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“Die Sender sind nicht mehr so offen für spannende Sachen”: Fernseh-Koch Ole Plogstedt über TV und Aktivismus

Bekannt durch die “Kochprofis” bei RTL II: TV-Koch Ole Plogstedt
Bekannt durch die "Kochprofis" bei RTL II: TV-Koch Ole Plogstedt

Man kennt ihn von den "Kochprofis" auf RTL II, wo er sieben Jahre lang Gastronomen geholfen hat. Doch auch sein Einsatz für fairen Handel und nachhaltige Ernährung bringt ihn immer wieder ins Rampenlicht. Im MEEDIA-Interview spricht TV-Koch Ole Plogstedt über seine Zukunft im Fernsehen, seinen Aktivismus und darüber, wie er mit seiner Firma die Toten Hosen und andere Rockstars auf Tour bekocht.

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Wenn Sie die Wahl hätten, wie würden Sie sich bezeichnen: TV-Koch, Unternehmer oder Aktivist?
Ole Plogstedt
: Momentan tatsächlich eher Aktivist. Seit anderthalb Jahren bin ich aus dem Fernsehen heraus, und schauen Sie sich die Welt an, die ist kaputt. Ich würde gerne ein bisschen helfen, sie zu reparieren. Deshalb bin ich unter anderem Kampagnenbotschafter bei Oxfam.

Eine NGO, die sich für eine gerechte Welt und gegen Armut einsetzt.
Im Rahmen dessen war ich zweimal in Ecuador und habe mir die Bananen-Industrie angeschaut. Zum Beispiel habe ich mit einem Piloten gesprochen, der früher Pestizide aus dem Flugzeug auf die Felder und die Leute, die dort arbeiten, versprüht hat. Die Folge sind neben Erkrankungen, teilweise sogar mit Todesfällen, dass ihre Kinder mit Behinderungen zu Welt kommen. Seit ihm bewusst wurde, wie giftig das Zeug ist, hat er die Seiten gewechselt und eine Gewerkschaft gegründet. Deshalb liegt mir der Aktivismus so am Herzen. Ich habe mir mal überlegt: Was wäre eine Welt ohne NGOs? Wahrscheinlich eine Massen-Diktatur. Die wenigen Leute, die das Geld haben, gehen ja mit der Welt und Menschenrechten um, als seien sie nichts. Da muss man gegenhalten.

Sicherlich hilft Ihnen bei der Kampagne auch ihre Bekanntheit. Sie waren sieben Jahre lang bei den Kochprofis bei RTL II, davor beim Fast Food Duell auf Kabel eins.
Ich bin ein alter Punker und versuche meine bescheidene Bekanntheit für was Sinnvolles zu nutzen. Das bringt mir natürlich kritische Stimmen ein, ist ja klar – wenn man eine klare Haltung hat, polarisiert man. Aber ich habe mir geschworen, dass ich nur das mache, wo ich dahinterstehe. Und das habe ich bis jetzt geschafft, obwohl ich bei RTL II war.

Das müssen Sie erklären…
RTL II und Kabel eins haben ja jetzt nicht den Ruf von ZDF Info oder Arte. Trotzdem haben wir auch bei diesen Formaten darauf geachtet, dass es authentisch ist. Bei den Kochprofis ging es uns darum, den Gastronomen ernsthaft zu helfen. Es gab hin und wieder den Vorwurf, das Ganze sei gefaked. Das ist aber nicht wahr. Jedenfalls nicht, solange ich dabei war.

Seitdem sind Sie weniger im Fernsehen zu sehen. Warum?
Erstmal hatte ich genug zu tun mit meiner eigenen Firma, der Roten Gourmet Fraktion. Es hat sich auch erstmal nichts angeboten, was zu mir passt. Eigentlich habe ich es auch genossen, mal da raus zu sein. Die Fernsehlandschaft verändert sich. Mir scheint, die Sender sind nicht mehr so offen für spannende Sachen und das geht bis hin zu den Öffentlich-Rechtlichen.

