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Tarifstreit: Radio Hamburg verkündet “Einigung” – Gewerkschaften widersprechen

Wollen einen Tariflohn: Mitarbeiter von Radio Hamburg
Wollen einen Tariflohn: Mitarbeiter von Radio Hamburg

Radio Hamburg, seit einigen Wochen im Tarifstreit mit DJV und Verdi, verkündet eine "Einigung". Wie von Beginn an angeboten, habe man sich mit Arbeitnehmern auf eine "Betriebsvereinbarung" geeinigt. Was nach endgültigem Verhandlungsergebnis klingt, ist aber offenbar nur einseitig. Die Gewerkschaften halten ihre Forderung nach einem Tarifwerk aufrecht.

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Für eine Betriebsvereinbarung mussten nur Geschäftsführung und Betriebsrat des Unternehmens zusammenkommen, die Gewerkschaften blieben dabei außen vor. Konkret sieht das Ergebnis unter anderem eine Brutto-Gehaltserhöhung von 3.000 Euro im Jahr vor, hinzu kommt eine verkürzte Arbeitswoche von 37,5 Stunden. Neben der einmaligen Gehaltserhöhung werde aufgrund des Sendererfolgs eine Sonderprämie von 1.000 Euro gezahlt. Volontäre sollen einen Mietkostenzuschuss von 200 Euro pro Monat erhalten. Die Radio-Hamburg-Geschäftsführung beschreibt das Ergebnis als “positiv” nach “konstruktivem Dialog”.

Für die Geschäftsführung scheint ihr Ziel damit erst einmal erreicht. Sie wollten die Forderung nach einem Tarifwerk umgehen, sich nicht auf regelmäßige Gehaltserhöhungen einlassen. Tarifverträge hatte man als “politisch” und nicht mehr zeitgemäß bezeichnet.

„Die Gewerkschaften wollten unsere prominente Marke für ihre Zwecke nutzen. Dafür möchten wir uns nicht hergeben. Lieber haben wir mit der Einigung auf die Betriebsvereinbarung im respektvollen Miteinander ein Zeichen gesetzt“, sagt Geschäftsführer Patrick Bernstein. Die einvernehmliche Unterzeichnung sei der “konsequente letzte Schritt auf dem bereits im Juli eingeschlagenen Weg”. “Störfeuer” hätten allein die Gewerkschaften zu erzeugen versucht.

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Die Gewerkschaften sehen das anders. Die Betriebsvereinbarung sei nur ein Zwischenschritt. Auf Nachfrage von MEEDIA erklärt DJV-Hamburg-Geschäftsführer Stefan Endter, dass hier nur der Eindruck einer Einigung erweckt werden solle. Man begrüße aber die geschlossene Betriebsvereinbarung. “Jeder Euro, der mehr bezahlt wird, ist erst einmal erfreulich”, so der Gewerkschaftsvertreter. Aber: Nach wie vor seien drei Viertel der Mitarbeiter von Radio Hamburg in Arbeitnehmerverbänden organisiert. Diese hielten weiter an der Forderung nach einem Tarif fest. Das gelte auch für den Betriebsrat, der die Vereinbarung unterzeichnet hatte, aber auch Mitglied der gebildeten Tarifkommission sei.

Daher erwarte man seitens der Arbeitnehmervertreter weiterhin den Beginn von Verhandlungen zwischen Kommission und Arbeitgeber, so Endter. Gemeinsam mit Verdi hatten er und die Mitglieder in den vergangenen Wochen einen Brief an die Gesellschafter von Radio Hamburg formuliert, in dem sie auf ihre Forderungen und den mangelnden Verhandlungswillen der Geschäftsführung eingegangen waren. Auf den Brief an Medienunternehmen wie Axel Springer, RTL, Bauer Media, die Hamburger Morgenpost, habe man bislang noch keine Rückmeldung erhalten.

Unterdessen war der Streit zwischen den Parteien zu einer Art PR-Posse mutiert. Nachdem die Arbeitnehmervertreter zu Beginn des Streits eine PR-Kampagne inklusive eigener Website namens “wirsindradio.hamburg” gelauncht hatten, klagte Radio Hamburg gegen die Gewerkschaften, weil sie Markenrechte verletzt sahen. Statt am Verhandlungstisch traf man sich also vor Gericht. Vergangene Woche klärte das Arbeitsgericht Hamburg die Angelegenheit, ließ einen Antrag auf Unterlassung abblitzen. 

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