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Nach Verkaufsrückgang: Kommunikations-Fachblatt Werben & Verkaufen wird zum Monatsmagazin

W&V-Geschäftsführer Christian Meitinger
W&V-Geschäftsführer Christian Meitinger

Werben & Verkaufen ändert den Erscheinungsrhythmus. Der Marktführer unter den Print-Magazinen der Kommunikationsbranche wandelt sich ab Anfang 2019 von einer Wochen- zur Monatszeitschrift. Vorangegangen war ein deutlicher Absatzrückgang. Künftig will das Münchener Verlagshaus offenbar stärker auf die digitalen Auftritte der Gruppe setzen. Die Kursänderung könnte durch den neuen SWMH-Chef Christian Wegner beflügelt werden.

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Eine Ära endet: Jahrzehntelang war Werben & Verkaufen Magazin-Marktführer in der Kommunikationsbranche und wöchentliche Pflichtlektüre für Werbeagenturen und Medienmacher. Damit ist bald Schluss. Die Fachzeitschrift, die zur Stuttgarter Südwestdeutsche Medien Holding GmbH (SWMH) gehört, wird 2019 zum Monatsmagazin. Über den Einschnitt informierte W&V-Geschäftsführer Christian Meitinger die Belegschaft am Montag. Dies erfuhr MEEDIA aus Mitarbeiterkreisen des Unternehmens. Eine SWMH-Sprecherin will sich auf Anfrage von MEEDIA nicht dazu äußern.

Auslöser für die Maßnahme ist offenbar ein deutlicher Absatzrückgang des Fachblatts. So war die verkaufte Auflage laut IVW im 2. Quartal 2018 um mehr als 17 Prozent auf 21.466 Exemplare gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal eingebrochen. Auch die Zahl der Abonnenten schrumpfte um 4,9 Prozent auf 19.418 Stück. Der langjährige Chefredakteur Jochen Kalka hatte das Fachblatt in den vergangenen Jahren in einem hart umkämpften Segment immer wieder vergeblich neu ausgerichtet. Zuletzt verpasste er dem Titel im Oktober 2014 einen umfassenden Relaunch und eine neue Struktur. Dazu holte er auch den früheren Business Punk-Macher Matthias Oden an Bord und macht ihn zum stellvertretenden Chefredakteur. Der Journalist sollte das Blatt durch eine opulente Optik – vor allem bei der Titelgestaltung – und durch mehr Hintergrund-Berichte über die Branche aufwerten. Doch die Strategie ging nicht auf. Rund zwei Jahre danach trennen sich der Verlag und Oden überraschend – im „besten Einvernehmen“.

Im Mai startete Kalka dann einen neuen Anlauf. Er holte Holger Schellkopf als Mitglied in die Chefredaktion. Als ehemaliger Digitalchef beim Mittelbayrischen Verlag in Regensburg soll er vor allem die Webauftritte der W&V-Produkte wuv.de, kontakter.de und lead-digital.de vorantreiben. Mit der Umstellung des Erscheinungstakts könnte nun ein radikaler Kurswechsel bevorstehen. So dürfte das Unternehmen sein Gewicht stärker auf das Digitalgeschäft legen – möglicherweise mit einer Paid-Content-Strategie. Damit würde der Vize-Chef Schellkopf mehr Macht in der W&V-Gruppe bekommen.

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Dass die W&V-Gruppe einen Kurswechsel einläutet, liegt möglicherweise an Christian Wegner. Der neue Chef der SWMH, zu der auch die Süddeutsche Zeitung gehört, war bei seinem früheren Arbeitgeber ProSiebenSat.1 für die Digitalstrategie zuständig. Nun soll er bei der SMWH die digitale Transformation vorantreiben. Doch das ist nicht alles. Wegner soll zugleich auch stärker auf die Kosten der einzelnen Tochterfirmen achten, um die Rentabilität des SWMH-Konzerns schnell zu verbessern, heißt es. Dabei steht auch W&V im Fokus.

Die Fachzeitschriften-Gruppe hatte bei der Ertragslage in den vergangenen Jahren wenig geglänzt. Zuletzt meldete das Unternehmen für 2015 einen Jahresfehlbetrag von rund 1,3 Millionen Euro, 2014 waren es rund 1,8 Millionen Euro Miese, 2013 sogar rund 2,6 Millionen Euro. Aktuellere Angaben zur Ertragssituation von W&V liegen nicht vor. Im zuletzt veröffentlichten Geschäftsabschluss 2016 hatte das Printunternehmen im elektronischen Bundesanzeiger darauf verzichtet, die Gewinn- und Verlustrechnung extra auszuweisen.

Dominierender Printtitel und mutmaßlicher Profiteur der Reduzierung der Heft-Frequenz von W&V dürfte der Frankfurter Mediendienst Horizont aus dem Deutschen Fachverlag sein. Dessen weiterhin wöchentlich erscheinende Zeitung liegt zwar in der gemeldeten Auflage leicht unter Werben & Verkaufen, ist im Anzeigenumsatz und als Kongress-Veranstalter im Vergleich mit den Münchnern längst weit enteilt.

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Alle Kommentare

  1. Interessant wäre eine Untersuchung, inwieweit die “Affäre Hensel” Einfluss auf die Auflagenentwicklung der w&v hatte. Die Chefredaktion hatte sich damals mit der Werbeboykottkampagne gegen zwei rechtskonservative Blogs solidarisiert.

  2. Und wieder hat der Fachverlag ein Konkurrenzblatt platt gemacht. Es gab auch mal eine Fachzeitschrift namens Textilmitteilungen, die von der Textilwirtschaft verdrängt wurde.

  3. Irgendwie ironisch, ‘Werben & Verkaufen’ hat Probleme mit, achtung jetzt kommts, werben und verkaufen.

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