Partner von:
Anzeige

Welt-Chefreporter Robin Alexander zu Chemnitz: “Als Hauptstadtpresse haben wir uns nicht mit Ruhm bekleckert”

Robin Alexander ist Chefreporter bei der Welt
Robin Alexander ist Chefreporter bei der Welt

Welt-Chefreporter Robin Alexander hatte bei Twitter geschrieben, die Verwendung des Begriffs "Hetzjagden" in Zusammenhang mit den Krawallen von Chemnitz sei ein Musterbeispiel dafür, wie Journalisten Vertrauen verspielen. Dafür gab es von Kollegen auch Kritik. MEEDIA sprach mit ihm über den Tweet und die Reaktionen darauf.

Anzeige

Sie haben auf Twitter geschrieben, die Berichterstattung über die Verwendung des Begriffes “Hetzjagden” für die erste Demo in Chemnitz sei ein Musterbeispiel, wie Journalisten das Vertrauen der Bevölkerung verspielen. Verlieren wir uns hier nicht in einer semantischen Deutung von Begrifflichkeiten?

Robin Alexander: Nein, ob die Regierung Videos hat, die Hetzjagden zeigen oder ob sie diese nicht hat, ist keine semantische Frage. Es handelt sich eine klassische Tatsachenbehauptung. Sie kann durch Recherche bestätigt oder widerlegt werden.

Aber es geht ja um die Interpretation dieser Videos, bzw. dieses einen Videos. Nun wird debattiert, ob darauf eine “Hetzjagd” zu sehen ist oder eine “Jagdszene”. Das meinte ich mit semantischer Deutung … Ist das nicht poblematisch, wenn wir uns an solchen Begrifflichkeiten abarbeiten?

Die Regierung sprach von Hetzjagden und Videos. Diese Aussage muss ich als Journalist prüfen. Ich habe es nicht getan. Das war ein Fehler, um dessen Eingeständnis ich mich nicht herumdrücken kann, indem ich auf die Ebene der Sprachkritik wechsele.

Der ehemalige Spiegel-Reporter Cordt Schnibben hat auf ihren Tweet mit dem Hashtag #jagdoderhetzegehtsnoch reagiert. Er fragt, warum Sie Journalisten zu “Merkel-Jüngern” machten und wirft Ihnen vor, nicht zu differenzieren. Was sagen Sie zu Schnibbens Kritik?

Man muss keine Recherchegranate sein, um herauszufinden, dass ich so einen Begriff nicht benutzte und nie benutzt habe. Ich bin irritiert, dass der Kollege versucht, ihn mir unterzuschieben. Es geht hier nicht um Merkel, Seehofer oder Nahles, sondern um unseren Auftrag: prüfen, was die Regierung sagt und tut. Auch den Anwurf, meine Kritik sei nicht differenziert, verstehe ich nicht. Ich habe mehrere Stufen aufgezeigt, auf denen wir als Hauptstadtpresse Fehler gemacht haben:

Anzeige

  1. Wir haben nicht dokumentiert, dass die Regierung einen in diesem Fall kommunikativen Fehler gemacht hat.
  2. Als die Regionalpresse den Fehler dokumentiert hat, haben wir darüber immer noch nicht berichtet.
  3. Damit haben wir Verschwörungstheoretikern die Möglichkeit gegeben, den Fehler von sich aus zu skandalisieren – und Halbwahrheiten herein zu rühren.
  4. Schließlich stiegen wir endlich in die Berichterstattung ein und rückten ausgerechnet die AfD in die dankbare Rolle der Kritikerin, indem wir formulierten: „Die AfD behauptet …“ Bei einigen Leuten kam so die Frage auf: Hat die AfD etwas recht? Meine Manöverkritik auf Twitter war spontan, aber ich bleibe dabei: Als Hauptstadtpresse haben wir uns in dieser Woche nicht mit Ruhm bekleckert.

Der sächsische Ministerpräsident Kretschmer hat zwischenzeitlich erklärt, es habe in Chemnitz keinen Mob und keine Hetzjagd gegeben. Wie bewerten Sie diese Aussage?

