Partner von:
Anzeige

Der künftige Titanic-Chefredakteur Moritz Hürtgen über sein Blatt: “Will eine müde, überforderte Altleserschaft loswerden”

Moritz Hürtgen wird im Januar 2019 neuer Chefredakteur der Titanic
Moritz Hürtgen wird im Januar 2019 neuer Chefredakteur der Titanic

Bei der Satire-Zeitschrift Titanic ist es eine liebe Tradition, dass alle fünf Jahre der Chefredakteur wechselt. Auf Tim Wolff folgt daher im kommenden Januar Moritz Hürtgen. Die Berufung Hürtgens zum neuen Titanic-Kapitän kommt nicht ganz überraschend, war er doch für die aufsehenerregendsten Coups des Magazins in der jüngeren Zeit verantwortlich, wie #miomio-Gate oder die angebliche Auflösung der CDU/CSU-Gemeinschaft. Dafür hagelte es aber auch reichlich Kritik.

Anzeige

Bei #miomiogate hat Moritz Hürtgen als angeblicher Informant der Bild-Zeitung eine falsche Verbindung zwischen den Jusos und russischen Internet-Trollen als Story untergejubelt. Die Bild brachte die Fake-Fast-Verschwörung rund um den SPD-Mitgliederentscheid zur Großen Koalition auf Seite 1. Eine Satire-Aktion von gehörigem Impact, die für die Bild extrem peinlich war. Kurz darauf verwirrte Hürtgen die Medien, indem er seinen Twitter-Account @hrtgn umtaufte in “hr Tagesgeschehen”, so tat, als handle es sich um ein Magazin des Hessischen Rundfunks und meldete, dass laut einer “internen Bouffier-Mail” das Parteien-Bündnis zwischen CDU und CSU aufgelöst würde.

Der Satire-Fake war nah genug an der Realität, dass zahlreiche Medien darauf reinfielen. In beiden Fällen gab es aber auch die Kritik, dass Hürtgen/Titanic mit solchen Mätzchen tatsächlich Fake News Vorschub leisten würden.

War seine Berufung zum Chefredakteur also nun der Lohn für die Satire-Coups? Laut Hürtgen läuft das Verfahren der Chefredakteurs-Kür bei Titanic folgendermaßen ab: “Durch Gläserrücken wird alle fünf Jahre Kontakt zu den Titanic-Gründervätern hergestellt, die der Redaktion eine Empfehlung geben. Es wird dann das Gegenteil davon getan.” Eine typische Titanic-Antwort in Hürtgen-typischer Knappheit. Auch ansonsten will sich der künftige Titanic-Chef nicht recht festlegen.

Frage: Ist es heute schwieriger, Leute oder Institutionen reinzulegen, als früher?

Anzeige

Antwort: “Keine Ahnung, ich sage mal: Leute leichter, Institutionen schwerer. Vielleicht auch andersrum.”

Frage: Teilweise wird der Begriff Satire auch von Populisten gekapert, die Falsch-Nachrichten unter dem Deckmantel der Satire verbreiten. Prominentes Beispiel ist die Website “Berliner Express”, die unter dem Label “Satire” rechte Hetze betreibt. Wie beurteilen Sie dieses Phänomen?

Antwort: “Bei Titanic geben wir Nazis, die das Label ‘Satire’ verwenden, das Label ‘Nazis’.”

Okay, schon kapiert. Vielleicht waren ihm auch einfach unsere Fragen zu blöd.

Eine noch: Was nimmt er sich vor für seine Zeit als Titanic-Chefredakteur? “Titanic will eine müde, überforderte Altleserschaft loswerden und das Medium/Portal werden, durch das in Zeiten von falschen und echten Fakten jeder Mensch zu seiner ganz eigenen Wahrheit findet.” Da ist ja nun wirklich für jeden was dabei.

Noch-Chefredakteur Tim Wolff soll der Titanic als Autor erhalten bleiben.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Mir wird schlecht, wenn ich mir diese ideologisch radikalisierten Linksmenschen anschaue, die nun nachrücken. Dagegen sind selbst die 68er Wertkonservative…

  2. Die Satire ist zu langsam für die Realitäten!

    Nun kommen eben “Affektgemeinschafts-Humor” und „sich selbst hysterisierenden Öffentlichkeiten der Digitalmoderne“ (nach Rauterberg).

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia