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Bertelsmann & Co.: Die Auswirkungen der Türkei-Krise auf die deutschen Medienhäuser

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Der Währungsverfall und die hohe Inflationsrate in der Türkei hält viele deutsche Unternehmen in Atem. Betroffen ist hier auch Arvato mit 3.000 Mitarbeitern. Die Bertelsmann-Tochter gilt für Handy-Anbieter als wichtiger Logistikpartner. Auch Hubert Burda ist in der Türkei engagiert. Der Währungsverfall könnte den geplanten Rückzug der Münchener aus dem Joint-Venture mit der türkischen Dogan-Mediengruppe beschleunigen.

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Ende Januar sah die Welt für Soner Cesur, CEO von Arvato Turkey, noch rosig aus. Stolz nimmt der Arvato-Manager vom türkischen Wirtschaftsminister Nihat Zeybekçi in Istanbul einen Preis entgegen. Er zeichnete Arvato mit seinen 3.000 Mitarbeitern als ein Unternehmen aus, das am stärksten in der Türkei wächst. Denn die Bertelsmann-Tochter ist hier ein gewichtiger Logistik-Dienstleister für Handy-Anbieter – gebündelt im Geschäftsfeld SCM. „Der zweitgrößte Exporteur von Dienstleistungen im Bereich Telekommunikation in der Türkei zu sein, ist ein Beleg für unser Engagement und die hohen Standards, mit denen wir Services für unsere Kunden im nahen Ausland erbringen“, erklärte Cesur jüngst.

Doch die Euphorie des Geschäftsmannes dürfte gedämpft sein. Denn die Türkei trudelt stärker in eine schwere Wirtschafts- und Währungskrise. Die Lira ist im freien Fall, die Inflationsrate hoch. Gestern hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Situation noch verschärft. Er kündigte an, US-Elektronikprodukte zu boykottieren. Damit reagierte Erdogan auf US-Präsident Donald Trump, der mit höheren Zöllen auf Stahl die türkische Lira weiter zum Absturz brachte. Die Krise kommt für Arvato höchst ungelegen. Zum einen: Das Unternehmen betreibt in der Türkei Call-Center-Geschäfte (CRM). Davon jedoch will sich derzeit Bertelsmann-Chef Thomas Rabe weltweit komplett – bis auf Frankreich – trennen und sucht bis zum Herbst nach geeigneten Investoren. Zum anderen: der Lira-Crash und die hohen Inflationsraten könnten sich auf den Absatz der Produkte auswirken, die Arvato im Auftrag von Telekom-Anbietern an Endkunden liefert. Dies könnte den Umsatz der türkischen Gesellschaft beeinflussen.

Zudem unterliegen die Gewinne von Arvato Türkei Wechselkurseffekten. Zu deren Auswirkungen will sich ein Bertelsmann-Sprecher nicht äußern, da der Konzern kurz vor der Veröffentlichung der Halbjahres-Bilanz einer Quiet Periode unterliege. Dem Vernehmen nach soll die Türkei aber in der Umsatzstatistik des Medienkonzerns eine eher untergeordnete Rolle spielen und etwaige Effekte hieraus nicht materiell sein. Zudem sei die Strategie der Gütersloher langfristig angelegt und unabhängig von kurzfristigen lokalen Wechselkursschwankungen, heißt es. Und weiter: „Auf das 2013 gestartete SCM-Geschäft von Arvato hat die Abwertung der türkischen Lira praktisch keine Auswirkungen, da die Einheit nur für den lokalen Markt arbeitet“, betont ein Firmensprecher.

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Arvato ist kein Einzelfall in der Türkei. Auch das Münchener Medienunternehmen Hubert Burda trifft die Wirtschaftskrise. Das Unternehmen betreibt mit der großen türkischen Dogan Mediengruppe den Zeitschriftenverlag Dogan Burda. Die Münchener wollen sich seit Längerem aus dem Joint Venture zurückziehen. Jetzt könnte die Wirtschaftskrise den Ausstieg von Burda noch beschleunigen. Es sei ein Prozess im Gange, um das Joint Venture zu beenden, heißt es in unternehmensinternen Kreisen von Burda. Fraglich ist aber, zu welchem Preis die Münchener ihren Anteil loseisen. Ein Sprecher von Burda wollte sich hierzu auf MEEDIA-Anfrage nicht äußern.

Rechtzeitig aus der Dogan Mediengruppe zurückgezogen hatte sich hingegen vor einigen Monaten Axel Springer. Der Berliner Medienkonzern verkaufte seinen Anteil von sieben Prozent an Dogan TV für einen dreistelligen Millionenbetrag. „Wir haben unsere Put-Option im Mai ausgeübt, die vereinbarten 160 Millionen Euro haben wir bereits erhalten“, erklärt eine Springer-Sprecherin auf MEEDIA-Anfrage. Springer war seit 2007 an der Dogan TV Holding beteiligt und hatte hier in den vergangenen Jahren seinen Anteil sukzessive zurückgefahren. Die Dogan Mediengruppe ist die größte der Türkei. Zu ihr gehören die Nachrichtenagentur Dogan News Agency und führende Zeitungen des Landes, wie etwa die Hürriyet, sowie Fernseh- und Rundfunkstationen wie der CNN-Ableger CNN Turk.

Die Wirtschaftskrise in der Türkei trifft rund 6.500 deutsche Firmen. Sie beschäftigen hier rund 120.000 Menschen. Die Gesellschaften stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Sie exportierten im vergangenen Jahr Waren vom Wert von gut 21 Milliarden Euro. „Viele Unternehmen überdenken ihr Engagement“, sagte Holger Bingmann, Präsident des Außenhandelsverbandes, dem ZDF. Der Grund: der Währungsabsturz und hohe Inflationsraten belasten die hiesige Wirtschaft schwer. So verlor die Lira allein am Freitag knapp 20 Prozent. Die Landeswährung setzt damit ihre Talfahrt seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 fort. Zudem bewegt sich die Inflationsrate bei mehr als 15 Prozent.

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