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“Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende” – taz-Mitbegründer Ruch bereitet Mitglieder auf radikalen Wandel vor

Der taz-Mitbegründer Karl-Heinz Ruch bereitet seine Mitglieder auf das Ende der Printausgabe vor
Der taz-Mitbegründer Karl-Heinz Ruch bereitet seine Mitglieder auf das Ende der Printausgabe vor

Die Printausgabe der taz kommt aus den Auflage-Verlusten nicht heraus. Und die Online-Angebote der Zeitung können die Verluste kaum ausgleichen. taz-Mitbegründer Karl-Heinz Ruch denkt daher laut über das Ende der gedruckten Ausgabe nach. In einer Mitgliederinfo bereitet er seine Genossen auf einen anstehenden Umschwung vor.

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Es war eines der spannendsten Dokumente im Journalismus der vergangenen Jahre: der taz-Innovationsreport 2021. Eine schonungslose Abrechnung mit der schwierigen Lage der Branche im Allgemeinen und den Problemen der taz im Speziellen. Der Tenor: Wenn die taz nichts tut, um sich in Zukunft finanzieren zu können, gehen dem links-alternativen Blatt bis 2021 die finanziellen Mittel aus, um den Betrieb im bisherigen Maß aufrecht zu erhalten. Der Grund sind wegbrechende Einnahmen durch sinkende Zahlen bei den Print-Abos, die durch Wochenend- und E-Paper-Abos nicht kompensiert werden können.

“Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende”

Ein Problem, mit dem sich der Geschäftsführer der taz, Karl-Heinz Ruch, nun an die Genossen der Zeitung wendet. Ruch denkt in einer Mitgliederinfo laut über die Abschaffung der Print-Ausgabe der taz nach: “Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende, der Journalismus lebt im Netz weiter”, schreibt Ruch, der seit über 40 Jahren die Geschicke der linken Zeitung leitet. Er bereitet seine Mitglieder darauf vor, dass “der tägliche Druck und Vertrieb der Papier-taz bald nicht mehr möglich sein könnte”. Die Akzeptanz dieser Tatsache wird, so Ruch, “die Antwort auf die Fragen nach der Zukunft jedes Einzelnen, jeder Abteilung oder jedes Ressorts in der taz leichter machen und Ängste nehmen”.

Insbesondere ruft der taz-Mitbegründer die Leser der Zeitung auf, “neue Gewohnheiten entwickeln zu müssen, wenn die taz unter der Woche nicht mehr morgens im Briefkasten, sondern als elektronisches Dokument im E-Paper oder im Internet auf taz.de jederzeit erreichbar ist”. Ruch scheint seine Leserschaft zu kennen und weiß, dass es schwer sein wird, beim Sprung ins Digitale alle Leser der Tageszeitung mitzunehmen. Auch deshalb will die taz Mitglieder auf diesem Weg einbeziehen. Sie können per Mail Ideen für den Übergang an die taz senden.

In der Tat hat die taz ein ernsthaftes Problem. Die Print-Verkäufe sinken laut IVW-Zahlen seit vergangenem Jahr kontinuierlich, pro Quartal um etwa zwei Prozent. Und das, obwohl das E-Paper bereits in die Zahlen eingerechnet ist.

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All das wäre nicht so schlimm, wenn die Zeitung online gut aufgestellt wäre. Dort setzt die taz auf ein freiwilliges Bezahlmodell “taz zahl ich”. Das ist zwar in der Vergangenheit gut gewachsen, doch die Dynamik zeigt eine gewisse Schwäche. Denn die Online-Reichweite der taz ist laut dem hauseigenen Report gesunken: “Die Seiten von Tagesspiegel, FAZ, Morgenpost oder Zeit haben im gleichen Zeitraum zugelegt. Wir spielen laut AGOF-Zahlen vom Dezember 2017 mittlerweile bei Desktop-Klicks von der Reichweite her in einer Liga mit der Heilbronner Stimme und Hallo-Eltern.de.” Aktuelle AGOF-Zahlen bestätigen diesen Eindruck.

Dass sich Journalismus im Netz noch nicht ausreichend monetisieren lässt, ist kein exklusives Problem der taz. Die sinkenden Online-Reichweiten aber sind sehr bedenklich.

Steiniger Weg ins Digitale

Die taz hat über viele Jahre hinweg die Digitalisierung vertrödelt, obwohl Ruch bereits 2011 erkannte, dass es in zehn Jahren unter der Woche keine gedruckte taz mehr geben werde und es deshalb einen Fokus auf die Wochenendausgabe und die taz im Netz geben müsse. Intern scheint dieser Eindruck nun langsam angekommen zu sein. Mit der Einstellung der täglichen Printausgabe würden der Zeitung zwar wichtige Umsätze entgehen, jedoch entfallen auch die Kosten für Produktion und Vertrieb. Offen bleibt, wie die taz den Wegfall der gedruckten Zeitung finanzieren will.

Intern scheint das Haus jedenfalls Kräfte in Bewegung zu setzen, um die Digitalisierung voranzutreiben und Rückstände aufzuholen. Seit vergangenem Jahr steht die mobile Webseite der taz. Auch die Nachrichten und Themenchefs sollen im Redaktionsablauf nicht mehr nur an die Zeitung denken, sondern auch daran, was online publiziert wird. An einem grundsätzlichen Online-Konzept inklusive angepasstem E-Paper für das Smartphone soll die taz derzeit arbeiten, betont die Chefredaktion in der Mitgliederinfo. Dass dies dauert und mit enormen Anstrengungen verbunden ist, gesteht sie im gleichem Atemzug ein. Die Zeit wird zeigen, ob die Tageszeitung diesem Umschwung gewachsen ist.

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