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Chefredakteur Gniffke erklärt nach massiver Kritik: Wieso die “Tagesschau” nicht über den Mord an einem Hausarzt aus Offenburg berichtete

Kai Gniffke ist Chefredakteur von ARD Aktuell und verantwortet die “Tagesschau”
Kai Gniffke ist Chefredakteur von ARD Aktuell und verantwortet die "Tagesschau"

Und wieder dieselbe Debatte wie vor zwei Jahren: Wie bereits nach dem Mord an Maria L. aus Freiburg im Dezember 2016, fegt nun auch nach dem mutmaßlichen Tötungsdelikt an einem 51-jährigen Hausarzt aus Offenburg ein Sturm der Empörung über die “Tagesschau” hinweg, weil die Hauptnachrichten der ARD nicht über die Tat berichteten. Also schnappte sich Chefredakteur Kai Gniffke seinen Computer und erläuterte - zum wiederholten Male - in einem Blogposting, warum die “Tagesschau” zu solchen Fällen schweigt.

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Auslöser der Debatte ist ein Tötungsfall in Offenburg. Ein Mann aus Somalia soll offenbar einen Arzt erstochen haben. Nach dem sich die Nachrichten nicht mit dem Fall beschäftigt hatte, sah sich die Redaktion massiver Kritik ausgesetzt, weil man diese schändliche Tat nicht für berichtenswert halte.

Allen Kritikern antwortet Gniffke:

Wir berichten in der Tagesschau über Dinge von gesellschaftlicher, nationaler oder internationaler Relevanz. Dinge, die für die Mehrzahl der rund 83 Millionen Deutschen von Bedeutung sind. Dabei können wir nicht über jeden Mordfall berichten.

Und weiter:

Wo die Meinungen auseinander gehen, ist die Frage, ob wir darüber berichten sollten, wenn es sich beim Tatverdächtigen um einen Asylbewerber handelt. Aus meiner Sicht sollten wir das dann tun, wenn Asylbewerber überproportional an Tötungsdelikten beteiligt wären. Das ist, soweit wir es recherchieren können, nicht der Fall. Deshalb haben wir uns gegen die Berichterstattung entschieden.

Die Argumentation des Chefredakteurs war dann wiederum ein gefundenes Fressen für Politiker und Fans der AfD und ähnlicher Gruppierungen. Sie konnten Gniffkes Begründung nicht folgen und kommentierten Dinge wie: “GEZ-Gebühren-Junkie #Tagesschau, stellt Euch mal vor, ein Deutscher hätte einen sog. #Flüchtlingvor den Augen dessen 10jähriger Tochter kaltblütig ermordet! Brennpunkt+eine Meldung, die um die Welt geht! Arzt hatte falsche Nationalität! Deutsch!!!”.

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Die MEEDIA-Trending-Auswertung zeigt, dass das Blog-Posting mit über 11.400 Likes, Shares, Reactions, Tweets, Retweets und Kommentaren der journalistische Text mit den meisten Reaktionen am Samstag war.

Die Debatte ist jedoch nicht neu. Bereits im Dezember 2016 sah sich Gniffke zu einer ähnlichen Erklärung gezwungen. Damals hatte sich die “Tagesschau” entscheiden nicht über den Mord an Maria L. aus Freiburg zu berichten. Der Fall der Studentin, die von einem 17-jährigen Afghanen vergewaltigt und ermordet worden war, habe eine “regionale Bedeutung” und entspreche damit nicht den Relevanzkriterien der “Tagesschau”, so die Begründung.

Weiter erklärte der Chefredakteur damals: Grundsätzlich berichte die Nachrichtensendung “nur sehr selten über einzelne Kriminalfälle.” Während sich einige Redaktionen “auf die Berichterstattung über Kriminalfälle spezialisiert haben”, berichte die Tagesschau “über gesellschaftlich, national und international relevante Ergebnisse”, so Gniffke. “Da zählt ein Mordfall nicht dazu.”

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