Differenzierter als die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten war der einordnete Text des Chefredakteurs der Freien Presse. Er schloss mit den Sätzen: „Der offen zu Tage getretene Hass, der die Proteste auf den Straßen in Chemnitz am Sonntag begleitet hat, war schrecklich genug. Er bedarf keiner Dramatisierung.“ Ein Fall für den Wächterpreis.

Wie hätten vor allem die überregionalen Medien bei Chemnitz besser vorgehen können?

Unsere Aufgabe ist: Aufschreiben, was ist. Alles andere stört nur. Wenn Sie es unbedingt höher hängen möchten: Demokratie ist stark, wenn ihre Checks & Balances stark sind. Wenn Politiker und Journalisten sich einbilden, gemeinsam für oder gegen etwas zu kämpfen, ist das für unsere Aufgabe– um ein berühmtes Merkel-Wort aufzugreifen –„nicht hilfreich“.

Die Fragen an Robin Alexander wurden via E-Mail gestellt.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Na ja, nachdem Frau Merkel mitteilte, es sei nun alles gesagt, wird das wohl im Staatsfunk und in den MSM (mittlerweile werde ich wirklich ärgerlich) nicht weiter Thema sein. Und nachdem BfV-Präsident Maaßen vorsichtige Zweifel an dem einen Video angemeldet hat (hat der einen Todeswunsch?), welches uns ja immer vorgeführt wird, werden Forderungen laut, es müsse bewiesen werden, dass es keine Hetzjagden gab. OMG.

  2. Liebe meedia-Redaktion, Menschenjagden sind in Sachsen nicht unüblich, z.B. wurden 2015 10 Menschen von “Vermummten” zusammengeschlagen, weil sie einer sog. Legida-Veranstaltung gehen wollten. 2w016 wird ein Ordner dieser “Legida” überfallen und zusammengeschlagen. Nachdem man fälschlich behauptete in Dresden sei Khaled N. von “Rechten” getötet worden, gab es gewaltige Ausschreitungen mit Brandanschlägen. Der Pkw des Dresdner Politikwissenschaftlers Patzelt ist niedergebrannt worden – wie einige Duitzend mehr. Die “

  3. Durch Ersatzenkeltrickbetrug, denn die zumeist nichteuropäischen Ersatzenkel, deren EINZIGE Aufgabe hier in Deutschland ist, einen aufgrund der fortgesetzten Kinderlosigkeit der deutschen Bevölkerung ansonsten sicheren demographischen und somit gesellschaftlichen Zusammenbruch der ost- und südosteuropäischen EU-Staaten in ihrer Gesamtheit innerhalb nur einer einzigen, höchsten jedoch zweier Generationen zu VERHINDERN, werden ja nur mittels einer extrakonstitutionelle Notstandsmassnahme als sogenannte “Flüchtlinge” wahrheitswidrig öffentlich von den extrakonstitutionell handelnden Personen ja nur als solches dafür ausgegeben, lassen sich nicht nur dreistellige Milliardenbeträge, sondern auch politische Vorteile dauerhaft ergaunern!

    Wieso sollten das die Medien und die Politiker denn jemals wieder aufgeben wollen?

    Ndrangheta oder Ndrangheta,
    das ist hier die Frage!

    Obs edler im Gemüt…

  4. Herr Alexander hat noch nicht begriffen, das er mit der Wahrheit weder bei den überregionalen Medien, noch den “eingesessenen” Parteien richtig ist – weder als Journalist, noch als Wähler.
    Möglicherweise versteht er das erst dann, wenn er bei der “Welt” rausfliegt, was mit ziemlicher Sicherheit schon bald der Fall sein dürfte, da seine Ehrlichkeit dort aneckt.

    Dummerweise hat die AfD tatsächlich recht – jedenfalls in diesem Fall.

    1. Möglicherweise versteht er das erst dann, wenn er bei der “Welt” rausfliegt, was mit ziemlicher Sicherheit schon bald der Fall sein dürfte, da seine Ehrlichkeit dort aneckt.

      Sie meinen die ehemaligen taz-Mitarbeiter, die jetzt alle für die Welt arbeiten, die werden den rausekeln?