Trotzdem sind sie in Talkshows wie Markus Lanz und Verbrauchermagazinen als Koch und Oxfam-Botschafter gern gesehener Gast. Finden Sie, dass die Themen, für die Sie sich einsetzen – also Nachhaltigkeit, Herkunft von Lebensmitteln und fairer Handel – zu wenig präsent sind in den Medien?
Definitiv! Das merkt man auch. Als ich bei Lanz war, ging es um meine Ecuador-Reise und den fairen Handel. Dabei war auch der alte Arbeitsminister Norbert Blüm zu Gast. Selbst der hat gestaunt, über das, was er gehört hat. Ich habe in Ecuador eine Schule besucht inmitten von konventionellen Bananen-Feldern. Dort waren fast alle Kinder in Folge der Pestizide behindert.
Alles nur, damit wir schicke und makellose Bananen haben. Bananen sind halb so billig wie Äpfel, obwohl die viel leichter zu ernten sind und nicht von der anderen Seite der Welt antransportiert werden müssen.

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Warum glauben Sie, dass solche Themen so selten medial behandelt werden?
Das weiß ich nicht, ich will auch keine Verschwörungstheorien aufstellen. Vielleicht ist es vielen Leuten, die Macht haben, nicht recht. Vielleicht ist es den Leuten auch egal, weil es für sie schwierig ist, nachhaltig zu leben. Das Totschlagargument der Industrie ist immer: Der Kunde will billig – also müssen wir das bedienen. Vom Kunden wird erwartet, dass er tiefer in die Tasche greift, wenn er fair mit der Welt umgehen will. Aber die Industrie hingegen darf nur auf den Profit achten. Das ist ungerecht.

Nebenbei sind Sie als Unternehmer tätig. Sie bekochen mit der Roten Gourmet Fraktion die Toten Hosen, Jan Delay, Beginner und andere Künstler auf Tour. Was essen Rockstars eigentlich?
Auf diese Frage habe ich immer eine Standardantwort: Essen ist so intim, da müsst ihr die Leute selbst fragen. Grundsätzlich leisten die Musiker Schwerstarbeit, wenn sie zwei bis drei Stunden ihre Show machen. Sie können viele Stunden vorher nichts essen. Oft gibt es vor der Show nur leichte Sachen wie Nudeln oder Kartoffelpüree und nach dem Auftritt dann richtig. Und mittlerweile ist auch dieses „Sex&Drugs&Rock’n’Roll“ ins Hintertreffen geraten. Deshalb stehen auch Gemüsesäfte oder Ingwer auf der Speisekarte.

Kochen Sie bei den Touren noch selbst mit?
Bei den großen Produktionen habe ich mein Team, das kocht. Ich bin dann für Logistik, Getränke oder Einkauf da. Es ist lange nicht mehr vorgekommen, aber grundsätzlich ist es durchaus möglich, dass ich am Herd stehe. Da habe ich auch Lust drauf, ich bin ja Koch, und das macht mir Spaß.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, ihre Fernseherfahrung und die Leidenschaft als Koch mit dem Aktivismus zu verbinden?
Ich habe Bock, das zu verbinden. Das ist was, das zu mir passt. Ich glaube, ich kann das authentisch rüberbringen. Momentan bin ich im Gespräch mit einer Produktionsfirma. Ich
habe mehrere Format-Ideen, das ist aber noch in den Kinderschuhen. Und einen Sendeplatz habe ich auch noch nicht.

Welche Ideen haben Sie zum Beispiel?
Man könnte etwa den Lebensmitteln hinterher reisen und mal schauen was da dranhängt an Herz, an Geschichten und auch an Blut. Also Dinge, die ich auch so oft mache als Aktivist. Fernsehen hat mir immer Spaß gemacht, und wenn ich darüber etwas transportieren kann, das sich anbietet, bin ich sofort dabei.

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Alle Kommentare

  1. Aktivismus?

    Die Sender sind nicht mehr so offen für spannende Sachen

    Vielleicht liegt es am Aktivisten selbst?

    Jetzt kann ich mir vorstellen das sich die von der SPD und der ANTIFA an diesem Aktivisten nicht satt sehen können, aber hat das auch für den normalen RTL Zuschauer seine Gültigkeit, der vielleicht gerade die 5’te Bierflasche geleert hat und dessen Gaumen nach Ravioli aus der Dose lechzt?

    Warum tritt er nicht bei denen von ARD und ZDF auf? Das liegt doch schließlich im Machtbereich von SPD und ANTIFA.

  2. Da hat es unsereins leichter.

    Was der Bauer/die Bäuerin nicht (selber) kennt, frißt er/sie nicht.
    Ganz einfach.

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