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Wochenrückblick: Treffen sich Kollegah, Sarrazin, Matussek und Leo Fischer an einem Buchmesse-Stand …

Madame Merkel sagt “nein”; Kollegah sagt, wo’s langgeht; die Junge Freiheit sagt “Skandal” und Leo Fischer sagt, was Söder sagt
Madame Merkel sagt "nein"; Kollegah sagt, wo's langgeht; die Junge Freiheit sagt "Skandal" und Leo Fischer sagt, was Söder sagt

Die Medien haben diese Woche eifrig das Todesglöcklein für die Ära Merkel bimmeln lassen. Die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit ist sauer, weil sie auf der Frankfurter Buchmesse in einer Sackgasse landet. Und Kollegah, Matthias Matussek, Thilo Sarrazin und Leo Fischer teilen sich ein und dieselbe Verlagsgruppe. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Man kann vieles behaupten, aber nicht, dass es langweilig ist in diesem, unserem Lande. Zu Beginn der Woche riefen die Medien kollektiv den Anfang vom Ende der Ära Merkel aus. Grund: Der von Merkel unterstützte Volker Kauder war bei der Wahl zum Unions-Fraktionschef seinem bisherigen Vize Ralph Brinkhaus unterlegen. Ei, da rauschte es im Blätterwald, bzw. es glühten die Tastaturen. Das “Totenglöckchen” für die Regierung Merkel wurde geläutet, Heribert Prantl von der SZ schrieb gar in Anlehnung an die Wiesn-Traditionsschau Schichtl von einer “Enthauptung auf offener Bühne“. Eine Nummer kleiner geht’s nicht mehr. Übermedien.de hat schön zusammengefasst, dass die Abgesänge auf die Ära Merkel eine gewisse Tradition haben und sogar schon losgingen, bevor die Frau überhaupt Kanzlerin wurde.

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Absurd fand ich in diesem Zusammenhang auch, dass es dann eine Eilmeldung wert war, dass die Kanzlerin KEINE Vertrauensfrage stellt. Dabei hatte der FDP-Chef Lindner ihr das doch empfohlen! Frech von der Kanzlerin, sich nicht daran zu halten! Beim ZDF bastelten sie sogar eine Social-Media-Kachel mit dem kategorischen “Nein” des Regierungssprechers zur Frage der Vertrauensfrage.

Wie es unaufgeregter geht, zeigte die FAZ. Hier erschien unter der Überschrift “Und sie bewegt sich doch” eine eher nüchterne Chronologie der Ereignisse rund um die Kauder-Abwahl. Nach der Lektüre wurde einem klar, dass es hier eben keine Verschwörung der Merkel-Gegner, keine geplante Revolution und keinen angezettelten Kanzlerinnen-Sturzversuch gab, sondern eine Verkettung mehrerer Ereignisse und Befindlichkeiten – wie das eben oft so ist. Die Lage der Regierung ist kritisch und bisweilen unübersichtlich – keine Frage. Mit ihrer atemlosen Aufgekratztheit tun viele Medien aber nichts dazu, für mehr Übersicht zu sorgen, wie es ihr Job wäre. Im Gegenteil. Sie bedienen genau solche Empörungs-Mechanismen, die später dann in Kommentaren wieder wortreich angeprangert werden.

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Eine Runde Mitleid für die Junge Freiheit! Die rechte Wochenzeitung wird auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse in ein Sackgassen-“Ghetto” gepfercht. Eine “rund 30 Meter lange und fünf Meter schmale Sackgasse” führe zum Messestand der Jungen Freiheit, jammert das Blatt in einer Pressemitteilung. „Ganz Deutschland klagt über die zunehmende Polarisierung und Spaltung unserer Gesellschaft. Und was macht die Frankfurter Buchmesse? Sie grenzt Verlage mit unbequemen Autoren, Themen, Publikationen aus – das ist ein Skandal!“, so Dieter Stein, Chefredakteur der Jungen Freiheit. Weil also die Junge Freiheit am Ende eines Ganges platziert wurde, wankt die deutsche Gesellschaft. Das die Begriffe “Ghetto” und “Skandal” für einen Gang auf dem Buchmessegelände möglicherweise ein wenig übergeigt sein könnten – dieser Gedanke liegt der Jungen Freiheit offensichtlich fern. Oder kalkuliert man hier vielleicht einen PR-Effekt ein, indem man schon vorab die Opferkarte ausspielt?

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Zu einem illustren Treffen könnte es an einem anderen Stand der Frankfurter Buchmesse kommen, nämlich an dem der Münchner Verlagsgruppe. Das Haus hat sich eine überaus illustre Gesellschaft an besonders öffentlichkeitswirksame Autoren eingesammelt. Im dortigen Finanzbuch Verlag erschien das von Random House abgestoßene aktuelle Sarrazin-Buch “Feindliche Übernahme”. Ebenfalls im Finanzbuch Verlag erschien in der “Edition Tichy” (Obacht!) Matthias Matusseks Abrechnungsbuch “White Rabbit”, das andere Verlage nicht mit der Kneifzange anfassen wollten. Und aktuell feiert der ebenfalls zur Gruppe gehörende Riva Verlag mit dem Kollegah-Machowerk “Das ist Alpha” einen weiteren Bestseller Erfolg. Ebenfalls bei Riva erschienen ist die “komplett erfundene Autobiografie” eines gewissen Markus Söder, die von Ex-Titanic-Chefredakteur Leo Fischer verfasst wurde: “Gottes Werk und mein Beitrag“. Man ist also durchaus um eine gewisse Diversität bei der intellektuellen und politischen Ausrichtung der Autoren bemüht. Mein Wunsch: Bitte, bitte eine Podiums-Diskussion auf der Buchmesse mit all diesen Top-Autoren! Moderation: Thomas Gottschalk.

Schönes Wochenende!

PS: In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Die Medien-Woche” spreche ich mit meinem Welt-Kollegen Christian Meier über die ewige Merkel-Dämmerung in den Medien, es geht um den Auftritt von Yuval Noah Harari beim BDZV-Kongress und den 40. Geburtstag der taz. Würde ich freuen, wenn Sie reinhören!

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