Anzeige

LeFloid, Bullsprit und Laude vs. Hasselhoff: So gut (oder schlecht) sind die ersten deutschen YouTube-Eigenproduktionen

Von den drei deutschen Premium-YouTube -Formaten kann einzig LeFloids Doku-Serie komplett überzeugen

In der vergangenen Woche präsentierte YouTube die drei ersten deutschen Eigenproduktionen, die ab sofort im Abo-Modell verfügbar sind. Die Protagonisten sind durch die Bank berühmte Gesichter aus der YouTube-Community. Obwohl alle drei Formate auffallend hochwertig umgesetzt sind, kann inhaltlich nur eins tatsächlich überzeugen.

Anzeige

„Neuland“: Phil Laude vs. David Hasselhoff

„Neuland“ heißt eine der drei ersten YouTube-Eigenproduktionen aus Deutschland und ihr Protagonist ist einer der berühmtesten deutschen Netz-Tausendsassas: Phil Laude. Laude, der vor Jahren als Teil des Trios „Y-Titty“ bekannt wurde und seit dessen Auflösung als Solo-Comedian unterwegs ist, verkörpert in der Show sich selbst. Eine Handlung gibt es auch: Laude bekommt von einer großen Produktionsfirma eine eigene Talkshow angeboten, erhält den Zuschlag aber nicht ganz konkurrenzlos. Auf den Platz als Show-Host hat es eine der größten TV-Ikonen der 90er Jahre abgesehen, die der jungen YouTube-Zielgruppe womöglich nur noch wenig sagen dürfte: Es ist niemand geringeres als David Hasselhoff, der unbedingt den Sprung in dieses Internet schaffen will.
„Neuland“ vermengt 90er-Jahre-Nostalgie mit der hippen Netz-Welt und Realität mit Fiktion. So ist die TV-Show „Neuland“ – die am ehesten irgendwo zwischen Studentenparty und „Circus HalliGalli“ einzuordnen ist – mit realen Talk-Gästen wie Eko Fresh oder Wincent Weiss – jeweils eingebettet in eine kleine Rahmenhandlung, in der sich alles um den Kampf zwischen Laude und Hasselhoff dreht.
Dass es YouTubes Absicht ist, seinen Eigengewächsen Produktionen zu ermöglichen, die sie selbst nicht hätten stemmen können, wie Originals-Chef Luke Hyams bei der Vorstellung in Berlin erklärte, wird deutlich. Die Serie ist aufwändig produziert; Schnitt, Kamera und Optik sind stimmig und auf hohem Produktionsniveau.
Doch leider will der Inhalt der jeweils fast halbstündigen elf Episoden nicht so recht tragen. Die Gags sind vorhersehbar, wirken gewollt, fast verkrampft, und die Storyline der einzelnen Folgen trägt kaum über 30 Minuten. Da etliche YouTube-Stars und -Sternchen Gastauftritte haben, mutet die Serie an vielen Stellen an wie ein Klassentreffen der Netz-Boys (In elf Episoden gibt es gerade eimal drei Auftritte von weiblichen Talkshow-Gästen). Bereits existierende Fangirls- und boys werden „Neuland“ sicher feiern. Doch ob die Serie neue Zuschauer oder gar neue YouTube-Premium-Abonnenten gewinnen kann, dürfte mindestens fragwürdig sein.
https://www.youtube.com/watch?v=hHdgtTxUfDM&t=33s

„Bullsprit“

Auch die zweite deutsche YouTube-Produktion „Bullspirit“ qualifiziert sich nicht unbedingt zur Web-Serie des Jahres – auch wenn sie, ähnlich wie „Neuland“ – auffallend hochwertig und schick produziert ist und sich etablierte Schauspieler wie Oliver Korittke oder Andrea Sawatzki unter die YouTuber mischen.
„Bullsprit“ ist im Gegensatz zu „Neuland“ komplett fiktiv. Die Hauptrollen hat das YouTuber-Trio Bullshit TV übernommen: Chriss Manazidis, Sebastian ‘C-Bas’ und Philipp Meichsner spielen drei Freunde, die eine heruntergekommene Tankstelle erben und versuchen, diese auf Vordermann zu bringen. Bei der Installation der Überwachungskameras streamen sie sich aus Versehen live ins Netz – und werden zu Stars.
In den ersten Minuten der ersten Episode weht tatsächlich ein Hauch von „Bang Boom Bang“ über den Bildschirm, was nicht nur an dem Auftritt des Schauspielers Oliver Korittke liegt, der in dem 90er-Streifen die Hauptrolle spielt. Auch Optik, Stil und Dialoge erinnern an den Kult-Ruhrpottfilm. Doch die Stimmung hält nicht lange vor, was vor allem daran liegt, dass sich die drei Hauptdarsteller mit der Schauspielerei eher schwer tun. Die Szenen, in denen die drei allein und ohne Unterstützung von professionellen Schauspielern vor der Kamera agieren, wirken häufig ungelenk, langatmig und aufgesetzt. Genau wie „Neuland“ hätten auch dieser Serie ein paar Straffungen gut getan.
https://www.youtube.com/watch?v=Mg27yixJiRg

„LeFloid vs. The World“

Durch und durch gelungen hingegen ist das dritte Format: „Le Floid vs. The World“. Hier setzen die Macher mit LeFloid alias Florian Diedrich freilich auf eine sichere Bank. Denn hat LeFloid nicht nur eine enorme Fanbase, sondern konnte er sich auch über viele Jahre hinweg als ernstzunehmende „Stimme seiner Generation“ etablieren.
Mit “Le Floid vs. The World” (8 Folgen à 25 Minuten) soll auch ein internationales Publikum erreicht werden, weshalb der im Ausland bislang unbekannte YouTuber in englischer Sprache produziert. Konzept der Reportage-Reihe: thematisieren, was junge Menschen bewegt. “Er trifft auf seinen Reisen berühmte und weniger berühmte Menschen, die unsere Existenz beeinflussen, über sie nachdenken und uns zum Nachdenken anregen”, heißt es in der Beschreibung. Themen sind Geld, Politik, Bildung, Mobbing, Ruhm.
Komplett neu ist die Idee nicht. Aber nichtsdestotrotz ist das Format gut gelungen. LeFloid führt routiniert durch die halbe Stunde der ersten Episode mit dem Titel „Self“. Darin sucht er Antworten auf die Fragen: „Wer oder was ist eigentlich dieses ‚Selbst‘?“, „Wie nehmen wir uns selber wahr?“ und „Wie leicht ist es, sich selbst in Zeiten von Selbstinszenierung auf Instagram & Co. zu verlieren?“
Wie „Neuland“ und „Bullsprit“ ist auch „Le Floid vs. The World“ sehr aufwändig produziert. Doch im Gegensatz zu den beiden anderen Formaten besticht hier der Inhalt.
https://www.youtube.com/watch?v=t4PjcuM83IU&t=1s

Anzeige