Partner von:
Anzeige

Nach kurzem, glücklichen Leben: Apple beerdigt iPhone X in Rekordzeit, statt es günstiger zu verkaufen

Das iPhone X: Apples Smartphone-Flaggschiff – für zehn Monate
Das iPhone X: Apples Smartphone-Flaggschiff – für zehn Monate © Apple

Eine der größten Überraschungen der gestrigen Apple-Keynote war, was der iKonzern nicht vorstellte bzw. heimlich aus seinem Sortiment nahm. Von einem auf den nächsten Tag verschwanden so das iPhone 6s und, ziemlich überraschend, auch das iPhone SE. Doch damit nicht genug: Sogar das Flaggschiff des Vorjahres hat Apple nicht mehr im Programm – das iPhone X ist nach gerade einmal zehn Monaten schon wieder Geschichte. Doch das schnelle Ende macht Sinn: Das kontrovers diskutierte erste OLED-iPhone hat seine Schuldigkeit getan.

Anzeige

Es gibt diese Hemingway-Kurzgeschichte: “Das kurze und glückliche Leben des Francis Macomber.”  Der Gelegenheitsjäger Francis Macomber gibt auf einer Safari in Afrika ein denkbar schlechtes Bild ab, besteht am Ende dann aber doch die Prüfung der Großwildjagd, als er mutig Büffel und schließlich sogar einen Löwen erlegt. Wenig später wird er von seiner Frau erschossen – die Auflösung, ob Unfall oder nicht, nahm Hemingway mit ins Grab. Am Ende erlebte Macomber seinen einen großen Tag, doch er hatte seine Schuldigkeit getan.

Die Analogie gilt durchaus auch für das iPhone X, das mit gerade einmal zehn Monaten die kürzeste Lebenszeit aller iPhones besitzt. Mit extrem viel Vorschusslorbeeren wurde Apples erstes OLED-Smartphone vor einem Jahr enthüllt, kam jedoch wegen Produktionsschwierigkeiten erst im November auf den Markt – zu Preisen von weit über 1000 Euro, die Apple noch nie für ein Smartphone aufgerufen hatte.

iPhone X: Vom Must-Have-Gadget zum Flop-Verdacht

Zunächst sah es so aus, als müssten Kunden wegen der aufgestauten Nachfrage monatelang auf das Gerät warten, dann folgten wenige Tage nach Weihnachten bereits die ersten Hiobsbotschaften, die bis zum Frühling nicht mehr abreißen sollten. Das iPhone X schien sich doch nicht so gut zu verkaufen, im Wochentakt kursierten Berichte über immer neue Bestellkürzungen.

Apple-CEO Tim Cook hat die exakten Verkaufszahlen nie genannt, aber stets auf Analystenkonferenzen betont, das iPhone X sei seit dem Launch im November 2017 Apples meistverkauftes Modell – was gegenüber dem ein Jahr alten iPhone 7 / 7 Plus und dem kaum überholten Nachfolgemodell iPhone 8 nicht die größte Überraschung bzw. Leistung wäre. Doch hing der Flop-Verdacht, der von Zulieferern und Analysten immer wieder geschürt wurde, bis zum Mai wie ein bleierner Schleier über der Aktie. Bereits im Frühjahr kursierten Gerüchte über das schnelle Ende des Jubiläums-iPhones.

Das iPhone X verhalf Apple zu einer Steigerung des Börsenwertes um 300 Milliarden Dollar

Genauso ist es nun gekommen. Das iPhone X geht dennoch nicht als Flop-Phone in die Apple-Historie ein, im Gegenteil.  Das iPhone X verhalf Apple wegen des höhen Verkaufspreises zu einer deutlichen Steigerung des Durchschnittsverkaufspreises, der allein im vergangenen Quartal zu einer Umsatzsteigerung der iPhone-Sparte von satten 5 Milliarden Dollar führte. In der kurzen Ära des iPhone X legte die Apple-Aktie um mehr als 35 Prozent zu, Apple konnte den Börsenwert um mehr als 300 Milliarden Dollar steigern und Anfang August gar den historischen Börsenwert von 1 Billion Dollar knacken. Mehr kann ein neues Modell kaum leisten.

Anzeige

Tatsächlich jedoch hat das iPhone X auch noch die Vorarbeit für Apples wahrscheinlich nächsten iPhone-Superzyklus gelegt. Das iPhone X hat zwei verbesserte Nachfolgermodelle bekommen, die genauso teuer bzw. noch teurer sind (in der 512 GB Version sogar noch mal um 230 Euro) und daher in erster Linie von Hardcore-Fans mit entsprechendem Geldbeutel nachgefragt werden dürften. (1649 Euro für ein Smartphone bleibt ein unfassbarer Preis.)

Das iPhone X bereitete den Weg für das iPhone XR

Entscheidend für Apples weiteren Erfolg sind jedoch weniger die mit viel Marketing-Brimborium gehypten neuen Flaggschiffmodelle XS und XS Max, als vielmehr das dritte neue Apple-Smartphone, das iPhone XR. Das 6,1 Zoll große LCD-iPhone dürfte auf Jahre Apples Bestseller werden, weil es 300 Euro günstiger ist als das iPhone XS, das mit 5,8 Zoll aber sogar einen kleineren Bildschirm aufweist.

Befeuert hat den Run auf das iPhone XR jedoch das iPhone X, das Apple knapp ein Jahr als neuen Goldstandard angepriesen hat, der allerdings vielen Kunden zu teuer war. Die unbewusste Wirkung war indes enorm: Das iPhone XR erscheint nun wie ein iPhone X, nur in günstig.

Dass es mit einem Preisniveau von 849 bis 1019 Euro ebenfalls eines der teuersten Smartphones der Welt ist, wird von Kunden schnell verdrängt. Doch gegenüber dem iPhone X und seinen beiden Hochpreis-Nachfolgern erscheint es plötzlich wie ein Schnäppchen. Das ist der Anziehungskraft des iPhone X geschuldet. Es war ein Türöffner. Es hat seinen Job getan, nun kann es glücklich in die ewigen Jagdgründe eingehen.

 

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia