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Test auch in Deutschland: Netflix versucht, Apples App-Store-Gebühr von 30 Prozent zu umgehen

Netflix gehört genau wie Amazon Prime zu den Streaming-Platzhirschen in Deutschland
Netflix gehört genau wie Amazon Prime zu den Streaming-Platzhirschen in Deutschland

Seit mehr als zehn Jahren kassiert Apple als Gatekeeper 30 Prozent an den Erlösen von App-Anbietern. Für Medienanbieter wie Netflix, die von den monatlichen Abonnenteneinnahmen fast ein Drittel an den iKonzern abführen müssen, ein Ärgernis. Wie TechCrunch berichtet, testet Netflix deswegen in 33 Märkten bei Neu- und wiederkehrenden Kunden ein Zahlungsmodell direkt über die eigene Webseite.

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Es sind nur ein paar Klicks, doch sie entscheiden über Milliarden Dollar. Wer auf der Webseite von Netflix direkt ein Abonnement abschließt, der hat sich eigentlich von Reed Hastings ein spezielles Dankeschön verdient – auf der iTunes-Plattform von Apple gehen dem Netflix-CEO dagegen 30 Prozent bis 15 Prozent durch die Lappen, obwohl der Kunde exakt die gleiche Leistung erhält.

Das sind die Regeln, die noch Apple- Gründer Steve Jobs zum Launch des App Stores am 11. Juli 2008 App-Anbietern diktiert hatte: Wer auf Apples Plattform seine App zum Kauf anbietet, muss einen entsprechenden Obolus an den Konzern aus Cupertino entrichten.

Netflix testet in Deutschland ab Oktober, wie Nutzer darauf reagieren, wenn sie ihr Abo nicht mehr über Apple abschließen können

Die Gebühr gilt nicht nur für Spiele-Apps, sondern auch klassische Medienangebote mit Abo-Modell (ab dem zweiten Jahr werden 15 Prozent fällig) wie Netflix. Seit dem Launch der App hat der Streaming-Pionier an den Abgaben nichts bemängelt, doch angesichts des immer stärker  umkämpften Geschäfts – auch Apple tritt bekanntlich in Zukunft verstärkt als Inhalte-Anbieter von Serien und Filmen auf – hat offenbar ein Umdenken begonnen.

Wie TechCrunch berichtet, testet der nach Disney wieder zweitwertvollste Medienkonzern der Welt ab Oktober in gleich 33 Märkten in Europa (darunter Deutschland), Lateinamerika und Asien, wie wiederkehrende oder Neukunden darauf reagieren, wenn sie ein Abo nicht mehr direkt über iTunes abschließen können, sondern auf der Webseite von Netflix ihre Zahlung abwickeln müssen. Bei Netflix-(Neu-) Kunden, die ihr Abo Google Pay verwalten (wollen), läuft der Test bereits seit Mai, berichtet TechCrunch.

Apple und Google drohen erhebliche Umsatzeinbußen

Für Apple und Google könnten Netflix’ Ambitionen nach einem eigenständigen Bezahlverfahren zum Problem werden, rechnet Macquarie-Analyst Ben Schachter in einer Research-Note vor, die Business Insider vorliegt. So könnten Apple jährlich bis zu 16 Milliarden Dollar an Umsätzen durch die Lappen gehen, wenn der Tech-Pionier substanzielle Einbußen bei seinen iTunes-Gebühren hinnehmen muss.

So rechnet Schachter damit, dass Apple im Jahr 2020 bereits 78,6 Milliarden Dollar mit seiner Servicesparte erlösen dürfte – mehr als 20 Milliarden Dollar allein durch App Store-Erlöse auf Basis einer Gebühr von durchschnittlich 27 Prozent. Würde die iTunes-Gebühr – möglicherweise auch auf Druck der Regulierungsbehörden – auf 15 Prozent gesenkt, würden die App Store-Umsätze auf 11,2 Milliarden Dollar einbrechen.

Bei einer Umsatzbeteiligung von nur noch 5 Prozent, blieben dem iKonzern gar nur noch Erlöse in Höhe von 3,7 Milliarden Dollar – mehr als 16 Milliarden Dollar weniger als derzeit, rechnet der Macquarie-Analyst vor. Macht Netflix’ Beispiel Schule, könnten Apple am Ende empfindliche Einbußen in seiner zweitgrößten Konzernsparte drohen, die maßgeblicher Bestandteil der Wachstumsstory in der kommenden Dekade sind.

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