  5. Köln, Chemnitz … wird das den Qualitätsmedien langsam zu dumm, immer wieder Asche auf ihr Haupt streuen zu müssen? Fehler erkennen und zuzugeben ist eine Sache, aber müssten die nicht langsam mal bei “Wiederholung von Fehlern verhindern” angekommen sein? Viele Journalisten glauben anscheinend, es reicht seine eigene Meinung zu verbeiten, um Journalist zu sein. Nennen wir es doch beim Wort: viele Journalisten sind gar keine Journalisten sondern Influencer!
    Manche Journalisten glauben gar, Recherche wäre Twitter zu lesen und youtube-Videos zu schauen. Ja, genau, dann kommt eben die Chemnitz-Berichterstattung dabei raus. Ist es nicht erschreckend, dass ein 17 Sekunden-Video und ein paar Bilder von Hitlergrüßen reicht, um fast die gesamte Journallie PLUS fast die gesamte Regierung nach links abschmieren zu lassen? Was kommt danach? “Wag the Dog (1997)”?

  6. Es wäre eine Pflichtrecherche, den Urheber des einzigen (!) Filmschnipsel “Hetzjagd” herauszufinden du sich von ihm auch übrigen, unveröffentlichten Filmsequenzen zeigen zu lassen. Er hat das auf “Indymedia” veröffentlicht – diese Kampfmedium veröffentlicht derart oft Tendenz-Stories, dass eine solche Quellen-Recherche schon aus professioneller Vorsicht gerechtfertigt ist.

    Außerdem gibt es noch weitere Video-Aufnahmen – so filmte im Hintergrund sichtbar auch ein Polizist mit Kamera auf hochgehaltenem Stativ die gesamte Szene. Wahrscheinlich bezieht sich ja Maaßen auf dieses Überwachungsvideo.

    Doch bisher hält die Quelle Indymedia das Rohmaterial über diesen (laut Lokal-Reportern) Einzelfall und den Urheber des Videos geheim. Wenn das kein Grund für Misstrauen ist – weil das “antifaschistische” Indymedia für seine radikale Einseitigkeit ja berühmt-berüchtigt ist.

  7. Früher studierte man Journalismus.
    Heute genügen einige Jahre Knast wegen Betrug, sowie eine Mitgliedschaft bei den Linken, Grünen oder der Antifa um Journalist zu werden und seinen geistigen Müll in Journalen veröffentlichen zu dürfen. Je Linker, konfuser und verlogener, desto besser. Deutschlandweit fällt auf das die veröffentlichten Schmockstücke direkt aus der Pressestelle des Kanzleramtes zu stammen scheinen und jeweils individuell minimal abgeändert wurden damit man mehrere dieser Hygieneprodukte kaufen muss um doch die selbe Meinung zu lesen. Es sind Meinungen und hat mit Journalismus nichts mehr zu tun. Diese “Journalisten” können ruhig ihren linken geistigen Durchfall auf Faschistenbook veröffentlichen. In Zeitungen und Journalen ist es fehl am Platz.

    1. Na toll, dass Sie so genau darüber Bescheid wissen, wie man haute Journalist wird. Bestimmt haben Sie auch Belege für Ihre überaus qualifizierten Darlegungen.

  8. @wardabei: angeblich wurde vor der entsprechenden Szene mit den flüchtenden Personen Attacken gegen die im Video verfolgenden Personen geführt (siehe Danisch). Das wäre zumindest eine plausible Erklärung, warum nicht das komplette Material veröffentlicht wurde. Die Provokation nicht zeigen, aber das Ergebnis. Ein Klassiker aus dem kleinen Manipulationshandbuch.
    Dass veröffentlichte Filmsequenzen zuvor “tendenz-optimiert” geschnitten wurden, hatten man in der jüngsten Vergangenheit ja schon öfters feststellen können.

  9. Die Vollpfosten beim Spiegel lassen auch keine Gelegenheit aus um sich als Hetzer und Lügner zu besudeln.

  10. Was wir sehen ist der grösste Medienskandal seit Sebnitz im Jahr 2000. Im Übrigen, eine Menschenjagd bzw. eine Lynchjustiz hat es zur gleichen Zeit in Frankfurt\Oder in Brandenburg gegeben und zwar ohne Anführungsstriche für die beiden Begriffe.

