizei oder Bevölkerung einschreiten oder sich distanzieren. Der Publizist Franz Sommerfeld sieht ostdeutsche Medien hierbei in einer besonderen Verantwortung. In einem Gastbeitrag für MEEDIA wendet er sich an Torsten Kleditzsch, Chefredakteur der Freien Presse. Dieser hatte zuvor die Chemnitz-Berichterstattung kritisiert und den Begriff der "Hetzjagd" zurückgewiesen.

Anzeige

Von Franz Sommerfeld

Lieber Torsten,

Du kommentierst bei mir auf Facebook: „Ich weiß nicht, was meinen Kollegen reitet“ und meinst damit offenbar mich und meine Kritik an Deinem „Hetzjagd-Kommentar“. Da es mich natürlich ehrt, vom Chefredakteur der Freien Presse in meinem glücklichen Rentner-Dasein noch als „Kollege“ anerkannt zu werden, will ich versuchen, darzulegen, was mich „reitet“. Vielleicht eignet sich der Tag der deutschen Einheit gerade dafür.

Ihr ostdeutschen Chefredakteure tragt eine besondere Verantwortung. Wie die westdeutschen habt Ihr eigentlich genug damit zu tun, die anhaltend sinkenden Papierauflagen zumindest ein wenig zu stabilisieren, ohne wirklich an dieser Abwärtsbewegung etwas ändern zu können. Hinzu kommt eine viel schwerere Herausforderung: Eure Zeitungen erscheinen in Regionen, in denen sich die Rechtsradikalen aufgehoben fühlen, weil viele Bürger mit ihnen auch dann gemeinsam demonstrieren, wenn sie offen den Hitlergruß zeigen.

Hartmut Augustin, Chefredakteur der Mitteldeutschen Zeitung, spricht das in seinem Kommentar zu Köthen dankenswerter Weise klar aus:

Aber Tatsache ist: Bei einem großen Teil der Bevölkerung ist die Angst davor, Opfer einer von Flüchtlingen verübten Gewalttat zu werden, viel größer, als die Scheu, sich mit Rechtsradikalen gemein zu machen. Und: Man darf sich nicht täuschen. Die Zahl derer, die das so empfinden, ist gewiss größer als die Zahl derer, die bei den Demonstrationen mitlaufen. Genau deshalb sind rechtspopulistische Politiker im Osten so erfolgreich.

Noch wäre es übertrieben, die ostdeutschen Länder als das Nordvietnam des „nationalsozialistischen Befreiungskampfes“, als das Rückzugsgebiet der Neonazis, zu bezeichnen, aber mit einem sächsischen AFD-Ministerpräsidenten sähe Deutschland schon anders aus.

Damit tragt Ihr, da wir ja nun wieder ein Volk geworden sind, nicht nur Verantwortung für Eure Verbreitungsgebiete, sondern ein Stück weit für ganz Deutschland. Es gibt für die Bewältigung dieser Herausforderung nicht die eindeutige und klare Antwort. Aber gerade darum kritisiere ich, was ich für falsch halte. Und tue das öffentlich gegen den Rat vermeintlich Wohlmeinender, Dich doch anzurufen und das am Telefon zu besprechen. Gerade weil ich Dich einmal eingestellt und gerne und gut mit Dir zusammen gearbeitet habe, suche ich den öffentlichen Streit. Denn dort können Antworten gefunden werden, lässt sich von anderen lernen.

Damit komme ich zu Deinem Kommentar, Deinem, soweit ich gelesen habe, einzigen zu den Chemnitzer Ereignissen. Für viele wurdest Du damit zum Zeugen, dass es in Chemnitz keine Hetzjagd gegeben habe, es also alles nicht so schlimm gewesen sei.

Anzeige

Dein Satz „So wurde Menschen über kurze Distanz nachgestellt“ löst bei mir mit seiner verquasten Wortwahl immer noch Unglauben und auch Erschrecken aus. Ganz richtig antwortete Dir der FDP Politiker Wolfgang Kubicki in seinem herausragenden Auftritt im Bundestag: „Da leisten wir uns eine Debatte über die Frage, was denn eine Hetzjagd ist. Wobei es doch völlig egal ist, ob jemand drei, fünfzehn oder 20 Meter laufen muss, ob es einer oder mehrere sind“.

