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“Verstoß gegen journalistische Grundsätze”: Aufsichtsbehörde beanstandet RTL-Bericht über vermeintlich Pädophilen

Die ZAK hat nun einen Beitrag von RTL “Punkt 12” beanstandet
Die ZAK hat nun einen Beitrag von RTL "Punkt 12" beanstandet

Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) hat einen Bericht von RTL beanstandet, in dem ein vermeintlich Pädophiler nur unzureichend verpixelt wurde. Der Beitrag verstoße gegen journalistische Grundsätze, heißt es in der Begründung. RTL betont indes, dass man der Sorgfaltspflicht nachgekommen sei und verweist zudem auf die Bedeutung investigativer Recherchen.

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Mitte Juni hatte RTL in der Sendung “Punkt 12” einen Bericht über einen vermeintlich Pädophilen in Bremen gesendet. In der Sendung wurde ein Mann aus der Ferne verdeckt gefilmt, wobei lediglich seine obere Körperhälfte verpixelt war. Seine kurze blaue Hose mit einem weißen Aufdruck auf dem linken Bein, die Schuhe und seine Statur waren hingegen nicht unkenntlich gemacht. Bei der Verfolgung des Mannes wurde die Eingangstür eines Hauses gezeigt, wobei das Klingelschild verpixelt wurde. Im Nachgang der Ausstrahlung wurde der vermeintliche Täter in seiner Wohnung von einer Gruppe überfallen und lebensgefährlich verletzt. Zeugen zufolge hielten die Täter ihn für eben jenen Pädophilen aus dem RTL-Beitrag (MEEDIA berichtete).

Schon damals bezog RTL Stellung und wies jede Schuld an dem gewaltsamen Übergriff zurück: „RTL verurteilt den brutalen Akt der Lynchjustiz in Bremen auf das Schärfste.“ Der Sender habe seine journalistische Sorgfaltspflicht „in jeder Hinsicht wahrgenommen“, hieß es Mitte Juni in der Erklärung.

Große Bedeutung investigativer Recherchen

Die für RTL zuständige Aufsichtsbehörde ZAK hat den Beitrag nun ihrer jüngsten Sitzung in Bremerhaven beanstandet. Der Beitrag verstoße gegen journalistische Grundsätze, so die Kommission. In der Begründung steht:

Auch wenn über das Verhalten von Personen mit pädophilen Neigungen im Internet und insbesondere über die Art und Weise, wie diese Kontakt zu Kindern und Jugendlichen suchen, ein Berichterstattungsinteresse besteht: Dies entbindet die Veranstalterin nicht davon, gerade bei diesem sensiblen Thema, die Persönlichkeitsrechte von gezeigten Personen zu wahren. Diese Berichterstattung von RTL verletzte die anerkannten journalistischen Grundsätze, wonach eine gebotene Anonymisierung auch wirksam sein muss (Ziffer 8 Pressekodex).

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RTL veröffentlichte nach Bekanntwerden der ZAK-Beanstandung ein Statement, in dem es heißt, dass man nun die ausführliche Begründung abwarten werde. “Ungeachtet dessen sind wir weiterhin überzeugt, unserer journalistischen Sorgfaltspflicht in vollem Umfang nachgekommen zu sein.” Außerdem betonte die Mediengruppe “die große Bedeutung investigativer Recherche”. Denn vor allem bei schwer zugänglichen und hoch relevanten Themen” sei dies journalistisch oft das geeignetste Mittel. “So konnten hiermit in der Vergangenheit nicht nur arbeitsrechtliche Missstände in Unternehmen aufgedeckt werden, sondern mit genau dieser investigativen Recherchemethode eines RTL-Reporters und entsprechenden Hinweisen an die Behörden auch ein Pädophilenring durch die zuständige Polizei ausgehoben werden.“

Im Nachgang der Ausstrahlung hatte die Bremer Staatsanwaltschaft Vorermittlungen gegen den Sender eingeleitet. Auf Anfrage erklärte der Behördensprecher Frank Passade damals, dass geprüft werden soll, ob ein Anfangsverdacht für ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen die Zuständigen des Senders bestehe. Welche Art von Straftat der Sender begangen haben könnte, sagte der Oberstaatsanwalt nicht.

tb

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Alle Kommentare

  1. Völlig falscher Maßstab ! Wer erwartet denn von DENEN Journalismus ? Hä ? Weiß doch jeder, dass da nur Gülle gesendet wird. Wer’s nicht weiß- muss sich halt die Nase zuhalten.

  2. Wo bleibt der DJV und bemängelt die Hetze gegen die freie Presse?
    Immerhin hat man verpixelt.
    Die investigativen “Rechercheexperten” von NDR und WDR verpixeln gar nichts, wenn sie mit DGB und Antifa in den Meinungs-Krieg ziehen.

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