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RTL-Gründer Helmut Thoma über deutsches Fernsehen : ARD/ZDF als "Altenheimversorgung", Private würden "am liebsten Testbild senden"

Weiß alles besser: Helmut Thoma

RTL-Gründer Helmut Thoma hat dem österreichischen Marketing-Medium Horizont.at ein Interview gegeben, in dem er sich auch ausführlich über den deutschen TV-Markt auslässt. Und er findet keine guten Worte. Die deutsche Fernsehlandschaft sei „in einem Ausmaß monopolisiert ist, dass es fast schon eine Karikatur dessen ist, was ursprünglich vorgesehen war.“

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Das sei typisch für Deutschland, so Thoma in dem Interview mit Horizont.at: „Da wird groß geredet und werden groß Grund­sätze festgelegt, die dann doch alle über den Haufen geworfen werden.“ Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF seien „praktisch eine Art Altenheimversorgung“: „Bei den Jungen, 14- bis 29-Jährigen, sind sie marginalisiert. Im privaten Fernsehen teilen sich zwei große Gruppen den gesamten Kuchen auf, ProSiebenSat.1 und RTL haben 86 Pro­zent Marktanteil im Privatfernsehen. Diese zwei Gruppen, und ich würde das aus kaufmännischer Sicht genauso machen, haben überhaupt kein Interesse daran, wirkliches Programm zu machen. Die beiden würden am liebsten das Testbild senden, wenn es ginge.“
Dadurch erhöhten sich die Gewinne der Konzerne, aber es tue sich nichts mehr. ProSieben wiederhole bis zu 200-mal eine Folge von „Big Bang Theory“, sonst sei kaum etwas vorhanden. RTL zeige immer noch die ­Autobahnpolizei „Cobra 11“, die ja noch aus der Ära stammt, als er RTL-Geschäftsführer war.
Auch den neuen Streaming-Diensten wie Amazon Prime Video oder Netflix, kann Thoma nicht wirklich etwas Gutes abgewinnen: „Netflix ist ein Phänomen, aber ich weiß nicht, ob es sich auf Dauer hält. Das ist auch nichts Neues, denn große ­Studios in Hollywood, die Serien und Filme pro­duzieren, gibt es seit fast 100 Jahren.“ Thoma vergleicht Netflix mit dem Elektro-Auto-Hersteller Tesla: „Da wird Geld, Geld und nochmal Geld hineingepumpt; irgendwann wird man sehen, dass auch die nicht zaubern können. Sieht man sich die Nutzungszahlen an, ist das im deutschsprachigen Raum sehr überschaubar.“ Eine Bedrohung für das lineare Fernsehen durch VoD-Anbieter sieht er „im Moment gar nicht“. „Das mag sich vielleicht ändern, aber die Leute wollen im Grund genommen Fernsehen, und Fernsehen ist etwas Fertiges: Ich setze das Gerät in Betrieb, setze mich davor und bekomm etwas vorgesetzt. Die Leute wollen ihre Nachrichten sehen, ihren Sport sehen.“
Gefeierte Serien, wie etwa Netflix‘ „House of Cards“ seien etwas „für ­einen kleinen Kreis an intellektuellen ­Journalisten, denen das zu Recht gefällt. Das ist toll gespielt und toll gemacht, aber die breite Masse will solche Serien nicht.“

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