In der Tat verdient jeder Mensch, der um seine Unversehrtheit fürchten muss, unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Unterstützung. Die Menschen, die, wie Du schreibst, nur „über kurze Distanz“ flüchten mussten, mögen in diesen „kurzen“ Augenblicken um ihr Leben gefürchtet haben, eingedenk der rechtsradikalen und auch tödlichen Anschläge auf Ausländer in Deutschland. Jeder auch noch so kurze Augenblick der Furcht um Leben oder Gesundheit verletzt Ihre ihm Grundgesetz verankerten Rechte auf Unversehrtheit. Dieser Streit um Worte relativiert das.

Für die Rechtsradikalen und auch den noch amtierenden Verfassungsschutz-Präsidenten bist du zum Kronzeugen geworden. Die in der Zeit darauf folgenden Anschläge und Übergriffe, die nun zum Eingreifen der Bundesanwaltschaft führten, zeigen, dass sich die Täter offensichtlich durch die öffentliche Resonanz ermutigt fühlten. Das hattest Du natürlich überhaupt nicht intendiert. Du wolltest Dich gegen Dramatisierungen wenden und den Draht zu Deinen Lesern nicht verlieren, die, wie Hartmut Augustin so hübsch formuliert, Ausländer mehr als Rechtsradikale fürchten.

Das ist für jeden Chefredakteur die Schlüsselfrage seines Jobs, aber in diesem Fall eine schwierige Aufgabe. Sie ist nicht dadurch zu lösen, dass Ihr in Eurem jüngsten Kommentar die von der Bundesanwaltschaft verfolgte Bildung einer terroristischen Vereinigung als „Antwort“ auf den Messerangriff erklärt: „Am Anfang war ein Messerangriff. Ende August wurde Daniel H. in der Chemnitzer Innenstadt tödlich verletzt. Drei Asylbewerber sind tatverdächtig.“ Muss ich Dich darauf hinweisen, dass es umgekehrt ist? Dass die Nazis sich schon länger organisiert hatten, wie die Süddeutsche gut recherchiert hat? Dass sie aber jede Gelegenheit nutzen, um sich, wie Mao einst lehrte, in den Volksmassen zu bewegen, wie ein Fisch im Wasser? Und ihnen das in Chemnitz und anderswo hervorragend gelungen ist.

Nach meinen Erfahrungen plädiere ich für den nicht immer leichten Weg, klar Position zu beziehen, im Zweifel auch gegen Stimmungen unter den Lesern. Aber zugleich würde ich ihren Ärger und ihre Unzufriedenheit, ihre Fragen und ihren Widerspruch seitenweise ins Blatt oder auf die Website holen.

Wie Du weisst, habe ich mich genau aus diesem Grunde vor einigen Monaten gegen die kollektive und zum Teil hysterische Verurteilung Uwe Tellkamps durch die (west)deutschen Feuilletons gewehrt, weil er die Flüchtlingspolitik in einer Weise kritisiert hat, die viele nicht teilen werden. Damals wurde die Diskussion dadurch abgewürgt, dass er für wahnsinnig (Süddeutsche) erklärt und ihm unterstellt wurde, das Spiel der Neonazis zu betreiben. Ein knappes halbes Jahr später wird deutlich, wie absurd es ist, ihn dem rechtsradikalen Lager zuzuordnen und dieses dadurch nur zu stärken. Tatsächlich gibt es für diese Debatte nur eine Trennlinie: Wo durch Wort oder Tat gegen Verfassung und Gesetze verstossen wird, endet sie, sonst nicht.

Heute hat Ronny Schilder in Eurer Zeitung einen schönen und leicht wehmütigen Text über die Stimmung im Osten geschrieben. Er bestärkt mich in meinem Appell zu Debatte und Streit im Blatt: Wenn „unbewältigte Demütigungen, Kränkungen und Ungerechtigkeiten eine Projektionsfläche“ suchen, wenn es „nicht nur um die Flüchtlingsfrage“ geht, sondern „der Frust viel tiefer reiche“, wie er zitiert, dann kann ich nur empfehlen: Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es. Macht die Zeitung zur „Projektionsfläche“. Lasst uns endlich streiten.

Denn was im Verborgenen schwelt, nutzt immer denen, die zerstören wollen, was trotz alledem entstanden und aller Verteidigung Wert ist.

Über den Autor: Franz Sommerfeld, Ex-Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers und ehemaliges Vorstandsmitglied im Hause DuMont, ist heute freier Publizist. Der Beitrag erschien zuerst auf der Facebook-Seite von Franz Sommerfeld.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Wer trägt dann wohl die Verantwortung für die zahllosen Messerangriffe und Sexualstraftaten?

