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“Sterbendes Geschäft”: Wirbel um angebliche medienkritische Zitate von Facebook-Topmanagerin

Facebook-Verantwortliche für Medien-Kooperationen Campbell Brown: “Das ist die alte Welt, und es gibt keinen Weg zurück”
Facebook-Verantwortliche für Medien-Kooperationen Campbell Brown: "Das ist die alte Welt, und es gibt keinen Weg zurück"

Die Facebook-Managerin Campbell Brown soll bei einem Meeting in Australien scharfe Worte zum Verhältnis zwischen dem Social Network und Verlagen gefunden haben. Facebook-CEO MArk Zuckerberg seien Verlage egal. Die Zeiten, in denen Facebook Medien Traffic zuführte, seien vorbei und kämen nicht wieder. Die Authentizität der Zitate wird von Facebook bestritten. Die dahintersteckende Lehre für Medien ist aber unabhängig davon wahr.

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Campbell Brown ist Global Head of News Partnerships bei Facebook, also verantwortlich für die Zusammenarbeit des weltgrößten Social Networks mit traditionellen Medien-Unternehmen. Sie ist bereits in der Vergangenheit mit harschen Aussagen gegenüber Verlagen aufgefallen. Auf einer Technik-Konferenz im Februar 2018 erklärte Brown: “Mein Job besteht nicht darin, Verlage glücklich zu machen.” Und: “Menschen kommen nicht wegen der Nachrichten zu Facebook.” Seither ist einiges passiert im Verhältnis zwischen Facebook und Verlagen/Medienhäusern. Das Network hat Veränderungen am Algorithmus vorgenommen, der steuert, welche Inhalte im Newsfeed ausgespielt werden und dabei Medien-Inhalten deutlich zurückgedrängt. Laut Facebook-Chef Mark Zuckerberg geschah dies, um Inhalte von Freunden und Interaktionen größeren Raum zu geben. Für Medienhäuser, die zuvor einen wesentlichen Teil ihrer digitalen Reichweiten von Facebook zugeführt bekamen, war der Schritt ein böses Erwachen.

Nun berichtet das australische Magazin The Australien von einer Sitzung, bei der Campbell Brown sehr drastisch über Medien gesprochen haben soll (Paywall-Link). Brown selbst bestreitet, die Zitate so gesagt zu haben: “These quotes are simply not accurate and don’t reflect the discussion we had in the meeting. We know there’s much more to do, but our goal at Facebook – what the team works on every day with publishers and reporters around the world – is to help journalism succeed and thrive, both on our platform and off. That means a new focus on building sustainable business models, and that’s what the discussion was about.” Laut einer Veröffentlichung bei Nieman Lab hat The Australien aber mehrere Zeugen, die die Echtheit der Zitate bestätigen. Demnach soll Brown gesagt haben:

Mark (Zuckerberg) doesn’t care about publishers but is giving me a lot of leeway and concessions to make these changes.

(…)

We will help you revitalise journalism … in a few years the ­reverse looks like I’ll be holding your hands with your dying ­business like in a hospice.

Im ersten Satz erklärt sie, dass sich der Facebook-CEO nicht um Verlage scheren würde. In der zweiten Aussage steckt eine unverhohlene Drohung. Facebook würde helfen, den Journalismus zu revitalisieren. Wer dabei nicht folgt, würde sich in ein paar Jahren in einem “sterbenden Geschäft” wiederfinden, mit Frau Brown, die einem die Hand beim Sterben hält wie in einem Hospiz.

Ein weiterer Hammer-Satz, den Brown angeblich gesagt haben soll:

We are not interested in talking to you about your traffic and referrals any more. That is the old world and there is no going back.

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Mit anderen Worten: Die Zeiten, in denen Facebook für Traffic auf Verlags-Webseiten gesorgt hat, sind unwiederbringlich vorbei. Martin Giesler schreibt im Social Media Watchblog zu den angeblichen Aussagen Browns:

Wer seine Inhalte direkt auf Facebook erlebbar macht, in Form von Grafiken, Fotos, Slideshows oder Videos, darf in Facebook wohl auch künftig einen Partner sehen (jedenfalls dann, wenn er das gegenfinanziert bekommt). Wer allerdings weiterhin primär darauf setzt, nur seine Inhalte via Facebook zu verteilen, um die Ernte dann auf der eigenen Website einzufahren, dürfte einer von eben jenen Hospiz-Patienten sein, denen Campbell Brown das Händchen halten soll.

Der Referral-Traffic ist dabei nicht zu verwechseln mit Distributed Content. Letzteres meint Inhalte, die Medien direkt innerhalb des Facebook-Ökosystems hosten lassen, also etwa Videos oder auch Instant Articles. Gerade bei Distributed Content sind Medienhäuser bei Facebook aber in der Vergangenheit enttäuscht worden, was die Monetarisierungsmöglichkeiten betrifft. Darum haben sich auch namhafte Medien, wie die New York Times oder in Deutschland die Welt, aus Instant Articles wieder zurückgezogen. Publisher haben derzeit also praktisch zwei Möglichkeiten: Entweder sie nutzen Facebook weiter als Plattform für Distributed Content, erreichen damit möglicherweise auch nach wie vor ein großes Publikum, haben aber unbefriedigende Möglichkeiten der Kundenbindung und Monetarisierung. Oder aber sie akzeptieren, dass der Traffic-Strom von Facebook auf ihre Websites weiter sinkt und eventuell irgendwann ganz versiegt.

So oder so: Die Lehre, dass Medienhäuser ihr Schicksal nicht von externen Plattformen abhängig machen sollten, gilt schon länger. Und diese Lehre ist richtig, unabhängig davon, ob die Zitate von Campbell Brown authentisch sind oder nicht.

Update: Der Text wurde um eine wörtliche Stellungnahme von Campbell Brown ergänzt.

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Alle Kommentare

  1. Kackfrech wie Marc Zuckerberg sage ich:

    “Eine gute Zeitung sollte zuerst einen SOS-Button haben! ”

    Und:
    “Zeitungen, die ohne EU-weite Ausschreibung einfach Social-Media-Touchpoints auf den Titelseiten platzieren, verletzen den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union!”

    1. Sicher?
      Das gleiche Zitat wird auch dem Medienprofi Dr. J. Goebbels zugesprochen.

      Ändert aber im Prinzip nichts an der Aussage.

  2. Diese Jammerlappen von “Qualitätsmedien” haben nicht verstanden, dass Facebook nicht das Ziel und den Zweck hat, diese Feinde der Menschheit bei ihrer Umsatzsteigerung zu unterstützen. Wer als Verlag oder Zeitung auf Facebook schimpft, hat am Markt offensichtlich genug Absatzschwierigkeiten und sollte anfangen sich nach anderen Betätigungsfeldern umzusehen, anstatt auf Zuckerbergs zu schimpfen.

    1. Das gleiche Spiel läuft doch hier gerade zwischen ÖR und Linksprinter.

      Wie schon woanders gesagt:
      Wenn der Okawango trockenfällt und die Tümpel austrocknen, beißen sich die verbliebenen Krokodile gegenseitig in den Schwanz.

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