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Untersuchung zu “Schatten-Daten”: Facebook nutzt Handynummer, auch wenn sie nur zu Sicherheitszwecken angegeben wurde

Facebook-CEO Mark Zuckerberg
Facebook-CEO Mark Zuckerberg

Für den Schutz der eigenen Nutzerdaten bewirbt Facebook massiv die so genannte Zweistufen-Authentifizierung, die vor Logins durch Dritte schützen soll. Für die Zusendung automatisch generierter PINs hinterlegen Nutzer dafür ihre Handynummer. Was bislang unklar war: Facebook nutzt die für die Sicherheit hinterlegten Kontaktdaten offenbar auch in der Werbevermarktung, das ergab eine Untersuchung. Forscher erhärten auch den Verdacht der Nutzung von Schattenprofilen. Facebook dementiert.

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Vor circa acht Wochen startete Facebook eine Art Kommunikationsoffensive im B2C-Segment namens “Meet Facebook”, mit der das Unternehmen Nutzern sein Handeln und Regeln des sozialen Netzwerkes erläutern will. Unter dem Motto “Ihr fragt, wir antworten.” geht Facebook dabei, so behaupten sie es, auf die “immer wieder gestellten Fragen aus der Community” ein. Wo die Fragen genau herkommen, wer sie gestellt hat, das behält Facebook für sich. Auf jeden Fall passen die Fragen immer wieder zu den Themen, die in den aktuellen Werbemaßnahmen auftauchen: Um das große, neue “digitale Lernzentrum” in Berlin geht es dann beispielsweise (kennen sicher tausende Nutzer). Und auch darum, wie Facebook Unternehmen “hilft”, geht es (oberstes Nutzerinteresse). Und vieles mehr. Nicht alles davon ist rein werblich.

„Meet Facebook. Ihr fragt, wir antworten." Folge 9 „Meet Facebook. Ihr fragt, wir antworten." Folge 9** „*Was macht Facebook mit meinen Daten und wie kann ich sie schützen?“

„Meet Facebook. Ihr fragt, wir antworten." Folge 9„Was macht Facebook mit meinen Daten und wie kann ich sie schützen?Wir haben eine ganze Reihe von Maßnahmen getroffen, die jeder einstellen kann, um das eigene Konto sicherer zu machen. Syra Feiser hat in der neuen Folge von “Meet Facebook. Ihr fragt, wir antworten.” erfahren, wie Daten dazu dienen, relevante Inhalte anzuzeigen und wie ihr eure Privatsphäreeinstellungen anpassen könnt. Weitere Informationen rund um das Thema Datenschutz findet ihr auch im Facebook-Hilfebereich: https://www.facebook.com/help/

Gepostet von Facebook am Donnerstag, 27. September 2018

In der aktuellen Folge mit dem Titel “Was macht Facebook mit meinen Daten und wie kann ich sie schützen?“ geht es mal um ein zentrales Nutzerthema. Klaus Gorny, Facebook-Sprecher, sitzt neben  Moderatorin Syra und erklärt, welche Daten von Facebook überhaupt gespeichert würden, was Facebook damit so anstellt und wie sie vor Missbrauch geschützt werden können – klar: Fotos, Videos, Orte, Interaktionen. Das alles merkt Facebook sich, erklärt Gorny. Für’s Nutzererlebnis. Und natürlich für ein bisschen Werbung, erwähnt er noch. Mehr nicht?

In dem PR-Video wirbt Gorny auch noch unter dem Aspekt der Sicherheit für die Zwei-Stufen-Authentifizierung des sozialen Netzwerks. Sie soll verhindern, dass Dritte sich einfach bei Facebook einloggen können. Dafür müssen Nutzer nichts anderes machen, als ihre Handynummer zu hinterlegen. Die hat Gorny zuvor nicht erwähnt, als es um das Speichern von Daten ging. Dennoch kann Facebook der Verlockung, diese für die Sicherheit hinterlegten Daten für’s Geschäft zu nutzen, nicht widerstehen.

Auch die zur Authentifizierung hinterlegte Nummer, die eben nicht in den “allgemeinen Kontodaten” abgelegt wird, nutzt Facebook für den Abgleich. Das sei, wie ein Sprecher gegenüber mehreren Medien bereits erklärt hat, keine Überraschung und kein Geheimnis. Schließlich heiße es auch bei der Authentifizierung: “Füge eine Telefonnummer zu deinem Konto hinzu, um loszulegen”. Klar dürfte es vielen Nutzern aber nicht sein.

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Umstrittener ist jedoch eine Methode, die Facebook bereits seit Monaten dementiert. Das Anlegen so genannter Schattenprofile.

Facebook nutzt Handynummern und Mailadressen nicht, um Nutzer direkt mit Werbebotschaften zu versorgen, sondern zum Abgleich. Ein bekanntes Modell ist: Kunden, die bei Facebook Werbung schalten wollen, können die von ihnen selbst gesammelten Kontaktdaten ihrer Zielgruppe bei Facebook hochladen, um eine so genannte “custom audience” zu erstellen. Facebook gleicht die Daten mithilfe der Kontaktdaten mit den im sozialen Netzwerk vorhandenen ab. Stimmen Mail oder Nummer überein, ist der Nutzer werberelevante Zielgruppe. Dabei sei aber wichtig, dass eine Werbebotschaft nicht nur einen einzigen Nutzer erreichen könne. Es brauche “mindestens 100 Matches, ansonsten kann diese benutzerdefinierte Zielgruppe nicht genutzt werden”, erklärte ein Sprecher gegenüber Spiegel Online.

Die Frage ist: Woher kommen die Handynummern? Zum einen können Nutzer sie selbst hinterlegen. Forscher der Northeastern University werfen aber auch die Frage auf, ob Facebook sich die Daten auch aus anderen Quellen beschafft.

In einer ihrer Untersuchungen haben sie mehrere Facebook-Konten angelegt und überprüft, ob sich Facebook Daten aus anderen Quellen zieht. Dazu schalteten sie anschließend gezielt Werbung. Der Verdacht: Facebook könnte beispielsweise Telefonnummern aus den von anderen Nutzern bereitgestellten Kontaktinformationen ziehen. Das wäre dann der Fall, wenn ein Nutzer sein Telefonbuch für Facebook freigibt. Damit würde Facebook an Nummern gelangen, ohne dass deren Inhaber etwas davon wissen.

Facebook weist den Verdacht von sich. Gegenüber t3n erklärt ein Sprecher, Facebook verwende diese Daten nur für Freundschaftsvorschläge innerhalb des Netzwerkes – so wird es auch dem Nutzer kommuniziert. Schattenprofile, also geheime Sammlungen von Nutzerdaten, gebe es nicht. Lädt ein Unternehmen die Telefonliste der eigenen Kunden zu Werbezwecken bei Facebook hoch, dann erreichten die Anzeigen auch nur die Nutzer, die ihre Nummer selbst im Profil hinterlegt haben.

Der Verdacht der Schattenprofile haftet bereits seit Jahren Facebook an. Unbestritten ist, dass Facebook an Daten von Menschen kommt, die gar keine Nutzer des Angebotes sind. Bei der Anhörung vor dem EU-Parlament im Mai dieses Jahres wich Gründer Mark Zuckerberg Fragen der Abgeordneten zu dem Themenkomplex aus. Antwortete nur, man müsse Daten auch von Nichtnutzern aufzeichnen, “um die Sicherheit der Facebook-Nutzer zu garantieren”. Ähnlich verhielt er sich einige Wochen zuvor vor dem US-Kongress.

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Alle Kommentare

  1. Manche Firmen bestehen auf der Handy-Nummer. So hat One.com schon vor rund 10 Jahren die Festnetz-Nummer rundheraus abgelehnt und bestand auf einer Handy-Nummer: ohne Handy-Nummer kein Web-Space.

    Was geht einen Webhoster die Handy-Nummer eines Kunden an? Gar nichts!

    Dieser Rassismus der Firmen (ohne Handy ist man kein vollwertiger Mensch) muß ein Ende haben!

    Keine Firma hat das Recht, eine Telefonnummer zu erzwingen.
    Jede Firma, die es tut, gehört zerschlagen, alle ihre Besitztümer, und auch die der Führungskader und der Besitzer, gehören konfisziert und enteignet.

    Stoppt die Nazis!

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