  2. Wo hat es Gewaltexzesse und fremdenfeindliche Ausschreitungen gegeben? Hier wird eine Lüge einfach weiter verbreitet.

      1. Was hat die Gruppe Freital mit behaupteten Gewaltexzessen in Chemnitz zu tun?
        Jahreszahlen sind offenbar nicht so Ihr Ding

    1. Der ganze Osten war schon immer ein Hort von „Gewaltexzesse[n] und fremdenfeindliche[n] Ausschreitungen“, zuerst gegen die Leiharbeiter (bestes Beispiel: Rostock-Lichtenhagen, um nur eins zu nennen) und ausländische Studenten und Auszubildende und nun gegen Flüchtlinge. Wer das ignoriert, glaubt auch, dass ein Elefant wie ein Seil aussieht, nur weil er als Blinder mal seinen Schwanz zu packen gekriegt hat.

  3. Zitat Franz Sommerfeld: “Dein Satz „So wurde Menschen über kurze Distanz nachgestellt“ löst bei mir mit seiner verquasten Wortwahl immer noch Unglauben und auch Erschrecken aus.”

    Das bezieht sich wohl auf das “Hase” (wer ist das eigentlich?) Video. Dieser Satz ist nicht verquast, sondern beschreibt die dargestellten Vorgänge sprachlich wesentlich präziser als der Begriff “Hetzjagd”. Bei letzterer handelt es sich um eine Jagdform, bei dem schnellem, aber nicht ausdauernden Wild solange nachgestellt wird, bis es ermattet zu Boden sinkt und erlegt werden kann. Das ist die sprachlich präzise Bedeutung von “Hetzjagd”, wie ich meine. Auch wenn das bei Herrn Sommerfeld Unglauben und Erschrecken auslösen mag. Na ja, ich bin ja auch nicht (Ex)Chefredakteur bei DuMont.

  4. Fragen Sie doch einmal den Herrn Sommerfeld, wie es um die angebliche “Hetzjagd” durch “Nazis, Hoooligans, Türstehern” stand, die eine “Zeitung in Köln” nach der Silvesternacht 2015/16 “entdeckt” haben wollte.

    Man sollte nicht vergessen die Ostdeutschen nicht ganz dumm sind und die Journalisten dort das klitzekleine Problem haben, auch den größten konstruierten Unfug decken zu müssen … Sebnitz, Mittweida, “Terrorgruppen” … bei gleichzeitigen “Frei-drauf-prügeln von Regimefreunden in Leipzig und anderswo.

    Gruppe Freital ?
    Zwei kaputte Fenster, 1 (in Worten: ein demoliertes Auto), Haftstafen zwischen 5 und 10 Jahren. Bei einer “OSS” waren es “Gewaltphantasien”, die jahrelange Haftstrafen nach sie zogen.
    Während die “Aktivisten” Dutzende von Fahrzeugen in Sachsen niedergebrannt und seit Jahren gar zu offenen Attentaten übergehen, ohne daß auch nur Einer vor Gericht gestellt wird.

    Brave Umweltschützer sind in den 80ern mit Schlägern und PolPot-Anhänger “aufmarschiert”.

    P.S. Man sollte nicht vergessen, daß etliche “Medienschaffende” in Ostdeutschland ehem. SED-Mitglieder sind, deren Glaubwürdigkeit “nicht besonders hoch” ist. Die müssen überdies mit den Ostdeutschen “leben”.

  5. Ach Herr Sommerfeld, wieso tragen ostdeutsche Chefredakteure besondere Verantwortung? Gibt es Rechtsextremisten nicht auch in Kandel, Mölln oder Dortmund? Ihre Kritik an der Freien Presse in Chemnitz und insbesondere an Chefredakteur Torsten Kleditzsch ist so lang wie billig, so überheblich wie ungerecht. Darf ich Sie fragen, ob Sie ähnliche Appelle und Vorwürfe nach der Silvesternacht 2015 an die Zeitung in Köln gerichtet haben, bei der Sie selbst mal Chefredakteur waren? Haben Sie auch an die westdeutschen Chefredakteure geschrieben, weil im Hambacher Forst Linksradikale und -extremisten Polizisten mit Molotows und Scheiße bewerfen?
    Statt über “Hetzjagden” zu orakeln, sollten Medien in Deutschland sich viel mehr Gedanken machen, warum gegen alle journalistischen Standards ein anonymes Video von “Antifa Zeckenbiss” ungeprüft für bare Münze genommen wurde.

