Beim Rechtekauf verzockt? Sky profitiert am 1. Spieltag der Champions League überhaupt nicht vom Free-TV-Aus

Champions-League Spiel Benfica - FC Bayern

Am Tag nach dem ersten Spieltag der neuen Champions-League-Saison dürfte bei Sky eine gewisse Katerstimmung herrschen. Obwohl man deutlich mehr Geld für die Rechte bezahlt hat, um künftig Free-TV-Übertragungen zu verhindern, haben offenbar keine neuen Fans den Weg zu Sky gefunden. Die Zuschauerzahlen liegen bisher sogar unter (!) denen des Vorjahres.

von Jens Schröder

600 Millionen Euro soll Sky für die kommenden drei Jahre Champions League gezahlt haben – deutlich mehr als für die drei Jahre davor, als man zusammen mit dem ZDF 370 Millionen an die UEFA überwiesen hatte. Zwar kommt durch den Sub-Lizenznehmer DAZN auch ein bisschen Geld zurück in die Sky-Kasse, doch der Großteil der Summe muss anderweitig refinanziert werden – durch möglichst viele neue Abonnenten.

Die Zuschauerzahlen des 1. Spieltags der neuen Champions-League-Saison lassen aber vermuten, dass kaum ein Fußball-Fan, der nicht ohnehin schon Sky-Abonnent war, in den vergangenen Wochen oder Monaten einer wurde. Nur 770.000 Leute sahen am Mittwoch ab 21 Uhr die Auftakt-Partie des FC Bayern bei Benfica in Lissabon. Zusammen mit der Konferenz erreichte Sky 1,19 Mio. Fans im herkömmlichen Fernsehen. Am Dienstag waren es mit dem Spiel von Borussia Dortmund und der Konferenz, in der u.a. auch Schalke 04 zu sehen war, 1,04 Mio.

Nun sind 1,19 Mio. und 1,04 Mio. Zuschauer für einen Pay-TV-Anbieter eine stolze Zahl, die Marktanteile lagen bei immerhin 4,7% und 4,2%. Doch es stellt sich die Frage: Wo sind die 8 Mio. Fußballfreunde hin, die die erste FC-Bayern-Übertragung der vorigen Saison im ZDF gesehen haben? Zumal – und das ist besonders erschreckend für Sky – am ersten Spieltag der Saison 2017/18 sogar mehr Leute die Champions League im Pay-TV gesehen hatten, obwohl es an einem der beiden Tage auch ein ZDF-Spiel gab. So kam Sky im September 2017 auf 1,33 Mio. und 1,06 Mio. Seher – brutto waren es mit 2,39 Mio. also mehr als diesmal (2,23 Mio.). Das Spiel der Bayern gegen Anderlecht sahen damals allein 790.000, also auch 20.000 mehr als das gegen den sicher nicht unattraktiveren Gegner Benfica.

An einem Trend hin zu Streaming-Diensten wie Sky Go wird die schrumpfende Zuschauerzahl im traditionellen Fernsehen auch nicht liegen, denn dort konnten viele Kunden das Bayern-Spiel am Mittwoch gar nicht sehen:

Auch die zusätzliche Anstoßzeit um 18.55 Uhr hat sich noch nicht so richtig ausgezahlt: 290.000 und 340.000 Fans haben hier am Dienstag und Mittwoch zugeschaut. Und Sky Sport News, der Sender der an den Spieltagen zum monothematischen Champions-League-Sender umgebaut wird, lockte mit seiner “Champions Corner”, in der die Spiele am Abend mit Experten – ohne Live-Bilder -–begleitet werden, nur 50.000 und 40.000 Seher. Zum Vergleich: Sport1 kam mit seinem “Fantalk” parallel dazu auf 260.000 und 250.000.

Die Antwort auf die eben gestellte Frage – Wo sind die 8 Mio. Fußballfreunde hin, die die erste FC-Bayern-Übertragung der vorigen Saison im ZDF gesehen haben? – muss also heißen: Offenbar sind sie nicht Sky-Abonnenten geworden. Inwiefern DAZN von den neuen Champions-League-Rechten profitiert, lässt sich nicht sagen: Zuschauerzahlen werden dort nicht veröffentlicht, Abonnentenzahlen auch nicht.

Für Sky ist der verhaltene Start in die erste Champions-League-Saison ohne Free-TV-Übertragung eine weitere Hiobsbotschaft, nachdem es schon an den beiden ersten Bundesliga-Spieltagen unterdurchschnittliche Zuschauerzahlen gab. Am dritten Spieltag lief es zwar besser, doch es stellt sich die generelle Frage, ob die Fußball-Fans übersättigt sind oder sogar allmählich die Lust am durchkommerzialisierten Fußball verlieren.

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