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Ein Tänzchen in Ehren… wie Medien Cherno Jobateys EM-Rauswurf zur ZDF-Story machen

Da war die Stimmung noch gut: Cherno Jobatey (r.) auf einem PR-Foto im Vorfeld der Leichathletik-EM in Berlin

Wer die Bild-Meldung über den Rauswurf von Cherno Jobatey als Moderator bei der gerade zu Ende gegangenen Leuchtathletik-EM in Berlin liest, kann den Eindruck gewinnen, dass es hier um einen TV-Skandal geht. Dabei hat Jobatey eigentlich nur seinen Job gemacht.

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„Krach um Siegerehrungen – Jobatey als Moderator bei Leichtathletik-EM gefeuert„, schlagzeilte die Bild in ihrer Online-Ausgabe. Wer den Artikel liest, kann leicht den Eindruck gewinnen, Jobatey habe sich hier als ZDF-Moderator einen veritablen Fettnapftritt geleistet. Er sei „jemandem gehörig auf die Füße getreten…“ beginnt der Text. Und weiter: „ZDF-Mann Cherno Jobatey (57) wurde über Nacht als Moderator der Siegerehrungen bei der Leichtathletik-EM in Berlin gefeuert.“

Stein des Anstoßes: Jobatey hatte in seiner Funktion als Moderator vor den offiziellen Siegerehrungen den Job, auf dem Berliner Breitscheidplatz die Stimmung anzuheizen. Seine Managerin Elisabeth Gottmann zu MEEDIA: „Ich war in Verhandlungen mit den EM-Verantwortlichen. Es ging darum, dass der Breitscheidplatz im Vorfeld der Medaillenvergabe bespaßt wird. Nach diesem Teil sollte dann die Medaillenzeremonie folgen.“ Jobatey forderte am vergangenen Donnerstag die Silbermedaillengewinnerin des 100-Meter-Sprints der Frauen, Gina Lückenkemper, zu einem Tänzchen auf und animierte das Publikum, mitzumachen bei dem „Ehrentanz“. Jobatey rappte zu der kurzen Tanzeinlage ein bisschen ins Mikrofon, das war’s. Man kann das unbeholfen finden und ein wenig peinlich oder aber originell und spaßig – je nach Laune und Naturell. Dass der „Fernsehschmunzler“ (Zeit) Cherno Jobatey einer ist, der solche Späße macht, ist aber nicht ganz unbekannt.

Laut Bild-Zeitung hat die Spaß-Einlage dem neu hinzugekommenen Programmdirektor der EM, René Hiepen, nicht gefallen, Jobatey soll Knall auf Fall gefeuert worden sein und kam schon freitags dann nicht mehr zum Einsatz. Seine Managerin: „Den Veranstaltern war es nun doch zu viel Entertainment.“

Dass Hiepen als Programmdirektor der EM fungiert und nichts mit dem ZDF zu tun hat, lässt die Bild unerwähnt. Wer den Artikel liest, kann den Eindruck gewinnen, es gehe hier um einen Streit zwischen dem ZDF und Jobatey. Auch wenn dies nirgends explizit so behauptet wird. Der Moderator hat früher lange das ZDF-„Morgenmagazin“ präsentiert. Mittlerweile macht er für das „MoMa“ noch die Reihe „Unterwegs mit…“, bei der er Politiker begleitet. Gottmann dazu: „Das hat gar nichts mit dem ZDF zu tun, sondern mit seiner Tätigkeit als Moderator. Es handelte sich um ein privates Engagement als Moderator und Musiker.“

Zahlreiche Medien übernahmen den Spin der Bild, dass hier ein „ZDF-Moderator“ gefeuert wurde. Der Name des Senders wird hier augenscheinlich genutzt, um der Geschichte eine gewisse Brisanz zu verleihen, die sie eigentlich nicht hat.

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