    1. Das besagte Video wurde mehrfach geprüft; siehe den Faktenfinder der Tagesschau oder das NDR-Medienmagazin „Zapp“! Aber die zählen Ihrer Ansicht nach ja nicht, weil die nicht in Ihr Weltbild passen.

      1. Mehrfach gepüft … und ergebnislos, oder wie?
        Noch nicht einmal Sie können trotz dicker ideologischer Schmierschicht Worte dafür finden, was man dort zu sehen bekommt und was nicht.

  6. Ex-DKP-Mann Sommerfeld hat offenbar einen schweren Rückschlag in alte Kader-Zeiten erlitten: Er kann andere Sichtweisen wie die des Chemnitzer Chefredakteurs Kleditzsch, der wohl am ehesten beurteilen kann, ob es in der Stadt Hetzjagden gab oder nicht, nicht ertragen. Sommerfeld strebt offenkundig eine gleichgeschaltete Berichterstattung an, so wie zu DDR-Zeiten.

    1. Wir können sie nicht dazu bringen die Wahrheit zu sagen, aber wir können dafür sorgen, dass sie immer dreister lügen.
      Und das ist auf lange Sicht mindestens genauso gut, da es Meinungen viel fester und dauerhafter zementiert als es ein guter Artikel oder eine Richtigstellung eines Mainstreammediums jemals könnte.

      Wer einmal weg vom Mainstream ist, kommt nicht wieder, dessen Kinder und Bekannte auch nicht. Einfach nur Geduld haben.

    2. Ein DKP-Scherge…das ist das schöne am Kommentarbereich: man lernt mehr aus den Kommentaren, als am Bericht selbst.

  7. Einspruch Euer Ehren! Einspruch!

    Ignoranz hat nicht nur drei Bedeutungen: das Nicht-Wissen, das Nicht-Kennen-Wollen und das Nicht-Dürfen-Können. Die vierte, besonders schwere Form: das “Noch-nicht-einmal-Ignorieren-können” – wider besseres Wissen – wird oft gegenüber den fernen Ostdeutschland wirksam.

    So kann “vier” konkret aussehen:

    “Ihr ostdeutschen Chefredakteure tragt eine besondere Verantwortung. Wie die westdeutschen habt Ihr eigentlich genug damit zu tun, die anhaltend sinkenden Papierauflagen zumindest ein wenig zu stabilisieren, ohne wirklich an dieser Abwärtsbewegung etwas ändern zu können. Hinzu kommt eine viel schwerere Herausforderung: Eure Zeitungen erscheinen in Regionen, in denen sich die Rechtsradikalen aufgehoben fühlen, weil viele Bürger mit ihnen auch dann gemeinsam demonstrieren, wenn sie offen den Hitlergruß zeigen.”

    Ist es nicht genau Andersherum?

    WEIL bei großen Teilen der Bürgerschaft das “Netto vor Miete & Essen” nicht mehr hinreicht, um noch eine Zeitung zu kaufen, ist eine schleichende DEKULTURIERUNG und geistige VERWAHRLOSUNG im Gange, die zusätzlich
    durch Internetphänomene, orale Gruppenkulturen und Medienökonomien angetrieben wird.

    Nicht zu vergessen, ein rigides Jobcenter, das oft nur noch als eine besondere Steigerungsform des Totalitarismus erlebt wird.

    Weiß man nicht, was man insbesondere jungen Männern antut, mit Fehlentscheiden, Bürokratie, Sanktionen? Und was passiert, wenn die Betroffenen auf Plakatkampagnen der Bundesregierung treffen: “Demokratie leben”?

    Bildungsverlierer werden sie genannt, seit über 60 Jahren gibt es das, schon Georg Picht hat von einer Bildungskatastrophe gesprochen. Mit der Einheit
    kamen neue Katastrophen hinzu.

    Was passiert, wenn man Dinge 60 Jahre, oder 30 Jahre treiben lässt? Ist
    es klug, die Verwahrlosung auch noch ideologisch aufzuladen?
    Jährlich hunderte Millionen Euro in Kampagnen gegen Rechts zu fahren, mit
    immerneuer Energiezufuhr für Hass?

    Wem fällt noch der Zynismus auf, der sich da über den Modernisierungsopfern
    entlädt? Und was antworten “DIE”?

    Kaum bemerkt von großen Redaktionen: bur noch 1,71% aller Bürger über 16 Jahre (Parteieintrittsalter) sind überhaupt noch in Parteien organisiert. Es gibt Landkreise, da ist der Sparkassenchef das einzige Gewerkschaftsmitglied. Tausende von Gemeinderats-Sitzen in ganz D sind bereits unbesetzt.

