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Aus für Mainversand: „Rote Post“ der FAZ-Gruppe stellt Ende der Woche den Geschäftsbetrieb ein

Will die FAZ neu aufstellen: Geschäftsführer Thomas Lindner
Will die FAZ neu aufstellen: Geschäftsführer Thomas Lindner

Vor zwei Jahren starteten die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Logistikgruppe Fiege mit dem Briefzusteller Mainversand einen Angriff auf die Deutsche Post im Frankfurter Raum. Vor drei Monaten meldete das Unternehmen überraschend Insolvenz. Nun sind die Sanierungsbemühungen der Insolvenzverwalterin gescheitert. Das Unternehmen stellt Ende der Woche seinen Geschäftsbetrieb ein. Rund 220 Mitarbeitern soll gekündigt werden.

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Von Restaurants bis zum Zoohandel – viele Zeitungs- und Magazinhäuser haben in den vergangenen Jahren in medienfremde Geschäftsfelder investiert, um sich mit weiteren Standbeinen gegen das rückläufige Kerngeschäft zu stemmen. Dazu gehört auch das Briefgeschäft. Möglich machte dies die Liberalisierung des Postmarktes vor rund zehn Jahren. Doch der Ausflug in das Briefsegment ist kein Selbstgänger. Spektakulär scheiterte bereits Ende 2007 das Berliner Verlagshaus Axel Springer mit dem Briefzusteller Pin Group. Rund 600 Millionen Euro mussten die Berliner abschreiben. Zeitweise schlitterte Axel Springer tief in die Verlustzone.

Jetzt trifft es die FAZ-Gruppe. Die „Rote Post“, die FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner vor zwei Jahren mit der Fiege Logistik Gruppe aus dem Boden stampfte, steht vor dem endgültigen Aus. Das Unternehmen stellt zum Ende der Woche den Geschäftsbetrieb ein. 220 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. „Wir haben in den vergangenen Monaten sehr viele intensive Gespräche mit potentiellen Investoren geführt. Leider ist es uns letztlich trotz Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit, die auch zu den Kunden von Mainversand zählt, und eben breit angelegter Investorensuche nicht gelungen, Möglichkeiten für die weitere, gesicherte Fortführung des gesamten Geschäftsbetriebs zu finden“, erklärt Insolvenzverwalterin Julia Kappel-Gnirs. Die Geschäftsführung des Mainversands hatte im Juni Insolvenzantrag gestellt. Die Insolvenzverwalterin hatte seither versucht, den Briefzusteller vor den Untergang zu retten. Die FAZ-Gruppe äußert sich auf MEEDIA-Anfrage hierzu nicht.

Investorensuche erfolglos
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Gesellschafter des Mainversands ist zu 100 Prozent die Medienservice GmbH, die wiederum eine Beteiligung der FAZ und der Fiege Gruppe ist. Gestartet war das Unternehmen im Mai 2016. Die Zeitungsgruppe wollte mit dem Mainversand der „gelben Post“ im Rhein-Main-Gebiet Konkurrenz machen. Schell hatte das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren einen Kreis von bis zu 500 Geschäftskunden aufgebaut. Mit umweltfreundlichen Elektrofahrzeugen beförderte die Firma vor allem Briefe von Behörden, Arbeitsagenturen, Krankenhäusern und Schulen – und dies zu Portopreisen, die sich deutlich unter denen der „gelben“ Post bewegten. Markant war auch das Auftreten der Firma. Mit roten Briefkästen und Zustellfahrzeugen hob sich der Mainversand von der Konkurrenz ab. Doch offenbar bekam die Firmenleitung die Kosten nicht in den Griff: die Wettbewerber der gelben Post und der Mindestlohn belasteten zunehmend das Geschäft. Nicht betroffen vom Aus der Mainversand ist die Zustellung der Zeitungen, darunter FAZ und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS).

Das Aus der Gesellschaft kommt für FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner ungelegen. Er verliert dadurch eine Erlösquelle, um dem rückläufigen Anzeigen- und Vertriebsgeschäft etwas entgegen zu setzen. Denn vor allem die Vermarktung steckt tief in der Krise. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass drei hochkarätige Führungskräfte der Anzeigenabteilung der FAZ-Gruppe den Rücken kehren. Auslöser hierfür sind Unstimmigkeiten mit dem Vermarktungschef Ingo Müller. Belastet wird die Zeitungshaus zudem durch Vertriebsprobleme. So häufte sich in der letzten Zeit die Zahl der Reklamationen. Viele Leser waren verärgert, weil sie ihre Zeitung gar nicht oder nicht rechtzeitig bekamen. Jetzt will die FAZ-Gruppe die IT modernisieren, um diese Schwierigkeiten zu beseitigen.

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