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Fakt oder Fiktion? Deutsche fühlen sich laut Umfrage nicht in der Lage, Falschnachrichten zu erkennen

Falschnachrichten zu erkennen, ist für viele Befragte eine große Schwierigkeit
Falschnachrichten zu erkennen, ist für viele Befragte eine große Schwierigkeit

Mit der Medienkompetenz scheint es in Deutschland schlecht bestellt: Noch nicht einmal jeder zweite Deutsche glaubt, Falschnachrichten auch als solche erkennen zu können. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos. Jeder dritte Bürger denkt wiederum, häufig oder regelmäßig Nachrichtenseiten zu konsumieren, auf denen Falschmeldungen verbreitet werden.

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Was sind die zentralen Ergebnisse?

Nur jeder dritte der hierzulande Befragten ist der Überzeugung, häufig oder regelmäßig auf Nachrichtenberichte zu stoßen, in denen bewusst Falschmeldungen verbreitet werden. Überhaupt geben 42 Prozent der Deutschen an, selten oder nie Fake News in den Medien ausfindig zu machen. In anderen Ländern ist das deutlich häufiger der Fall zu sein: In Argentinien (82 Prozent), in Serbien und der Türkei (beide 79 Prozent) identifizieren die Teilnehmer häufiger Falschnachrichten.

Ein Grund dürfte die stark unterschiedliche Medienkompetenz der Befragten sein: Die Umfrageteilnehmer in Deutschland fühlen sich besonders selten dazu in der Lage, zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden. Nur 47 Prozent trauen sich überhaupt zu, Falschnachrichten als solche zu erkennen. Lediglich in Japan, Spanien und Südkorea sind die Bürger noch weniger von der eigenen Kompetenz überzeugt. Im globalen Durchschnitt sind 63 Prozent der Befragten von der eigenen Medienkompetenz überzeugt; in der Türkei gar 77 Prozent.

Die Studie offenbart zudem eine Diskrepanz zwischen Fremd- und Eigenwahrnehmung: Jeder zweite Befragte weltweit denkt, dass der Durchschnittsbürger des eigenen Landes nicht im Stande ist, wahre Begebenheiten und Unwahrheiten voneinander zu unterscheiden. Gerade in westlichen Demokratien wie Schweden (64%), den USA (62%), Italien (61%), Großbritannien (59%) und Deutschland (53%) überwiegt der Anteil der Zweifler.

Was denken die Befragten über Politik und Medien?

Laut Umfrage denken 52 Prozent, dass die Menschen häufig falschen Informationen Glauben schenken, weil sie von Politikern getäuscht und in die Irre geführt werden. In Deutschland stimmen noch vier von zehn Befragten der Aussagen zu. Robert Grimm, Ipsos-Direktor für Politik- und Sozialforschung, kommentiert die Ergebnisse wie folgt: “In den Daten wird eine Resignation vor der Komplexität der Lebenswelten und dem Datenüberfluss in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft ersichtlich, in der es schwer fällt, sich in verschiedene Expertensysteme in Politik und Wirtschaft hineinzudenken.”

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Auch die Medien sowie der wachsende Einfluss von sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram & Co. befördere aus Sicht der Teilnehmer die Verbreitung von Falschinformationen. “Während sich Informationskanäle multiplizieren verlieren Staat, Wissenschaft und traditionelle Medien die Informationshoheit”, konstatiert Grimm. Bürger würden sich “emotionsgetriebenen Meinungsbildern” hingeben. Diese würden durch Schwarz-Weiß-Muster wie Opfer und Täter, Elite und das Volk sowie In- und Ausländer leichter zugänglich. “Es ist eine einfachere Lösung als die Wahrheit unter vielen möglichen Wahrheiten zu finden. Dort setzt der Populismus an.”

Wie ist die Umfrage aufgebaut?

Die Ergebnisse stammen aus einer Global Adviser-Studie, die über das Online Panel-System von Ipsos durchgeführt wurde. Zwischen dem 22. Juni und 6. Juli dieses Jahres haben 19.243 Personen aus 27 Ländern an der Umfrage teilgenommen. Zu den untersuchten Ländern zählen unter anderem Deutschland, Frankreich, die USA, die Türkei, Brasilien, China, Brasilien und Australien.

Die erhobenen Daten wurde laut Pressemitteilung gewichtet, “um die demographischen Merkmale auszugleichen” und sicherzustellen, dass die jeweilige Stichprobe den Strukturdaten eines jeden Landes entspricht. 16 der 27 Nationen stellen eine repräsentative Stichprobe dar, darunter auch Deutschland. Bei den Ländern wie Russland, Indien und Saudi-Arabien handelt es sich um sogenannte nationale Stichproben, bei der “die wohlhabende und gut vernetzte Bevölkerung” abgebildet werden.

Ipsos ist laut eigener Beschreibung ein unabhängiges Markt- und Meinungsforschungsinstitut, das in Deutschland über 600 Beschäftigte hat, unter anderem in Hamburg, München und Berlin.

tb

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Alle Kommentare

  1. 47 Prozent meinen also, sie könnten selbst keine Falschnachrichten erkennen und 53 Prozent meinen, dass dies die anderen nicht könnten.

    Das hat etwas von einem Arzt, der eine Krankheit nicht kennt, sie aber bei einem Besucher seiner Sprechstunde diagnostiziert.

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