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Zeitungsmarkt Berlin: B.Z. rauscht nach unten, Tagesspiegel auf Platz 1, Welt und SZ deutlich im Minus

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Der Tagesspiegel ist laut IVW-Verbreitungsanalyse Tageszeitungen die neue Nummer 1 in der Hauptstadt: 86.984 Exemplare werden in Berlin an den Mann gebracht. Der bisherige Marktführer B.Z. verlor im Vergleich zur VA 2016 satte 20,7% seiner Berliner Verkäufe. Ebenfalls deutlich im Minus: Welt und Süddeutsche, deutlich im Plus dank ePapers: das Handelsblatt.

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Alle zwei Jahre veröffentlicht die IVW ihre Verbreitungsanalyse Tageszeitungen, in der Auflagenzahlen für jede noch so kleine Gemeinde der Bundesrepublik Deutschland ausgewiesen werden. Ermittelt werden die Zahlen jeweils in einer Messwoche. Die Ergebnisse werden dann auf ein Quartal hochgerechnet. Die Analyse zeigt damit ein sehr spannendes Bild von Zeitungs-Deutschland. So lässt sich beispielsweise sehen, dass im niedersächsischen Suhlendorf zwei Leute die F.A.Z., vier die Süddeutsche und 435 die Allgemeine Zeitung – das Lokalblatt dort – kaufen.

Spannend ist natürlich auch der Blick in die Großstädte: Wie sehr schrumpfen die Auflagen in den Metropolen? In einer Reihe von Artikeln wird MEEDIA in den kommenden Wochen die VA-Ergebnisse analysieren. Zum Start blicken wir dabei auf den umkämpftesten Zeitungsmarkt Deutschlands: den in Berlin. Allein fünf Lokalzeitungen kämpfen um Käufer, hinzu kommen die überregionalen Titel und Regionalzeitungen aus anderen Gebieten, die von Pendlern, etc. gelesen werden.

Insgesamt wurden laut IVW in Berlin pro Erscheinungstag rund 466.500 Tageszeitungen verkauft – ein Minus von 7,8% gegenüber der VA 2016. Positiv: Der Rückgang hat sich damit etwas abgeschwächt, in den vergangenen Jahren sah es in Berlin noch bitterer aus. Zwischen 2014 und 2016 betrug das Minus beispielsweise 15,8%.

Verantwortlich für die positivere Entwicklung sind auch ePaper-Abos, die in Berlin insbesondere von zwei Blättern mit deutlich ansteigender Tendenz vertrieben werden: Der Tagesspiegel gewann so 6,8% bei seiner verkauften Auflage in der Hauptstadt, das Handelsblatt sogar 35,6%. Die Vermutung liegt nahe, dass hier insbesondere Behörden, Unternehmen und andere Organisationen in Berlin erfolgreich als ePaper-Kunden gewonnen wurden. Beim Tagesspiegel wird fast ein Viertel der verkauften Hauptstadt-Auflage schon als ePaper ausgeliefert, beim Handelsblatt sogar fast die Hälfte.

Der Tagesspiegel eroberte durch sein Plus auch die Tabellenspitze im Berliner Zeitungsmarkt: 86.894 Zeitungen verkauft man pro Tag. Der bisherige Marktführer B.Z. hingegen rutschte erstmals unter die 100.000er-Marke – und zwar direkt auf nur noch 79.605 verkaufte Exemplare. Im Vergleich zur VA 2016 entspricht das einem Minus von sagenhaften 20,7%. Bitter sieht es auch für den Berliner Kurier mit einem Rückgang von 14,4% aus, glimpflich davon gekommen ist noch die Berliner Morgenpost.

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Hinter den fünf Lokalzeitungen folgt als erster überregionaler Titel wenig überraschend die Bild. Mit einem Minus von 9,7% erging es ihr etwas weniger schlecht als B.Z. und Berliner Kurier. Welt und Süddeutsche Zeitung hingegen büßten mehr als 10% ein. Inwiefern dieses dicke Minus auch mit dem Abbau von Bordexemplaren in Flughäfen und Flugzeugen zu tun hat, lässt sich nur spekulieren, da die VA nur den Gesamtverkauf für die einzelnen Regionen ausweist, nicht aber die Einzelzahlen für Abos, Kiosk-Verkauf, Bordexemplare, etc.

Wie auf der anderen Seite das gigantische Plus der Leipziger Volkszeitung zustande gekommen sein soll, ist ebenso schleierhaft – womöglich ebenfalls durch Bordexemplare oder irgendwelche sonstigen Verkäufe. Über der VA 2016 lieegn in Belrin auch noch die Zeitungskruppe Köln (Stadtanzeiger) und das Duo HAZ/NP Hannover.

