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“Feindliche Übernahme”: Wie die Presse das neue Buch von Thilo Sarrazin kollektiv zerreißt – und er davon profitiert

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Steht mit seinem neuesten Buch "Feindliche Übernahme" im Fokus der deutschen Medien: Thilo Sarazzin

Am Donnerstag hat Thilo Sarrazin sein neues Buch "Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht" vorgestellt. Doch der Hype um die indirekte Fortsetzung seines kontroversen Werks "Deutschland schafft sich ab" (2010) begann eigentlich schon vor einigen Wochen. Während die Medien schäumen, springt das Buch in der Bestsellerliste nach oben.

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Der Wirbel begann, als der Verlag Radnom House sich geweigert hat, “Feindliche Übernahme” zu veröffentlichen. Schon das war für Sarrazin beste Gratis-PR. Jetzt ist das Buch also im Finanzbuchverlag der Münchener Verlagsgruppe erschienen und die Rezensionen unterschiedlicher Medien sprechen eine weitestgehend einhellige Sprache. Der Konsens: Sarrazin gehe bei seiner Recherche selektiv und katalogisierend vor, wechsle ständig zwischen Analyse und persönlicher Meinung und hieve seine in “Deutschland schafft sich ab” begonnene Diskriminierung der islamisch gläubigen Bevölkerung auf ein neues Level. Er werfe anderen Ignoranz vor, offenbare sich aber selbst als für bestimmte Sachverhalte auf beiden Augen blind.

So schreibt etwa Rainer Hermann auf faz.net :”Es gibt nur eine Wahrheit, und das ist seine. Intellektuell ist das Buch eine Enttäuschung. Denn Sarrazin erforscht seinen Gegenstand nicht, er wägt nicht ab”, und führt weiter aus: “Der Faktencheck fällt nicht günstig aus. Mit Jahreszahlen nimmt es Sarrazin nicht genau (etwa bei der Eroberung von Bagdad durch die Mongolen), nicht mit der Geographie (Sudan ist nicht Teil des Maghreb) und auch nicht mit Übersetzungen.”

Stefan Roock urteilt auf T-Online: ” ‘Feindliche Übernahme’ trägt in keiner Weise zur besseren Verständigung mit Muslimen bei. Es skizziert ein Feindbild. Das kann zu Entsetzen über und Angst vor, wenn nicht zu Hass auf “die Muslime” führen. Das ist das Gefährliche an Sarrazins Buch.”

Darüber hinaus bringen die Rezensenten, wie schon Rainer Hermann, weitere Beispiele, in denen Sarrazin (bewusst oder unbewusst) bestimmte Sachverhalte falsch darstelle. Beispielsweise, “dass Sarrazin Blasphemie und Apostasie verwechselt und die ungläubigen Schutzbefohlenen der Muslime “Djimmis” nennt – sie heißen ‘dhimmis'”, wie Sonja Zerki auf sueddeutsche.de anführt, nach deren Einschätzung Deutschland “dieses Werk so dringend, wie einen Ebola-Ausbruch” brauche. Oder “die Angabe, der Koran habe 113 – statt 114 – Suren”, was Johanna Pink auf Zeit Online als einen der “peinlicheren” Fehler bezeichnet.

Anna Sauerbrey kommt beim Tagesspiegel zu dem Schluss: “Es ist nicht alles falsch, was Sarrazin sagt. Es ist nur wahnsinnig einseitig. Am Ende bleibt als Erkenntnis vor allem das: Hier schreibt ein beleidigter und verletzter Autodidakt, den die Debatte um sein erstes Buch schwer mitgenommen hat und der es jetzt allen noch einmal zeigen will.”

Doch trotz vernichtender Kritik zu “Feindliche Übernahme”, stand das Werk von Thilo Sarrazin am Freitagvormittag auf Platz eins der Buch-Bestseller vom Online-Versandhaus Amazon – oder aber gerade deswegen. Denn wie schon das oben beschriebene Zerwürfnis zwischen Sarrazin und seinem alten Verlag, stellt auch die aktuelle hohe mediale Aufmerksamkeit um seine Person kostenlose PR für sein neues Buch dar. Nicht nur die Rezensionen spielen dabei eine Rolle, sondern auch Interviews mit Islam-Forschern oder die Berichterstattung über ein mögliches erneutes Ausschlussverfahren aus der SPD.

Einen Zusammenhang zwischen der prominenten medialen Aufarbeitung des Buches “Feindliche Übernahme”, sowie der Person Thilo Sarrazin an sich und den hohen Verkaufszahlen stellen auch einige Twitter-Nutzer her:

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Thomas Roock schließt auf T-Online seine Rezension mit den Worten, man könne das Buch “nicht ignorieren”. Das ist relativ offensichtlich.

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Alle Kommentare

  1. Glauben kann man, was man will, aber niemand hat das Recht, seine Religion anderen aufzuzwingen, nicht mal der eigenen Familie.

    Als von Natur aus emanzipierte Frau verstehe ich die falsche Toleranz von vielen
    Deutschen gegenüber dem Islam überhaupt nicht, am wenigsten wenn sie von Frauen kommt, die sich dazu noch “Feministinnen” nennen. An der Frauendemo am 9. Juni in Berlin gab es sehr eindrückliche Vorträge von Frauen, die sich in islamischen Ländern auskennen, über Misshandlungen von Frauen und Mädchen. Vor fünfzig Jahren habe ich mich in der Schweiz für das Frauenstimmrecht eingesetzt, heute muss man demonstrieren für das elementare Recht, sich auf der Straße zu bewegen, ohne vergewaltigt oder erstochen zu werden.

    Wenn man auf bei einer Buchkritik auf Einzelheiten herumhackt, bedeutet das oft, das wesentliche Argumente fehlen. Völlig disqualifiziert sich, wer ein Buch beurteilen will, ohne es gelesen zu haben.

  2. Etwas kollektiv zerreißen – ist ein wenig wie in der Sowjetunion damals, nicht wahr?
    Oder fand sich einfach kein Journalist, der das Sarrazin-Buch positiv hätte rezensieren wollen? Schwer zu glauben!

    1. Sie vergessen, daß wir es im Mainstream mit Journalismus-Opportunisten des Neomarxismus zu tun haben.
      Die können gar nicht anders.

      Und sicher, es gibt etliche Journalisten, die das Buch positiv rezensieren.
      Einfach mal die staatsfernen Portale besuchen.
      Wissen Sie aber sicher selbst.

      1. …und keinen Grimmepreis.

        Schließlich ist da ja weder vom Ziegenficken die Rede, noch spielen da lesbische tätowierte Migrantinnen eine tragende Rolle.

        Geht gar nicht.

  3. > Wenn man auf bei einer Buchkritik auf Einzelheiten herumhackt, bedeutet das oft, das wesentliche Argumente fehlen. Völlig disqualifiziert sich, wer ein Buch beurteilen will, ohne es gelesen zu haben.

    Sie scheinen nicht zu wissen: es gibt für Reaktionen und Händler in der Regel Vorab-Exemplare. So kommt man dazu, ein Buch bei VÖ gelesen zu haben, sowie den nötigen Global-Verriss durch “Einzelheiten” belegen zu können.

    Ihr Geschreibe über “den Islam”, in dem offenbar zu stehen scheint, dass Frauen vergewaltigt und erstochen werden müssen, legt weitergehende Bildungsdefizite offen. Aber das stört ja nicht, solange es gefühlt wahr ist.

  4. hmmm
    “Ich hab kein Wort aus #Sarazzin ‘s Buch gelesen, aber weiß ziemlich genau was drinsteht:”
    Ist das nicht genau das, was man Sarrazin vorwirft? Sich eine Meinung zu bilden und diese zu verbreiten, ohne sich im Detail mit der Materie auszukennen?

