Wochenrückblick: Veronica Ferres ist lieber “MILF” in Bild als “mega reich” in Gala

Uncle Jay hat gute Tipps für Journos, Vroni Ferres ist lieber MILF statt "mega reich", Dunja Hayali wagte sich unter Bürger und Eichhörnchen sorgen für neue Fake-News-Debatte

Veronica Ferres ist sauer, weil die Gala sie zu den "Mega-Reichen" einsortiert, dabei posiert sie viel lieber als MILF in Bild. Jay Rosen gibt gut gemeinte Tipps an deutsche Medienschaffende. Dunja Hayali wagt sich unter Bürger. Und nun müssen sogar Eichhörnchen für Fake-News-Diskussionen herhalten. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

von Stefan Winterbauer

Neulich habe ich mich an dieser Stelle schon mal über das seltsame Twitter-Verhalten der deutschen Schauspielerin Veronica Ferres ausgelassen. Grund war, dass sie regelmäßig internationale Stars auf Twitter anhaut, dabei aber auf eher wenig, bzw. null Gegenliebe stößt. Jetzt hat sich Frau Ferres gar bitterlich auf Facebook beklagt, dass die Gala sie auf der aktuellen Titelseite neben ihrem Ehemann, dem Investor Carsten Maschmeyer, zeigt. Zeile: “Unsere Mega-Reichen” Unterzeile: “Zwischen Protz und Bescheidenheit: Ein Gala-Report aus dem Leben der deutschen High-Society”. Neben den Eheleuten Maschmeyer/Ferres sind das Ehepaar Bastian Schweinsteiger/Ana Ivanović sowie Corinna Schumacher und Karl Lagerfeld abgebildet. Äh, liebe Gala: “mega reich”? “High Society”? Naja, Schwamm drüber. Die Vroni findet das jedenfalls gar nicht gut, weil: “ICH gehöre nicht zu dieser Gruppe. Sondern mein Ehemann. Unsere Vermögen sind strikt getrennt. Mit Ehevertrag. Und allem, was da sonst noch dazugehört. Dennoch bin ich der Aufmacher eures – ehrlich gesagt – ziemlich mittelmäßigen Covers.” Sie könne sich zwar “finanziell nicht beklagen”, aber “mega-reich”, nein das sei sie nun wirklich nicht.

Frau Ferres fühlt sich auch darum genasführt, weil ihr eine Gala-Redakteurin am Telefon versichert habe, dass sie in der Geschichte gar nicht vorkomme. Ein Fall für den Presserat und Amnesty International und den UN-Menschenrechtsrat! Viel wohler fühlt sich Veronica Ferres dagegen mit der Schlagzeile “Meine Kinder sagen, ich sei die perfekte MILF” aus der aktuellen Bild. Schließlich stammt das Zitat zum Unterwäsche-Instagram-Posing von ihr selbst. Was für ein, äh, “tolles” Kompliment der lieben Kinder. MILF, da klärt uns die Bild freundlicherweise noch auf, “steht für ‘Mother I like to f***’ (‘Mutter, die ich gerne f***en würde’), umgangssprachlicher Ausdruck für eine superattraktive Mama jenseits der 40”. Ganz sicher. In keinem anderen Kontext wird dieser Ausdruck jemals verwendet. Nur für “superattraktive Mamas jenseits der 40”. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich würde mir als Frau eher das Attribut “mega-reich” anheften lassen statt “MILF”.

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Viel Resonanz gab es auf den “Brief an deutsche Journalisten“, den der New Yorker Medienprofessor Jay Rosen in der FAZ veröffentlichte. Rosen weilte einige Monate in Deutschland, um eine Art Bestandsaufnahme des hiesigen Medienbetriebs zu machen. Seine Ratschläge und Beobachtungen sind dann alle irgendwie richtig und wichtig aber auch alle so ein bisschen sehr bekannt und nur begrenzt originell. “Zuhören” soll man und den Leuten nicht sagen, was sie zu denken haben usw.. Entsprechend verhalten fiel die Reaktion auf Rosens “Brief” unter hiesigen Medienmachern aus, die von MEEDIA dazu gefragt wurden. Deutlich schärfere Kritik äußerte der deutsche Journalismus-Professor Klaus Meier, der seit 2011 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt lehrt. Rosens Einlassungen seien “banal, schwammig und missverständlich” geraten, schreibt er. Rosen verteidige zudem “unterschwellig die massive populistische Kritik am Journalismus in Deutschland” und seine Darstellung des Werts des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei schwach. Rosen selbst hat Kritik schon vorausgeahnt. “Auf mögliche Fehler wird man mich gewiss hinweisen, und in meinem Twitter-Feed werden zahllose Beschwerden eingehen. Das ist völlig in Ordnung”, schreibt der Prof. aus New York gleich zu Beginn. Dann ist ja alles OK. Wir bleiben alle kritisch!

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Die guten Ratschläge von Uncle Jay hat ZDF-Frau Dunja Hayali offenbar schon verinnerlicht. Für die aktuelle Ausgabe ihrer Talkshow mischte sie sich in Chemnitz unters Volk, fragte und hörte vor allem tatsächlich zu. So entstand ein überaus bemerkenswertes Dokument, wie eine Journalistin, die ja durchaus polarisiert, Zugang zu Leuten findet, die manche vielleicht als Wutbürger bezeichnen würden. Tatsächlich sieht man vor allem in der vom ZDF in der Mediathek veröffentlichten Rohfassung der Bürgergespräche viele Menschen, die ihre Wut auf Medien und Politik durchaus differenziert ausdrücken, jenseits von “Lügenpresse”- und “Merkel muss weg”-Schreihälsen. Hayali walzt die Chemnitzer nicht sofort mit Gegenargumenten, wie rückläufigen Kriminalstatistiken, platt, sondern lässt sie einfach erstmal reden. Was dabei zutage kommt, sollte sich jeder Medienschaffende anschauen, und zwar in der Langversion, die viel besser ist, als der Zusammenschnitt, der während der TV-Sendung gezeigt wurde. Toll wäre, wenn das ZDF solch ein Dokument mal zu guter Sendezeit ins TV-Programm nehmen würde. Die Mediathek ist aller Ehren wert, aber die Reichweite von linearem TV würde hier mehr Aufmerksamkeit schaffen.

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Zum Schluss noch dieses Fundstück:

Fake-News-Diskussionen machen mittlerweile nicht mal mehr vor Eichhörnchen halt. Jessas!

Trotzdem ein wunderbares Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche” diskutiere ich mit Christian Meier von der Welt diesmal auch über Jay Rosens “Brief an die deutschen Journalisten” und es geht erneut um Chemnitz und die Medien unter besonderer Berücksichtigung von Dunja Hayalis Bürgergesprächen. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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