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Eklat bei Pressekonferenz mit Erdogan: Journalist wird abgeführt, Can Dündar verweigert Teilnahme

Can Dündar (links) nimmt nicht an der Pressekonferenz mit Erdogan teil, auf dem ein protestierender Journalist herausgeführt wird

Bei der Pressekonferenz des türkischen Präsidenten Erdogan und Angela Merkel (CDU) in Berlin ist es zum Eklat gekommen. Der Journalist Ertugrul Yigit, der mit einem T-Shirt während der Konferenz seinen stillen Protest ausdrückte, wurde vor den Kameras aus dem Saal geführt. „Ich habe nichts getan“, rief der Mann, der eine Akkreditierung hatte. Der Journalist Can Dündar nahm erst gar nicht an der umstrittenen PK teil.

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Der Mann, der aus dem Saal geführt wurde, trug ein T-Shirt mit der Aufschrift „Gazetecilere Özgürlük – Freiheit für Journalisten in der Türkei“ und wollte damit für die Pressefreiheit in den Land protestieren. Anwesende Journalisten dokumentieren den Vorfall auf Twitter:


Laut Augenzeugen soll sich der Journalist nicht auffällig verhalten haben. Das Blatt, für das er arbeitet, heißt wohl Avrupa Postasi, vermuten die „Tagesthemen“. Erdogan lächelte zunächst nur.
Regierungssprecher Seibert verteidigte auf Twitter das Vorgehen: „Wir halten es bei Pressekonferenzen im Kanzleramt wie der Deutsche Bundestag: keine Demonstrationen oder Kundgebungen politischer Anliegen“, erklärte Seibert. „Das gilt völlig unabhängig davon, ob es sich um ein berechtigtes Anliegen handelt oder nicht.“

Dündar nimmt nicht teil

Schon im Vorfeld der Pressekonferenz gab es Schlagzeilen zum Thema Pressefreiheit. Der in der Türkei wegen Spionage und Verrats gesuchte Journalist Can Dündar verzichtete auf eine Teilnahme. „Ich habe entschieden, nicht daran teilzunehmen“, sagte Dündar, der seit zwei Jahren in deutschem Exil lebt, am Freitag auf seinem eigenen Medienportal.


Die türkische Delegation um Erdogan hatte gedroht die gemeinsame Pressekonferenz mit Merkel platzen lassen, sollte Dündar dort auftauchen. Zuerst hatte die Bild über die Drohung berichtet. Dündar erklärte, er wolle nicht zulassen, dass die Pressekonferenz wegen seiner Person abgesagt und kritische Fragen anderen Journalisten nicht möglich sind.
Die Entscheidung über eine mögliche Absage der Pressekonferenz sei in einem Treffen mit mindestens zwei hochrangigen Delegationsmitgliedern nach einer Zusammenkunft mit weiteren türkischen Ministern in Berlin am Donnerstag gefallen. „Die türkische Seite hat ein Auslieferungsersuchen für Dündar laufen – da käme also jemand zur Pressekonferenz mit dem Präsidenten, der in der Türkei als Straftäter gesucht wird“, hieß es aus dem Umfeld des Präsidenten.
Der 57-Jährige Dündar war wegen eines Artikels zu Waffenlieferungen des türkischen Geheimdiensts nach Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden und lebt deswegen seit mehr als zwei Jahren in Deutschland im Exil.
Die Türkei habe der Bundesregierung vor dem Besuch von Erdogan eine Liste mit Namen von 69 Personen zukommen lassen, die von Deutschland ausgeliefert werden sollen, wie die türkische Zeitung Yeni Akit berichtete. Die Liste beinhaltet demnach Personen, die in der Türkei wegen Terrorvorwurfs gesucht werden und in Deutschland Exil beantragten – darunter eben auch der Journalist Can Dündar.
(rt, mit Material der dpa)

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