    1. Na, ganz einfach: Pawlow.

      Sarrazin>Nazi>Auschwitz =böse!!!

      So einfach können Menschen ticken.
      Weshalb sich da noch mit dem Inhalt befassen?

  5. Möge Sarrazin damit einen arschvoll Kohle machen auf das der grünlinke Mob umso heftiger im Strahl kotze

  6. Wenn diejenigen, die bereits desöfteren beim Auslassen und Lügen erwischt wurden, so lautstark bellen, muss das Buch gut sein. Allein ich konnte bislang nix skandalöses entdecken. Vielleicht kommt es noch 😉

  7. Natürlich weiß ich, dass es Vorabexemplare gibt. Aber wenn einer öffentlich bekennt, ein Buch nicht gelesen zu haben, kann er es auch nicht beurteilen.
    Sie kennen sich offensichtlich nicht aus, es gibt in islamischen Ländern Frauen, die ihre Freiheit und sogar ihr Leben riskieren, wenn sie frei leben oder auch nur unverschleiert auf die Straße gehen wollen. Noch nie von Steinigung wegen Ehebruch – oft einer erzwungenen Ehe – gehört?
    Übrigens habe ich Sarrazins Buch auch noch nicht gelesen, darum ist das, was ich über den Islam geschrieben habe, noch keine Buchkritik.

  8. Die deutsche Schmierenpresse fungiert immerhin als Kontraindikator.
    Wenn einem schon nichts Besseres einfällt als “trägt in keiner Weise zur besseren Verständigung mit Muslimen bei“; zum Arschkriechen würde offenbar manch ein selbsternannter Literaturkritiker gerne zum Praktikumsantritt bei den Taliban oder dem IS antreten. Typisch deutsche Köterrasse.

  9. “Der Faktencheck fällt nicht günstig aus. ”

    Wow. Da stimmt z.B. eine historische Jahreszahl nicht und “Djimmis” vs. “dhimmis” – echt jetzt? Kritik wegen der Schreibweise eines aus arabischen in lateinsche Schriftzeichen transkribierten Wortes? Geht’s vielleicht noch substanzloser?

  10. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf! Der linksgrüne Journalismus wird vom Käufer abgestraft, Medien sind und bleiben mit ihrem Mainstream eine Minderheit, aber sie überlagern halt die öffentliche Meinung. Dafür sinken im Gegenzug ihre Auflagen und Einschaltquoten, ganz anders bei Sarazin, da steigen sie!

    1. Die Behauptung, der allgemeine Auflagenschwund habe seine Ursache in „linksgrünem” Journalismus, wird durch ständige Wiederholung nicht richtiger. Die Bildzeitung befindet sich im Sturzflug, die Mehrzahl der Lokalblätter ist in Not, und da ist gar nichts linksgrün. Umgekehrt hält sich Zeit stabil, obgleich sie Ihrem Klischee entspricht.

      Das passt alles nicht zusammen. Weil die These falsch ist.

      1. Das kann man natürlich viel einfacher sagen: Bild lügt und hetzt schon immer (wie 1968 in Berlin) und der Rest macht es jetzt genauso (nur mit anderen Vorzeichen). Beispiel Ukraine- da bebte aber die Atlantik-Brücke! Das Unheil begann – als sich die Reschkes und Hayalis dieser Welt für Journalistinnen hielten- obwohl sie nur Tag und Nacht ihren – in der Tat rot-grünen- Meinungs- Schleim absondern. Lets face it- die Medien sind komplett im Arsch- die Party ist vorbei.

  11. Die Empörung ist groß. Sie ist vielleicht deshalb so groß, weil viele Zeitgenossen einen Angriff auf ihr gepflegtes Weltverständnis sehen und nicht wissen, wie sie den Angriffen argumentativ standhalten können. Die bis jetzt erschienene Kritik an Sarrazin ist sehr dünn. Aber vielleicht kommt noch mehr und dann kann der Streit richtig geführt werden.

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