Die 20 meistverkauften Tageszeitungen in Berlin
verkaufte Auflage vs. 2016
Platz Titel 2018 absolut in %
1 Der Tagesspiegel 86.894 5.531 6,8
2 B.Z. 79.605 -20.774 -20,7
3 Berliner Zeitung 77.670 -7.413 -8,7
4 Berliner Morgenpost 71.327 -2.206 -3,0
5 Berliner Kurier 49.400 -8.303 -14,4
6 Bild 32.172 -3.443 -9,7
7 Die Welt + Welt Kompakt 16.335 -2.472 -13,1
8 Süddeutsche Zeitung 14.660 -1.887 -11,4
9 Frankfurter Allgemeine Zeitung 14.270 -431 -2,9
10 Handelsblatt 11.867 3.117 35,6
11 Neues Deutschland 7.226 -1.450 -16,7
12 Leipziger Volkszeitung 1.058 973 1.144,7
13 Hamburger Morgenpost 1.029 -195 -15,9
14 RheinMainMedia [Frankfurter Rundschau] 752 -89 -10,6
15 Märkische Allgemeine 655 -56 -7,9
16 Sächsische Zeitung 603 -56 -8,5
17 Märkische Oderzeitung 269 -113 -29,6
18 Stuttgarter Zeitung / Stuttgarter Nachrichten 180 -9 -4,8
19 Zeitungsgruppe Köln Abozeitungen 145 36 33,0
20 HAZ/NP Hannover 144 24 20,0
Quelle: IVW-VA Tageszeitungen 2018 / Tabelle: MEEDIA

[Nachtrag aufgrund zahlreicher Fragen: Die taz nimmt leider als einzige relevante Zeitung traditionell nicht an der Verbreitungsanalyse der IVW teil. Daher liegen keine regionalen und lokalen Verkaufszahlen des Blattes vor.]

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Alle Kommentare

  1. Berlin. Merkel! Systempresse! Linksgrün. Berlin. Merkel. Systempresse! Linksgrün! Berlin. Merkel. Systempresse. Linksgrün. Berlin. Merkel!! Systempresse!! Linksgrün. Berlin. Merkel. Systempresse. Linksgrün. Berlin. Merkel!! Systempresse!! Linksgrün!!

    Wo bleibt das ewiggleiche Erregungsgesabbel?

    1. Nein, haben wir nicht vergessen,. Die taz nimmt leider seit jeher nicht an der VA der IVW teil – es liegen also keine lokalen Zahlen der Zeitung vor.

  2. Was mir auffällt: Von den 6 Lokalzeitungen (BILD Berlin hat immerhin noch 1 (!) Lokalseite) verlieren vor allem die 3 Boulevardblätter BZ, Kurier und BILD. Boulevard verliert also stärker als die anderen.

  3. Erschreckend ist die Relation zwischen der Einwohnerzahl von rund 3.601.131 Einwohnern (2016) und rund 461.426 Abonnenten (1-11 addiert).

    Wenn man die Daten der sozialräumlichen Planungskoordination für alle 96 Ortsteile analysiert, rutscht der Berliner Zeitungsmarkt in eine bedrohliche Krise
    hinein, weil sich die muttersprachlich deutschen Nachwuchs-Jahrgänge gegenüber de Elterngeneration praktisch mehr als halbieren.

    Die Rückgänge im Boulevard-Sektor dürften mit den gestiegenen Mieten und den Zahlen der in Rente gehenden Zeitungslesern korrelieren. Wer bei Verrentung weniger Nettoeinkommen hat, und eine hohe Mietbelastung, spart an allem was möglich ist.

    BZ, Berliner Zeitung, Berliner Kurier und Bild haben m.E. ein Verkaufsstellen-Problem, weil

    a) typische Zeitungs- und Lottoläden durch Spätis ersetzt werden
    b) Platzierungen in Supermärkten sehr schlecht sind
    d) Print in kleinen Bahnhofskiosken auf Stapel liegt, die kaum jemand sieht.

    Im Vertrieb geht sicher mehr! Vor allem muss gefragt werden, ob man nicht
    Senioren-Abos entwickelt, bei denen 1 Abo durch Sharing-Reichweiten
    gemehrt wird.

    Die Position des Tagesspiegel wird zudem durch beachtliche Zuschüsse aus der Digital News Initiative von Google gespeist, was angesichts der wirtschaftlichen Schwäche einiger Verlagshäuser im marktliberalen Sinn eine “Wettbewerbsverzerrrung” ist.

    Erschreckend ist der schleichende Verlust von Lese- und Digitalkompetenzen infolge von Social-Media und Streaming-Nutzung, sowie Gaming.

    Wachsende Komplexität, Digitalisierung, zunehmende Interkulturalität und Lese- und Schreibschwächen – das geht nicht zusammen!

    Der Ausschuß für Europa- und Bundesangelegenheiten, Medien muss eine neue
    Medienpolitik auf die Agenda setzen!

    https://www.parlament-berlin.de/C1257B55002AD428/CurrentBaseLink/W29ASL7D644DEVSDE?open&Wahlperiode=18&Ausschuss=Ausschuss%20f%C3%BCr%20Europa-%20und%20Bundesangelegenheiten,%20Medien

  4. Man schaue sich mal die Qualität “DER WELT” in den späten 90ern und heute an, da liegen wirklich “WELTEN” dazwischen, ganz unabhängig von der politischen Ausrichtung.

    Warum soll ich dafür jeden Tag 2,70 Euro bezahlen ? Für mich sieht dies fast so aus als wenn man die Auflage runterfahren will, damit man nur noch auf online setzt.

    Das HANDELSBLATT ist die einzige Zeitung die sich in den letzten Jahren qualitativ verbessert hat. Täglich wäre es mir zu viel, aber die Wochenendausgabe kaufe ich mir fast jeden FR.

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