  11. Bundeskanzlerin Merkel hat gesagt: “Wir haben Beweise….”

    WIR!!!
    BEWEISE!!!

    Ja okay Frau Merkel, wo sind die Beweise für die Hetzjagden, Menschenjagden, die Progrome, die Lynchjustiz und den marodierenden Mob?
    Bitte schleunigst der Öffentlichkeit vorlegen.

    Danke.

    1. Tja, Merkel hat es nicht nötig Beweise vorzulegen. Sie hat schliesslich “Bilder gesehen”. Aber der Maßen, der muß jetzt beweisen, saß es keine Hetzjagden gab. Beweislastumkehr, gefordert in den “Tagesthemen”, vom Qualitätsjournalismus. Wieso fordern die überhaupt und wieso haben sie nichts von Merkel und Seibert gefordert?

  12. Also, den Begriff Hetzjagd, medial auszuschlachten – während man sich auf genau 1 YoutubeVideo stützt… Ist erbärmlich.
    Die Riesenfrechheit besteht darin, dass jetzt der Chef des Verfassungsschutzes, beweisen soll, dass dem nicht so war.
    Wo sind die ganzen Privatfilmervideos von misshandelten, gejagden und gehetzten Migranten? Och gibts gar nicht? Und gleichzeitig wird wieder gemessert und sexueller Zwang ausgeübt. Gamz toll!

    1. „sexueller Zwang ausgeübt“? An wem? An Ihnen, damit Sie das hier schreiben sollen?

      Und übrigens: Inzwischen gibt es mehr als nur „genau 1 YoutubeVideo“ [sic!]!

  13. Oh la la – ein Chefreporter, der einen Fehler eingesteht und zu sachlichem und ehrlichem Journalismus zurückkehren will? Wenn er für diese Ehrlichkeit jetzt nicht rausgeschmissen wird, werde ich künftig die Welt lesen, nachdem ich mich bei allen anderen “Leit”medien abgemeldet habe, weil mir bei jeder verlogenen Schlagzeile nur noch übel wurde.

    1. eine Schwalbe macht noch keinen Sommer oder wie es in Sitcoms oft heißt: “zu wenig, zu spät”. Das ist eine reine Alibi-Darstellung von Hr. Alexander, bei nächster Gelegenheit ist das alles wieder vergessen. Und im Zweifelsfall wird der Redakteur dem Chefreporter schon sagen, wohin er sich seine journalistische Ehre stecken kann. Das Ergebnis/die Tendenz steht i.d.R. doch schon vor einem Bericht fest.

  14. Robin Alexander scheint mir ein integerer, sehr ordentlich recherchierender und fein reflektierender Journalist zu sein. Eigene Fehler einzugestehen ist nur folgerichtig. Lese gerne Artikel von ihm, auch das Buch “Die Getriebenen” fand ich sehr aufschlussreich.

  15. Wieso werden meine Kommentare zensiert? Kann die merkelhörige Lügenpresse keine Kritik mehr ertragen?

  16. Wieso, ist doch alles super!

    Eine Schlagzeile jagt die nächste und die Kasse klingelt. Was wollt ihr mehr?

    Sogar den Maaßen habt ihr gezwungen die Echtheit dieses sogenannten Hetzjagd-Videos zu beweisen. Dabei habt ihr es doch aus zweifelhafter Quelle selbst besorgt und veröffentlicht.

    Das nenne ich per Saldo einen vollen Erfolg! 100%.

    1. Eine Scheindebatte. Die relevante Frage ist nicht, ob das “Antifa Zeckenbiss”-Video echt ist, sondern ob es die angeblich stattgefunden habenden “Hetzjagden” zeigt. Und das ist offensichtlich nicht der Fall, da ist ja auf jedem Schulhof in Berlin mehr los.

      1. Ach ja? Gibt es auf jedem Schulhof in Berlin jetzt auch schon nackte Naziärsche, Hitlergrüße, Pöbeleien usw.? Stammen Sie von dort? Oder sind Sie selbst einer von dem Pöbel in Chemnitz?

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia