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Nach Graciano Rocchigianis Tod bei Autounfall: Sport1 setzt Web-Castingshow “The Next Rocky” aus

Im Alter von 54 Jahren bei einem Autounfall in Italien gestorben: Ex-Boxweltmeister und Sport1-Moderator Graciano Rocchigiani
Im Alter von 54 Jahren bei einem Autounfall in Italien gestorben: Ex-Boxweltmeister und Sport1-Moderator Graciano Rocchigiani

Nach dem tragischen Unglück, bei dem der Ex-Boxweltmeister Graciano Rocchigiani starb, hat der TV-Sender Sport1 die für Dienstag geplante Folge der Web-Castingshow mit dem 54-Jährigen gestoppt. "The Next Rocky" soll Nachwuchstalente entdecken, fördern und bei ihrem Weg in den Ring begleiten. Box-Experte und Sport1-Moderator Tobias Drews, der das Format mit "Rocky" betreute, äußerte sich geschockt.

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Auf MEEDIA-Anfrage teilte der Sender am Dienstag mit: “Die heutige Folge der Webserie zu unserer Box-Castingshow ‘Sport1: The Next Rocky’ wurde ausgeplant. Wie wir mit dem Format weiter verfahren, steht derzeit noch nicht fest.” Seit dem 18. September lief das Casting-Format zunächst mit bislang vier Folgen auf der Sport1-Webplattform sowie bei YouTube, für heute stand die fünfte Folge an. Gegen Jahresende sollte das Format dann auch im Fernsehen ausgestrahlt werden. Mit dem Tod Rocchigianis sind alle Planungen über den Haufen geworfen worden.

“Gegner am Boden, jutes Gefühl”: Dieses Zitat lieferte zu Rocchigianis aktiven Zeiten die Headline für ein Spiegel-Interview und bringt zugleich die raue Art des Profiboxers aus Berlin auf den Punkt. Rote Teppiche und eloquenter Smalltalk waren seine Sache nicht. “Rocky” war einer aus dem Kiez, der sich für Vermarktungszwecke nur sehr beschränkt eignete und auch nie hergab. Dafür gab er im Ring stets alles.

Dreißig Jahre, nachdem “Gratze” seinen ersten Weltmeister-Gürtel errang, hatte Sport1 den Boxer für eine ambitioniere Show verpflichtet. „The Next Rocky“ sollte Talente in einem Sport casten, der in Deutschland und der Welt schon bessere Zeiten erlebt hat. Ein Comeback-Versuch in doppelter Hinsicht also. Die Show sollte im Web und im Free-TV gezeigt werden und das Boxen wieder poulärer machen. Neben dem jetzt ums Leben gekommenen Rocchigiani sollte Box-Kommentator und Sport1-Moderator Tobias Drews in der Jury der Sendung sitzen. Was aus dem Format nun wird, ist derzeit unklar.

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„Wenn man Profiboxer werden will, muss man dafür alles geben und diesem Ziel alles unterordnen“, hatte der ehemalige Halbschwergewichtsboxer noch bei der Promotion für die neue Show erklärt, „Disziplin, Trainingsfleiß und Vertrauen zum Trainer spielen eine sehr wichtige Rolle. Das werde ich den Kandidaten klar machen!“

Bis Ende August konnten sich Kandidaten online auf sport1.de für die Castingshow bewerben. In einem Bootcamp konnten die Nachwuchs-Boxer dann auf ihre ersten Fights trainieren, die Sport1 online zeigte. Die entscheidenden Endkämpfe sollen, so das ursprüngliche Konzept, dann im TV übertragen werden. Mit dem neuen Format wolle man „den Nachwuchs fördern“, erklärt Tobias Drews von Sport1. Die neue Show wolle „gute Typen finden und ihnen die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln”.

Dirc Seemann, Chefredakteur von Sport1, äußerte sich am Abend: „Wir haben mit großer Bestürzung vom Tod von Graciano Rocchigiani erfahren, der viel zu früh von uns gegangen ist. Wir trauern um einen großen Champion und hoch geschätzten Kollegen – eine ganz ehrliche Haut, dessen Leidenschaft für ‚seinen‘ Boxsport uns alle inspiriert hat.”

Sport1-Boxchef Tobias Drews sagte: „Sein Kämpferherz hat Graciano Rocchigiani zum Weltmeister gemacht – und genau mit diesem Herz wurde er schnell mehr als ein Kollege. Für seine klaren und offenen Worte wurde er als Experte geschätzt, in unserem Team und von den Boxfans. Wir hatten noch viel zusammen vor. ‚Echte Kerle heulen doch nicht‘, hatte er erst kürzlich zu mir gesagt. Ich weiß nicht mehr, ob im Spaß oder ob er das ernst meinte. Aber ich schäme mich nicht, mit Tränen in den Augen zu sagen: Mach‘s gut, Rocky – ich werde dich vermissen!“

Graciano Rocchigiani wurde am 29. Dezember 1963 in Rheinhausen geboren. 1982 wurde er Deutscher Meister im Halbmittelgewicht und startete ein Jahr später seine erfolgreiche Profi-Karriere. Nach zwei weiteren Meisterschaften holte sich der Rechtsausleger 1988 den IBF-Weltmeistertitel im Supermittelgewicht und krönte sich zum jüngsten deutschen Box-Weltmeister aller Zeiten. Anschließend lieferte sich Rocchigiani legendäre Kämpfe mit Henry Maske und Dariusz Michalczewski, bevor er zehn Jahre nach seinem ersten WM-Triumph 1998 auch den vakanten Weltmeisterschaftstitel im Halbschwergewicht der WBC holte. Nach dem Ende seiner Profi-Laufbahn 2003 war Rocchigiani unter anderem als Boxtrainer, Mental-Coach und TV-Experte aktiv.

 

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