    Sogar Zeitungen sind im Überlebenskampf, lokale Beobachter werden in Redaktionen vor Ort durch Agenturnews und Leserreporter ersetzt.

    Welche Journalisten sehen hinter Zahlen, Daten und Zeichen im eigenen Land?
    Wer sieht die Vervielfachung der News, Medien & Botschaften, und wer kommt da noch mit?

    Wie sieht “Verantwortung tragen” für Journalisten aus, wenn sich Tätergruppen in geschlossenen SociaMedia-Kanälen in Affektgemeinschaften zusammenballen? Nach Feierabend selbst FakeProfile bauen, und selbst recherchieren?

    Die Wahrheit ist: nicht nur den Parteien, auch Journalisten entgleitet die professionell zugedachte Rolle und Kontrollfunktion.

    Sprachverrohung, Sprachvereinfachung, Gruppen-Slangs und Subkulturbildung sind kaum noch zu übersehen.

    Armut, Staatsverachtung und Leseferne sind längst Folgewirkungen größerer Versäumnisse in Bildungs-, Jugend- und Arbeitsmarktpolitik.

    Dazu kommt eine “wilde Mediatisierung”, die von Provokation und Hysterisierung lebt, und Populismus wie ein Pilzkulturen wachsen lässt.

    Öffentlichkeit und öffentlicher Diskursraum werden zerstört.

    Eine Mahnung von Ökonomin Shoshana Zuboff, der Überwachungskapitalismus zerstöre die innere Natur des Menschen, ist ganze vier Stunden nur auf der Titel-Timeline sichtbar, bevor er im Google-Suchraum “für Bessergebildete” wie in einer Raumzeit-Falte entschwindet.

    Monatlich werden mehr als 50 €/Einwohner für PR ausgegeben, in Großstädten noch mehr, aber ganze Landstriche sind ohne kommunale Öffentlichkeiten.

    Wenn es um Verantwortung geht, dann ist zuerst “Public Social Responsibility” gefragt! Nicht PR-Agenturen und nicht CSR-Abteilungen können dafür eintreten – nur freie Journalisten, die ohne Angst vor Kündigung denken, schreiben können!

    Verantwortung für Herstellung von Öffentlichkeit und für die “Kulturpflege” des Sprach- und Diskursraumes einer Polis und Kommune – wer fühlt sich dafür auf
    kommunaler Ebene verantwortlich?

    Für die überregionalen kommentierenden Journalisten gibt es auch eine Verantwortung:

    Endlich die eigenen Beschränkungen zu erkennen, und die sozioökonomischen und medienökonomischen Realitäten zum Verhandlungsgegenstand machen!

    Und für Voraussetzungen zu kämpfen, damit alle Mitbürger Lesen können und Zeitungen kaufen können – und es sich leisten können!

    Im Fall Chemnitz hat das System Journalismus versagt, weil zeitweise Hysterie
    entstand. Ein Fall der täglich wiederholbar scheint – aufgrund eines Zusammenspiels von Kommentar-Journalismus und spukhaften Bildern.
    Fehlende zuverlässige Beobachter vor Ort und rasend schnell verbreitete Bilder entfalteten im Mix “fiktionale Sprengkräfte”.

    Ideologie, Populismus & Bildschirm-Auto-Fiktionalismus wurden zu Epidemie!

    Gesinnungsethik, Haltungsethik, Verantwortungsethik, wahrhaftiges und logisches Denken wurden heimlich ersetzt!

    Erstmals in der Geschichte übernahmen „sich selbst hysterisierende Öffentlichkeiten der Digitalmoderne“ (nach Rauterberg) die “political Leadership”.

    Eine “limbische Bildschirm-Auto-Fiktionalismus-Pandemie” hatte Journalisten wie Politiker befallen!

    Nicht nur “Privatsphäre ist eine der wichtigsten Angelegenheiten des 21. Jahrhunderts” (Tim Cook), sondern auch eine funktionierende Öffentlichkeit!

  8. Komisch, dass ich bei solchen Texten wie dem Sommerfelds oft daran denke, was wohl Wolf Scheider dazu sagen würde. Nicht zu diesem Text natürlich, das lohnt sich nicht. Aber z. B. zur Frage, ob das Hasevideo subsumiert unter Hetzjagd in die Tagesschau gehört oder nicht.

    Aber der ist mit 93 Jahren wohl zu alt, um sich noch zu äußern (?).

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia