Partner von:
Anzeige

“Das ist dann doch etwas billig” – der bizarre Interview-Streit zwischen Planet Interview und Noch-Spiegel-Chef Klaus Brinkbäumer

Klaus-Brinkbauemer-planet-interview.jpg

Es ist schon ein erstaunlich Effekt. Oftmals erhalten Interviews, die nicht autorisiert und gestoppt wurden, mehr Aufmerksamkeit, als publizierte Gespräche. Dabei kennt man deren Antworten gar nicht. Neues Beispiel dieser Text-Spezies: Ein geführtes, aber dann doch zurückgezogenes Gespräch von Planet Interview mit dem Noch-Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer.

Anzeige

Für das Gesprächsportal unterhielt sich Redaktionsleiter Jakob Buhre mit dem Journalisten. Anlass war dessen Buch “Nachruf auf Amerika”. Deshalb lief bereits die Anbahnung des Interviews über den Fischer-Verlag, das Treffen fand dann im Büro des Chefredakteurs an der Ericusspitze in Hamburg statt.

Die Beiden unterhielten sich am 9. Juli rund 75 Minuten lang. Allerdings nicht nur über das Buch, sondern auch über Journalismus und den Spiegel. Die Autorisierung zog sich dann allerdings über viele Wochen hin, bis in der vergangen Woche die Nachricht kam, dass Brinkbäumer zum Ende des Jahres die Chefredaktion des Nachrichtenmagazins abgeben muss.

Buhre beschreibt dies so:

Und schließlich bekam ich am 22.08., während die News-Ticker einen Wechsel in der SPIEGEL-Chefredaktion ankündigten, von der SPIEGEL-Chefredaktion die Nachricht, dass das Interview komplett gestrichen ist (Wortlaut SPIEGEL-Chefredaktion: „Klaus Brinkbäumer zieht das Interview, welches er Ihnen am 9. Juli gegeben hat, zurück.“)

Der Redaktionsleiter schnitt daraufhin alle Spiegel-Passagen aus dem Gespräch. Seine Überlegung: Brinkbäumer will sich bestimmt nicht mehr zu dem Nachrichtenmagazin äußern. Aber über das Buch kann er ja immer noch sprechen. Reaktion des Spiegel-Chefs auf die Idee laut Buhre: “Seine Antwort, die er mir am 27.08. per Mail mitteilte, lautete: Nein. Gründe nannte Brinkbäumer nicht.”

Anzeige

Buhre veröffentlichte daraufhin die Fragen ohne die Antworten Brinkbäumers. Der Spiegel-Macher bezeichnete das bei Twitter als “etwas billig”.  Er führte “juristische Gründe” an, warum er derzeit “keine Interviews gebe (oder freigebe)”. Weiter schreibt Brinkbäumer: “Unglückliche Umstände eben, die Herr Buhre kennt; und er kennt auch meine Entschuldigung.”

Dieser Tweet scheint Buhre dann doch erheblich geärgert zu haben. Immerhin veröffentlichte er schnell ein Update: “’Juristische Gründe’ erwähnte Brinkbäumer in seiner Mail an mich nicht, ich kenne diese Gründe auch bis heute nicht. Eine ‘Phase’, in der er nicht autorisieren könne, erwähnte Brinkbäumer gegenüber mir ebensowenig. Ich bin nun aber gespannt, ob das Interview erscheinen kann, wenn diese ‘Phase’ vorüber ist.”

Einmal in Fahrt merkt der Redaktionsleiter von Planet-Interview noch an, dass Brinkbäumer ja auch noch immer Chefredakteur ist:

Es ist also der amtierende Chefredakteur des SPIEGEL, der den gleichen Umgang mit der Presse pflegt wie zum Beispiel der türkische Jugend- und Sportminister Akif Cagatay Kilic. Der Minister hatte im September 2016 Michel Friedman ein Interview für die Deutsche Welle gegeben, doch nach Ende des Gesprächs beschlagnahmte er das Drehmaterial, weil ihm Friedmans Fragen nicht gefielen. Auch Spiegel Online berichtete und zitierte Michel Friedman, der in Kilics Vorgehen ein „Zeichen für ein völlig falsches Verständnis, wie man mit Journalisten umgeht“ sah.

Harte Vorwürfe. Gegenüber MEEDIA wollte Brinkbäumer die Causa nicht weiter kommentieren. Allerdings erklärte er ja bereits via Twitter, dass er sich derzeit nicht in Interviews äußere, was man angesichts seiner nicht ganz einfachen beruflichen Situation derzeit durchaus verstehen kann.

Dass Planet Interview Autorisierungspraktiken thematisiert kommt übrigens nicht zum ersten mal vor. An dieser Stelle sei nur an die Debatte um das Planet Interview-Gespräch mit dem Politik-Chef der Bild, Nikolaus Blome, erinnert. Auch ein Gespräch mit dem damaligen Bravo-Chefredakteur Tom Junkersdorf veröffentlichte Planet Interview mit Fragen, zu denen Junkersdorf die Autorisierung verweigerte. Es mag zwar in diesen Fällen keine Antworten geben, aber immer wieder einen Aufmerksamkeitsschub für Planet Interview.

Update: Jakob Buhre von Planet Interview wies darauf in, dass der ursprünglich in diesem Text vorkommende Satz “Allerdings erklärte er (Brinkbäumer) ja bereits via Twitter, dass er sich derzeit nicht äußere, was man angesichts seiner nicht ganz einfachen beruflichen Situation derzeit durchaus verstehen kann.” nicht stimme. Brinkbäumer äußere sich sehr wohl, Buhre verwies in diesem Zusammenhang auf diverse Auftritte Brinkbäumers, um sein Buch zu promoten. Wir haben darum den Satz dahingehend ergänzt, dass sich Brinkbäumer derzeit in Interviews nicht äußert.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Diese ganze Autorisiererei ist sowieso ein typisch deutscher Krampf und sollte umgehend abgeschafft werden. Die Interviews werden aufgezeichnet, dann kann jeder reinhören, was gesagt wurde und was nicht.

  2. Wichtig… Wichtiger… Brinkbäumer…

    Mein Gott…, die kommen sich alle so wichtig vor und da tritt mal aus einem Rinnsal eine kleine Flut über…, dann stehen sie hilflos da und staunen…

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia