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Wochenrückblick: ein Porno-Würsterl, die Akte Thügida, teure iPhones und der leidige Leistungsschutz

Der Strunz von Sat.1, das Porno-Würsterl der Dmexco, das iPhone vom Apple und der Mister Leistungsschutz (Axel Voss)
Der Strunz von Sat.1, das Porno-Würsterl der Dmexco, das iPhone vom Apple und der Mister Leistungsschutz (Axel Voss)

Dass bei einem vermeintlich so trockenen Thema wie der EU-Urheberrechtreform die Gemüter regelmäßig hochkochen, ist schon bemerkenswert. Apple dreht weiter an der Preisschraube. Die Sat.1-Sendung "Akte" hat Ärger wegen Thügida und ein Würstchen mach Social-Media-Karriere auf der Dmexco. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Die leidige Sache mit dem Leistungsschutz. Ich werde nie verstehen, warum Verlage der Auffassung sind, für das Anzeigen einzelner Wörter oder Überschriften Geld verlangen zu können. Wo ist bitte die “Leistung”? Schon früher wurde der korrekte Vergleich gemacht, dass das ungefähr so wäre, als würde man Kiosk-Betreiber (= Google & Co) dafür zur Kasse bitten wollen, dass sie Überschriften und Anreißer auf Seite 1 durch das Auslegen lesbar machen. Im EU-Parlament wurde das EU-weite Leistungsschutzrecht nun im zweiten Anlauf durchgewunken. Damit ist es noch nicht beschlossen, so einfach geht das in der EU nicht, aber der Weg ist bereitet. So wie ich das sehe, sitzt Google hier am längeren Hebel. Da “Gratis-Lizenzen” in der EU-Variante des Leistungsschutzes nicht vorgesehen sind, bleibt am Ende nur, dass entweder Google & Co zahlen müssen oder Google News und Snippets abgeschaltet werden. Ich glaube sehr stark, dass eher letzteres passieren wird. Und wer wird dann der Gelackmeierte sein? Jene Medien, die auf Online-Reichweite angewiesen sind, und heute lautstark nach Leistungsschutz verlangen. Die Verlage könnten sich am Ende ins eigene Fleisch schneiden. Hier bin ich einer Meinung mit Sascha Lobo:

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Apple hat solche Probleme nicht, denn der Hersteller aus Kalifornien hat ein klares Business-Modell: das Verkaufen sehr, sehr teurer Gerätschaften. Wieder zwei Jahre um und schon wird das edle iPhone X an den Filius weitergereicht. Der Herr Papa gönnt sich derweil ein neues iPhone Xs mit oder ohne “R” oder “Max”-Zusatz. Mal im Ernst: Über 800 Euro für ein “Einstiegsgerät” aufzurufen und über 1.600 Euro für das Spitzenmodell, das ist schon frech. Apple geht die Wette ein, dass es da draußen Leute gibt, die immer die neuesten iPhones kaufen, egal was diese kosten. Wirkliche Innovationen werden dabei immer seltener. Es ist nicht besonders originell, das zu behaupten: Aber kann es sein, dass seit dem Tod von Steve Jobs, der Zauber, den diese Firma zeitweise unbestreitbar hatte, ziemlich weg ist. Auf der aktuellen Keynote wurde man mit Informationen bombardiert, dass der A-Dingens Chip nun 5.000 Trillionen Rechenoperationen durchführen kann, statt der schlappen 678 Billionen, die das Vorgängermodell auf der Kette hatte. Wen juckt’s? Mich immer weniger.

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Komische Geschichte war das mit diesem Interview, das der Thügida-Gründer mit dem Sat.1 Magazin “Akte” geführt und auf der eigenen Seite live gestreamt hat. Das Live-Streaming war wohl eine Bedingung dafür, dass das Gespräch überhaupt stattfand. Es gab einiges an Kritik und Sat.1 hat sich von der Methode distanziert. Man fürchtet wohl, den rechten Socken von Thügida hier eine PR-Plattform zu bieten. So ganz vermag ich die Aufregung nicht nachzuvollziehen. Dass Interviewte eigene Aufnahmen von Interviews anfertigen, um Kontrolle darüber zu haben, was aus dem Gespräch in der medialen Verwurstung gemacht wird, ist durchaus üblich. Was hier halt unüblich war, war dass der Interviewte das Gespräch live gestreamt hat. Wenn das nun kein Rechter gewesen wäre, sondern irgendjemand, wäre das vermutlich kein großer Aufreger gewesen. Vielleicht spielt bei der Kritik auch eine Rolle, dass “Akte”-Moderator Claus Strunz durch populistische Kommentare beim Sat.1-Frühstücksfernsehen Stimmungen bedient, die den Thügida-Typen nicht ganz fremd sein dürften.

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Das hohe Fest des Digital-Gedöns, die Dmexco, ist nun auch schon wieder vorbei. Hier können Sie nochmal nachlesen, was von der Messe übrig blieb. In Erinnerung dürfte vor allem die Werbe-Aktion des Porno-Portals Pornhub bleiben, das auf den Messe-Toiletten Würstchen und Bananen in eindeutig zweideutiger Absicht plakatierte.

Wunderbare Welt der Werbung. Nachdem die Fantasie dann entsprechend angeheizt war, folgte prompt die Ernüchterung in der realen Welt der Messehalle:

Bittere Erkenntnis: Diese Porno-Typen sind auch bloß ein paar Business-Fuzzis.

Schönes Wochenende!

PS: Im Medien-Podcast “Die Medien-Woche” spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt diesmal über das tragische Verschwinden des ehemaligen “DSDS”-Stars Daniel Küblböck. Gibt es so etwas wie einen “Fluch der Castingshows”? Außerdem geht es um den in dieser Woche vorgelegten Prüfbericht zu Belästigungsvorwürfen beim WDR und nochmals um den leidigen Leistungsschutz. Es würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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