Partner von:
Anzeige

BuzzFeed startet “Follow This” bei Netflix – auch mit deutschem Beitrag: Journalismus für die Generation Streaming

“Follow this” heißt die neue Netflix-Doku, die von BuzzFeed News produziert wurde
"Follow this" heißt die neue Netflix-Doku, die von BuzzFeed News produziert wurde

BuzzFeed News versucht sich an einer neuen Reportage-Reihe – über ihre eigene Arbeit. Dafür hat die US-Medienmarke mit Netflix den denkbar stärksten Partner für ihre Zielgruppe an Land ziehen können. In den kommenden Monaten werden bei dem Streaminganbieter insgesamt 20 Folgen der "Pop Docu" zu sehen sein und eine davon kommt auch aus Deutschland.

Anzeige

“Ich wurde gesund geboren. Und sie haben mich krank gemacht”, sagt Lynn, “sie haben mein Leben kaputtgemacht.” Lynn ist intersexuell und hatte bei der Geburt sowohl Eierstöcke als auch Hoden und einen Penis. Die Ärzte entscheiden damals, Lynn sei ein Mädchen. Mit insgesamt sieben Operationen entfernten sie die männlichen Geschlechtsmerkmale und bauten eine Vagina. Lynn war damals zwei Jahre alt. Bis ersie – so möchte Lynn heute angesprochen werden – 17 Jahre alt war, musste ersie alle drei Monate zur Kontrolle ins Krankenhaus. Dort wurden ihre Geschlechtsorgane untersucht und überprüft, ob die Hormonbehandlung anschlägt. “Da durften sogar Medizinstudenten zuschauen und mir zwischen die Beinen fassen. Das war sexuelle Gewalt”, sagt Lynn rückblickend.

Lynn ist eine von schätzungsweise 80.000 bis 120.000 intersexuellen Personen in Deutschland. Erst im November 2017 schrieb das Bundesverfassungsgericht fest, dass es in Deutschland eine dritte Option neben “Mann” und “Frau” geben muss. Ab dem 01.01.2019 wird es möglich sein, “divers“ oder „inter“ in den Personalausweis eintragen zu lassen. Auch fordert Familienministerin Katarina Barley ein Verbot der geschlechtsnormierenden Operationen an Säuglingen und Kindern in Deutschland.

Eine Doku-Reihe mit 20 Folgen á 20 Minuten in drei Teilen

Juliane Löffler ist Reporterin für Buzzfeed Deutschland und berichtet vor allem über LGBT-Themen. Anlässlich der neuen gesetzlichen Regelung zum dritten Geschlecht sowie einem möglichen Verbot der Operationen im Säuglingsalter spricht sie sowohl mit mehreren intersexuellen Personen über ihre Erfahrungen in Deutschland als auch mit Politikern und Ärzten. Dabei wird sie von einem Kamerateam begleitet – für die neue Netflix-Dokureihe “Follow This”.

Produziert wird die Reihe von BuzzFeed News selber, um nach eigenen Angaben die “Zuschauer hinter die Kulissen des preisgekrönten Journalismus von Buzzfeed” zu entführen und “zeitgenössische Themen aus der Perspektive und mit der persönlichen Note seines vielfältigen Redaktionsteams zu analysieren”. Insgesamt 20 Folgen sind bei Netflix zu sehen; jede von ihnen ist gerade einmal 15-20 Minuten lang und widmet sich verschiedenen Themen und Schauplätzen aus aller Welt. Anders als bei den meisten anderen Netflix-Formaten werden die Episoden nicht auf einen Schlag veröffentlicht, sondern in insgesamt drei Teilen: im August, September und November. Die deutsche Folge “Intersex”, die Juliane Löffler bei ihrer Recherche begleitet, wird zusammen mit den ersten sechs Folgen ab dem 23. August zu sehen sein.

BuzzFeed News’ Chefredakteur Ben Smith sagt: „Wir sind begeistert, dass Netflix die Tiefe unserer journalistischen Arbeit erkannt hat und der Geschichten, die wir erzählen. Und wir freuen uns sehr, dass wir unsere Erfahrungen an das enorm große Publikum von Netflix weitertragen können.“

Anzeige

Vom Netzphänomen Kopforgamsus bis zu Konsumräumen für Drogenabhängige

Netflix und BuzzFeed bezeichnen ihr gemeinsames Werk als “Pop Docu” und diese Bezeichnung könnte kaum treffender sein. Zum einen dreht sich das Doku-Format natürlich um BuzzFeed-typische Themenkomplexe – von skurrilen Internetphänomenen wie den “Kopforgamsus” über Sexarbeit oder Konsumräume für Drogenabhängige. Zum anderen scheint auch die für Reportagen auf den ersten Blick ungewöhnlich kurze Episoden-Dauer von gerade einmal 20 Minuten auf die Sehgewohnheiten der Millenial-Generation abgestimmt zu sein: “snackable”, wie es in Internet-Buzzword-Fachkreisen heißt, und demnach auch mobil einfach konsumierbar.

Trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – der Kürze der Reportagen gelingt es den Machern, die Zuschauer der deutschen Folge ohne große Umschweife mit auf eine Reise zu nehmen und ihnen, ohne oberflächlich zu sein, ein möglicherweise neues und komplexes Themenfeld zu eröffnen. Der angekündigte Blick hinter die Kulissen kommt dabei zum Glück ohne Selbstbeweihräucherung oder Selbstmarketing aus. Die Kamera bleibt angenehm beobachtend und fängt dennoch Momente ein, die die Arbeit der Reporter greifbarer machen als ein reiner Text dies tun könnte. So gehören zu den stärksten Momenten von “Intersex” – neben den berührenden Interview-Sequenzen mit den Protagonisten – die Szenen, in denen Juliane Löffler ihre eigenen Emotionen zeigt. Zum Beispiel, wenn sie auf dem Weg zum Gespräch mit Katarina Barley erzählt, wie aufgeregt sie ist. Oder wenn sie frustriert feststellt, dass zu Beginn ihrer Recherche zunächst kaum ein Arzt mit ihr sprechen möchte.

Allen Aspekten derart komplizierter Themen gerecht werden können die jeweiligen Folgen freilich nicht. Doch vermutlich ist dies auch weniger der Ansatz als vielmehr eine weitere crossmediale Verzahnung der BuzzFeed-Inhalte. Denn wer mehr noch über Juliane Löfflers Recherche und die Ergebnisse erfahren will, wird auf BuzzFeed.de fündig. Der Marke BuzzFeed und ihrer Reichweite wird die Netflix-“Pop Docu” – auch in Deutschland – sicher guttun.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. “Buzzfeed-Journalismus für die Generation Streaming”

    Man könnte auch sagen: Linkspropaganda für Doofe.

    Und fast alle üblichen Themen sind dabei: Intersexuelle, Drogensüchtige, SPD-Politiker. Nur einen Menstruations-Beitrag vermisse ich in der Auflistung, da muss dringend nachgearbeitet werden. Vielleicht in Staffel 2?

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia