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Die Rückkehr der Raketenmänner: Warum Rocket Internet plötzlich an der Börse durchstartet

Reitet wieder den Börsenbullen: Rocket Internet-CEO Oliver Samwer
Reitet wieder den Börsenbullen: Rocket Internet-CEO Oliver Samwer

Es war ein jahrelanges Trauerspiel. 2014 ging Rocket Internet mit hochfliegenden Hoffnungen an die Börse. CEO Oliver Samwer verkündete selbstbewusst, er strebe nach deutschen Weltkonzernen wie Siemens oder BMW, doch in der rauen Börsenrealität stürzte die Internet-Beteiligungsgesellschaft tiefer und tiefer ab. 2018 folgt nun die mirakulöse Trendwende.

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Die Vorschusslorbeeren waren riesengroß.  Wie kaum ein zweites Internet-Unternehmen seit dem Börsengang von T-Online im Jahr 2000 wurde Rocket Internet vor knapp vier Jahren mit hochfliegenden Hoffnungen bedacht. Als die Internet-Beteiligungsgesellschaft der Samwer-Brüder  am 2. Oktober 2014 zum Ausgabepreis von 42,50 Euro an den Markt drängte (der IPO wurde nach dem Hype um den Alibaba-Börsengang um eine Woche vorgezogen), war Rocket Internet aus dem Stand knapp sieben Milliarden Euro wert – eine stolze Summe für ein Beteiligungsunternehmen an Start-ups, die bis dato fast ausschließlich Verluste schrieben.

In der Spitze kratzte das Internet-Konglomerat zu Allzeithochs sogar an der Bewertungsschwelle von 10 Milliarden Euro – dabei war das IPO vom ersten Handelstag an ein Börsenschnellschuss mit vielen Fragezeichen. Viel ist in den folgenden drei Jahren passiert – doch für Rocket Internet-Aktionäre wenig Gutes. Bis auf 15 Euro wurde das Papier im Frühjahr 2017 heruntergeprügelt – in der Spitze hatte die Rocket-Aktie fast 75 Prozent von den Höchstkursen bzw.  zwei Drittel vom Ausgabekurs verloren.

Kursverdopplung seit 2017

Dass die Rocket Internet-Aktie kein einfaches – und vor allem kein einfach zu verstehendes – Investment sein würde, wurde Anlegern schnell klar. Mal mussten die Samwers die Börse mit einer Kapitalerhöhung für frisches Geld anzapfen, mal wurde der sicher geglaubte Börsengang einer der größten Beteiligungen vom eigenen Investor Kinnevik in letzter Minute gestoppt, mal pulverisierten Wertberichtigungen bei den zahlreichen Beteiligungen den Aktienkurs.

Doch seit Jahresbeginn ist eine Trendwende zu erkennen, die das MDax-Mitglied mit einem Kurszuwachs von 42 Prozent – den Löwenanteil davon in den letzten drei Monaten – zu einer der heißesten deutschen Internetaktien des Jahres macht. Mehr noch: Seit den Tiefstkursen im vergangenen Jahr hat sich das Papier mal eben verdoppelt und notiert bei Kursen jenseits der 30 Euro-Marke auf dem höchsten Stand seit fast drei Jahren.

Börsengänge von Delivery Hero und HelloFresh geben Rocket Auftrieb

Wie ist der fast mirakulöse Börsenhöhenflug des jahrelangen Underperformers zu erklären? Zum einen mit dem ersten Nachweis der Profitabilität, den Rocket Internet Ende Mai mit seiner Quartalsbilanz lieferte. Vor allem jedoch mit drei Unternehmen: Delivery Hero, HelloFresh und Home24. Nach Jahren in der Warteschleife gelangen den drei Rocket Internet-Beteiligungen im vergangenen Jahr Börsengänge, die sich weitaus besser entwickelten als erwartet.

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Der Essenslieferdienst Delivery Hero hat sich ein Jahr nach dem IPO fast verdoppelt, und auch der Kochbox-Versender kann Aktionäre neun Monate nach dem Going Public Kursgewinne von über 40 Prozent präsentieren. Home24, das im Juni an der Börse debütierte, notiert ebenfalls weiter zweistellig über dem Ausgabekurs.

Auch Westwing soll noch dieses Jahr an die Börse

Rocket Internet profitiert als Großaktionär von dem erfolgreichen Start der Börsenneulinge gleich dreimal im ganz großen Stil: An Delivery Hero ist Rocket Internet mit 9 Prozent, an Home24 mit 30 Prozent und an HelloFresh sogar mit 36 Prozent beteiligt. Tatsächlich entspricht allein der Wert der Beteiligungen Rockets Marktkapitalisierung von 4,6 Milliarden Euro.

In anderen Worten: Anleger lassen damit die anderen Unternehmensbeteiligungen wie an der Global Fashion Group, Jumia oder WestWing außer Acht. Wie Reuters gestern berichtet, strebt der Münchner Möbelversender als nächste Rocket-Beteiligung bis Jahresende zu einer Bewertung von 400 bis 450 Millionen Euro ebenfalls noch an die Börse.

Oliver Samwer kaufte im Juli nochmals massiv eigene Aktien nach

Entsprechend sehen die Banken weiteres Aufwärtspotenzial. Sowohl die Deutsche Bank als auch JP Morgan raten Anlegern dazu, die Aktie mit einem Kursziel von 32 bzw. 33 Euro zu kaufen bzw. überzugewichten, während die Berenberg Bank gar ein sattes Kursziel von 54 Euro aufruft.

Zunächst einmal müssen die Berliner allerdings ihren Ausgabekurs von 42,50 wieder erreichen, auf den Aktionäre seit knapp vier Jahren warten. Dass CEO Oliver Samwer daran offenbar fest glaubt, machten Mitte Juli publik gewordene Insiderkäufe deutlich: Zu Kursen von 29 Euro kaufte der 46-Jährige nochmals Rocket Internet-Anteilsscheine im Wert von 29 Millionen Euro nach. Es war die dritte Tranche an eigenen Aktien, die Samwer seit Dezember vergangenen Jahres erworben hat.

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