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Steve Jobs’ Tochter Lisa rechnet in Memoiren mit ihrem Vater ab, will es aber nicht so gemeint haben

Foto Steve Jobs: dpa, Foto Lisa Brennan-Jobs: CC BY 3.0
Foto Steve Jobs: dpa, Foto Lisa Brennan-Jobs: CC BY 3.0

"Beifang", die Biografie von Steve Jobs' unehelicher Tochter Lisa, die am 4. September erscheint, ist eine der Buch-Sensationen des Herbstes. Nach einem ersten Auszug in Vanity Fair, in dem der verstorbene Apple-Gründer denkbar schlecht wegkommt, versucht Brennan-Jobs in einem New York Times-Porträt ihre Biografie nun zu relativeren. "Die Leser sollen wissen, ich habe ihm vergeben", erklärt die 40-Jährige. Doch das Buch ist voller Bosheiten.

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Die Wunde ist groß – und offenkundig unheilbar. Dass Steve Jobs der wahrscheinlich legendärste Gründer und CEO des Silicon Valleys war, ist ebenso wenig eine Neuigkeit wie seine schwierigen zwischenmenschlichen Beziehungen zu Mitarbeitern, Freunden und vor allem der Familie – allen voran seiner unehelichen Tochter Lisa, nach der Jobs einen Apple-Computer benannte, seine Vaterschaft aber jahrelang abstritt.

Das extrem ambivalente Verhältnis zwischen Vater und Tochter wurde in Büchern wie dem Bestseller “Steve Jobs” von Walter Isaacson, aber auch in Hollywood-Filmen thematisiert – wie dem gleichnamigen Biopic mit Michael Fassbender und Kate Winslet, in dem Lisa Brennan-Jobs die heimliche Heldin ist.

Ein klassischer Fall von Autorenreue vor der Veröffentlichung

Knapp sieben Jahre nach dem Tod ihres Vaters macht die heute 40-Jährige nach all der Berichterstattung aus zweiter Hand nun Tabula rasa mit ihrer Biografie “Beifang” (Original: “Small Fry”), die am 4. September weltweit erscheint. Anfang August hat “Vanity Fair” bereits einen Auszug veröffentlicht, in dem Jobs – vorsichtig formuliert – nicht besonders gut wegkommt.

Gegen Ende seines Lebens hatte der von der Krankheit ans Bett gefesselte Apple-Gründer noch gefragt, ob seine Tochter, damals schon als Journalistin aktiv, vorhabe, über sein Leben zu schreiben, erinnert sich Lisa Brennan-Jobs. Sie habe mit “Nein” geantwortet. “Gut”, freute sich Steve Jobs seinerzeit. Man kann sagen, Jobs hatte sich zu früh gefreut.

In einem gestern veröffentlichten ausführlichen New York Times-Porträt gibt Brennan-Jobs nun weitere, teilweise schockierende Einblicke in die Memoiren, versucht aber gleichzeitig zurückzurudern – ein klassischer Fall von Autorenreue vor der Veröffentlichung. “In ‘Beifang’ kommt Steve Jobs wie ein Schurke daher. Seine Tochter verzeiht ihm. Sollten wir das auch?” fragt sich New York Times-Reporterin Nellie Bowles, liefert in ihrem Porträt jedoch hinreichend Argumente, es eher nicht zu tun.

“Nicht ansatzweise geschildert, wie schlimm es wirklich war”

Brennan-Jobs beschreibt, wie sehr Jobs ihre Mutter Chrisann Brennan in Geldangelegenheiten immer wieder demütigte, in letzter Minute aus Restaurants lief, ohne zu bezahlen und schließlich mit seiner Frau Laurene Powell in ein Haus einzog, das Lisa Brennan-Jobs für sich und ihre Mutter erhofft hatte.

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Verbittert kommentiert Chrisann Brennan, die 2013 selbst mit Jobs in ihrer Biografie “The Bite in the Apple” abrechnete, gegenüber der New York Times, ihre Tochter wäre in der Schilderung der Kindheit noch nicht weit genug gegangen. “Sie hat nicht ansatzweise geschildert, wie schlimm es wirklich war, das können Sie mir glauben”, wird Brennan in der NYT zitiert.

“Wir sind eben kalte  Leute”

In einer Passage schildert Brennan-Jobs, wie ihr Vater mit seiner Frau Laurene Powell einen intimen Moment erlebt (“Er zog sie zu einem Kuss heran, näherte sich mit seinen Händen ihren Brüsten und stöhnte theatralisch”), Lisa aber daran hindert zu gehen. “Hey Lis’. Das ist ein Familienmoment. Es ist wichtig, dass Du versuchst, Teil dieser Familie zu sein”, soll der Apple-Chef seiner Tochter entgegnet haben.

Ihrer Stiefmutter legt Brennan-Jobs den ihrer Meinung nach besten Satz im Buch in den Mund: “Wir sind eben kalte Leute”, soll Laurene Powell während einer gemeinsamen Therapiesitzung auf den Vorwurf entgegnet haben, dass sie und Steve Jobs Lisa nicht ‘Gute Nacht’ sagten.

Steve Jobs’ Witwe Laurene Powell: “Mit großer Trauer ihr Buch gelesen”

Erwartungsgemäß fassungslos reagierten Steve Jobs’ Witwe Laurene Powell, die gemeinsamen Kinder und Steve Jobs’ Schwester Mona Simpson auf die Memoiren. “Lisa ist Teil unserer Familie. Mit entsprechender großer Trauer haben wir ihr Buch gelesen, das sich dramatisch von unseren Erinnerungen dieser Zeiten unterscheidet”, teilt die Jobs-Familie in einem gemeinsamen Statement gegenüber der New York Times mit.

Den Hollywood-reifen Schlusspunkt der bitterbösen Abrechnung mit ihrem egozentrischen Vater setzt Brennan-Jobs in bester Manier des revanchelustigen Apple-CEOs: Falls sie selbst das Milliardenvermögen ihres Vaters, das von Laurene Powell Jobs verwaltet wird, geerbt hätte, hätte Lisa Brennan-Jobs es “wie eine heiße Kartoffel” an eine Stiftung weitergegeben – nämlich die von Steve Jobs’ langjährigem Erzrivalen Bill Gates.

 

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