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Ströer-Tochter betreibt unseriöse Klickfängerei auf Facebook und hüllt sich dazu in Schweigen

Facebook-Fanseiten von Ströer Social Publishing
Facebook-Fanseiten von Ströer Social Publishing

Nach Recherchen von Buzzfeed News kauften etablierte Medien wie Brigitte, Gala, Bild, Bunte oder Bento über Facebook-Gruppen Klicks bei Ströer Social Publishing, ohne dass die Werbe-Postings als Anzeigen gekennzeichnet sind. Sollte Ströer Facebook-Seiten von Privatpersonen gekauft haben, wofür Buzzfeed Hinweise hat, würde dies zudem gegen die Richtlinien des Social Networks verstoßen. Ströer selbst hüllt sich in Schweigen.

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Bei der Geschichte geht es um Facebook-Fanseiten wie etwa “Unnützes Wissen“, “Dinge, die eine Erzieherin nicht sagt” oder “Songzitate“. Buzzfeed News hat 62 Facebook-Seiten identifiziert, die zur Ströer Social Publishing GmbH gehören sollen und die insgesamt rund 21 Millionen Fans haben. Das Geschäftsmodell der Ströer-Tochter sieht nun so aus, dass Kunden, teils namhafte Medienhäuser wie Axel Springer, Burda, Gruner + Jahr, RTL oder der Spiegel Verlag, Ströer Social Publishing damit beauftragen, Inhalte der eigenen auf diesen Seiten zu teilen, um so die Reichweite zu erhöhen.

Wie Buzzfeed berichtet, geht das Ströer-Unternehmen dabei nach dem “Gießkannenprinzip” vor. D.h. Inhalte werden nicht etwa auf thematisch passenden Seiten veröffentlicht, sondern scheinbar wahllos verteilt. Das hat zur Folge, dass zum Beispiel auf der Fanseite “Songtexte” kaum noch Inhalte über Liedtexte geteilt werden, sondern irgendwelche Inhalte, für die Kunden von Ströer Social Publishing Reichweite wollen und entsprechend zahlen. Nach Ansicht von Experten, die Buzzfeed News befragt hat, müssten solche bezahlten Links eigentlich als Werbung oder Anzeige gekennzeichnet werden, was bei den vorliegenden Seiten aber nicht der Fall ist. Zudem hebelt das Vorgehen, den ursprünglichen Sinn von solchen Fanseiten aus, dass sich hier Nutzer über bestimmte Themen austauschen. Dementsprechend reagieren Nutzer sauer, und die Interaktionsraten sind rückläufig.

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Davon abgesehen erlauben es die Facebook-Geschäftsbedingungen eigentlich nicht, dass Fanpages verkauft werden. Buzzfeed News hat allerdings mit einem ehemaligen Seitenbetreiber gesprochen, laut dem Ströer Social Publishing ihm seine Seite abgekauft hat. Das Unternehmen würde damit gegen die Richtlinien des Social Networks verstoßen. Da Facebook allerdings so genannte Clickbaiting-Inhalte im Algorithmus seit einiger Zeit ohnehin herabstuft, bekommen auch immer weniger Menschen die Inhalte der Ströer Social Publishing Seiten zu sehen, da diese sehr häufig mit so genanntem Clickbaiting arbeiten. Darunter versteht man das sensationsheischende Texten von Titelzeilen, in denen oft ein wesentliches Detail ausgelassen wird, so dass bei Nutzern ein Klickimpuls ausgelöst wird.

Das Verwenden von Clickbaiting kann man aber nicht allein Ströer Social Publishing anlasten, denn die Medien, deren Inhalte auf den Ströer-Seiten geteilt werden, wenden diese Technik selbst an. Ströer Social Publishing gehört seit 2016 zum Werbevermarkter Ströer, der mit T-Online.de auch ein seriöses Nachrichtenportal in Berlin betreibt. Auf MEEDIA-Anfrage hat sich Ströer zu den von Buzzfeed News beschriebenen Praktiken nicht geäußert. Auch Buzzfeed News gegenüber wurden Nachfragen nicht beantwortet. Man wird wissen, warum.

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Alle Kommentare

  1. Schon lustig, dass ausgerechnet Buzzfeed News anderen Webseiten “unseriöse Klickfängerei” vorwirft.

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