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"Polens Präsident zur Linken": Polnischer Journalist wird nach diesem Foto-Posting rausgeworfen

In- wie ausländische Beobachter schauen mit großer Besorgnis auf die Entwicklung der Pressefreiheit in Polen, wo Kritiker die Regierung verantwortlich für schwindende Pressevielfalt und kritischen Journalismus machen. Nun wirft ein Social-Media-Redakteur dem Sender Belsat „Selbstzensur“ vor. Er kommentierte ein Foto von Präsident Duda mit US-Präsident Donald Trump. Seinen Vorgesetzten gefiel das nicht – und sie warfen ihn raus.

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Besuche beim US-Präsidenten sind für Politiker mittlerweile zu einer höchst sensiblen Angelegenheit geworden. Denn jeder Gast muss damit rechnen, in irgendeiner Form von Donald Trump bloßgestellt zu werden. Ein aktueller Fall ist der Besuch des polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda in der vergangenen Woche.
Bei der von Fotografen begleiteten Unterzeichnung eines Vertrags über bilaterale Sicherheitsbeziehungen stand Duda über den Schreibtisch des US-Präsidenten gebeugt, während Trump mit strenger Miene in seinem Sessel thronte. Die fotografisch dokumentierte Situation sorgt vor allem in Dudas Heimatland für Diskussionsstoff. Während Anhänger des Dudas hervorheben, was für eine Ehre die Unterzeichnung am Präsidentenschreibtisch im Oval Office sei, erkennen andere eine Beleidigung und zugleich Schwäche ihres Oberhauptes.
Während Regierungs- und Oppositionspolitiker darüber diskutierten, entschied sich Ivan Shyla, Social-Media-Redakteur dem Sender Belsat, das Foto bei Facebook weiterzuverbreiten. Er kommentierte es mit den Worten „Polens Präsident zur Linken“ – und Schlug für den Geschmack seines Arbeitgebers damit über die Stränge.
Der Angestellte des Senders Belsat, der unter anderem vom polnischen Staat finanziert über Weißrussland berichtet und dort sein Sendegebiet hat, war wenig später seinen Job los. Wie er in einem gesonderten Statement bei Facebook erklärt, sei er nach seinem Posting von der Senderdirektorin Agnieszka Romaszewska aufgefordert worden, es zu löschen. Angestellte des Senders dürften keine Scherze über die nationalen Interessen Polens machen, soll die Erklärung gelautet haben. Als er sich weigerte, habe er die Kündigung erhalten.
https://www.facebook.com/photo.php?fbid=2268649869831620&set=a.105079216188707&type=3&theater
Für Shyla gibt es dafür nur eine Erklärung: Belsat betreibe Selbstzensur aufgrund einer zu großen Nähe zur Regierung, untermauert er gegenüber MEEDIA. Romaszewska gehöre zu den Unterstützern Dudas, ihre Mutter sei als Beraterin für den Staatspräsidenten tätig. „Belsats Position scheint zu sein, dass Duda mein Management darstellt und Scherze nicht erlaubt sind“, schreibt er in seinem Posting weiter.
In Folge des Vorfalls hätten Mitarbeiter zudem ein Memo erhalten, laut dem sie Polen betreffende Nachrichten nicht mehr ohne Erlaubnis eines Vorgesetzten veröffentlichen dürften. MEEDIA liegt eine Kopie dieser Mail vor. Darin macht eine leitende Redakteurin ihre Kollegen darauf aufmerksam, dass die Aktivitäten des Senders von der Direktion wie auch dem Außenministerium beobachtet werden.
„Diese Richtlinie meint, dass Belsat keine kritischen Inhalte über die PiS, die im Parlament stärkste Fraktion, veröffentlichen wird“, kommentiert Shyla.
Auf Anfrage bei Belsat reagierte ein Sprecher zunächst mit einer allgemeinen Stellungnahme, die bereits einige Tage zuvor veröffentlicht worden war. Darin heißt es, Shyla sei wegen „anhaltenden Fehlverhaltens“ sowie dem daraus folgenden „Vertrauensverlust“ gekündigt worden. In einem polnischen Nachrichtenportal heißt es, Belsat-Direktorin Romaszewska habe das Duda-Trump-Foto als einen Grund genannt und darauf hingewiesen, dass Shyla gegen die Interessen des Unternehmens gehandelt habe.
Wenige Tage später führte Belsat seine Erklärung gegenüber MEEDIA aus. Das Posting sei nicht Grund für die Kündigung gewesen. „Dennoch wurde der Mitarbeiter darauf aufmerksam gemacht, dass das gleiche Bild von der Kremlpropaganda benutzt wird, um die polnische Regierung in Misskredit zu bringen…“ Und: „Der Mitarbeiter wurde gebeten, sich nicht in diese beiden Erzählungen einzumischen, da dies der redaktionellen Linie von Belsat widerspricht.“
Der Sprecher äußerte sich auch zu dem Memo, das vor dem Rauswurf Shylas versendet worden sei und deshalb in keinem Zusammenhang stehe. Es gehe vielmehr um die „Verbesserung der Qualität, sowohl in Bezug auf die Leistung als auch auf die Sprache der Inhalte, die von weißrussischen Journalisten über die Situation in Polen verbrietet werden“. Und weiter: „Da Belsat vom polnischen Außenministerium finanziert wird, sollte der Qualität der Materialien besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.“ Einige Journalisten, insbesondere anderer Muttersprache sowie mit geringer Erfahrung, würden häufiger Sach- wie auch Sprachfehler machen.

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