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Die Fakten und die Toten: Wie Tichys Einblick mit einer abstrusen Zahl über ertrunkene Flüchtlinge Stimmung macht

Medienmacher Roland Tichy, Artikel zu Todeszahlen im Mittelmeer bei Tichys Einblick
Medienmacher Roland Tichy, Artikel zu Todeszahlen im Mittelmeer bei Tichys Einblick

Das Thema private Seenotrettung und die Todes- und Vermisstenfälle im Mittelmeer ist komplex und emotional aufgeladen. Nicht erst seit der Debatte um das Pro&Contra in der Zeit. Umso mehr sollten Medien verantwortlich mit dem Thema umgehen. Ein Beispiel, wie man mit mindestens verwirrender Interpretation einer Statistik potenziell Schaden anrichten kann, lieferte jetzt die Website Tichys Einblick.

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Der Artikel, um den es hier geht trägt die Überschrift “Private ‘Seenotretter’ in Erklärungsnot: Weniger Tote auf dem Mittelmeer” und stammt von Alexander Wallasch, Autor bei Tichys Einblick. Oben drüber stand mal “Licht ins Dunkel”, ein selbst formulierter Anspruch, dem der Text nicht gerecht wird. Wallasch stellt die These auf, dass es einen “möglichen Trend” gibt, dass durch das momentan faktische Ausbleiben der privaten Seenotrettung (die Schiffe der NGOs sind größtenteils festgesetzt und können wenn überhaupt nur noch sehr eingeschränkt operieren) weniger Menschen bei Fluchtversuchen im Mittelmeer sterben als zum Zeitpunkt, als die Seenotretter noch aktiv waren. Er stellt hier einen möglichen Kausal-Zusammenhang zwischen dem Fortbleiben der NGO-Schiffe und sinkenden Todeszahlen her.

Das ist eine gewagte Schlussfolgerung, um das Mindeste zu sagen. In zahlreichen Medien war zuletzt zu lesen, dass zwar die Zahl an Fluchtversuchen über das Mittelmeer deutlich zurückgeht, die Anzahl der Todes- und Vermisstenfälle aber prozentual deutlich höher liegt als zuvor. Will heißen: Weniger Menschen unternehmen den gefährlichen Fluchtversuch über das Mittelmeer. Von denen, die es trotzdem wagen, sterben aber mehr als früher.

Wallasch dagegen entwirft bei Tichys Einblick ein Szenario, bei dem die Seenotretter “schuld” an der Zahl der Ertrunkenen sein könnten. Zitat:

Es geht um Schuld. Um einen ungeheuren Vorwurf, der sich jetzt leider bewahrheiten könnte: Weniger NGO-Tätigkeiten, weniger Tote auf dem Mittelmeer. Und wer hier bisher den Nichtregierungsorganisationen das Wort geredet hat, von genannten und weiteren Leitmedien mehr bis beispielsweise zur evangelischen Kirche Deutschland, die das Geschäft der „Seenotretter“ querfinanziert hat, der wird sich jetzt erklären müssen.

Wie kommt der Einblick-Autor Wallasch auf diese Sichtweise, die den allermeisten Medienmeldungen zum Thema diametral entgegensteht? Er nannte zwei Quellen, das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) und die International Organisation for Migration (IOM): “Vertraut man den Meldungen des UNHCR und des IOM, scheint sich abzuzeichnen: Die Zahl der Ertrunkenen ist schon in der zweiten Julihälfte signifikant gesunken.”

Nun war bei einer Web-Recherche beim besten Willen keine Meldung des UNHCR zu finden, die besagen würde, die Zahl der Ertrunkenen sei “in der zweiten Julihälfte” signifikant gesunken. Was sich dagegen finden lässt, ist eine Meldung des UNHCR, die “Alarm schlägt”, dass die Zahl der Toten im Mittelmeer bis Juli die Marke von 1.500 überschritten hat. Die Mittelmeer-Überfahrt wird vom UNHCR in dieser Meldung als “tödlichste See-Route der Welt” bezeichnet. So ziemlich das Gegenteil von dem, was bei Tichys Einblick steht. Das Absinken der Todesfälle, auf das Wallasch Bezug nimmt, findet sich allerdings in den Statistiken des IOM. Hier ist die Zahl der registrierten Toten von Juni 2018 (629 Fälle) auf Juli 2018 (222 Fälle) tatsächlich gesunken. Aber auch nur, weil es im Juni einen außergewöhnlichen Ausreißer nach oben gegeben hat. Bezieht man die Monate zuvor in die Betrachtung mit ein, so zeigt sich, dass die Zahl der Todesfälle vor Juni, als die Seenotretter noch aktiver waren, wesentlich niedriger lag.

Quelle: IOM

Es ist möglich, dass der Ausreißer bei der Zahl der Todesfälle nach oben im Juni mit der de facto-Einstellung der Seenotrettung zusammenhing. Möglich auch, dass sich im Juli dann weniger Menschen auf den Weg machten und darum die Zahl der Todesfälle wieder sank. Aber die Opferzahlen waren im Juli immer noch viel höher, als in den Vormonaten (mit Ausnahme Januar). Diese Zahlen sprechen eben nicht dafür, dass weniger Seenotrettung weniger Tote bedeutet, wie Wallasch insinuiert, sondern das genaue Gegenteil lässt sich aus den Zahlen lesen. Die Lesart “weniger Seenotrettung = weniger Tote” lässt sich nur aufrecht erhalten, wenn man den Blick ausschließlich auf Juni und Juli 2018 richtet und alles andere ausblendet. Aber warum sollte man dies tun? Einen “möglichen Trend” abzuleiten, indem man ein einzelnes Sonder-Ereignis herausgreift und zum Maßstab macht (die ungewöhnlich hohen Opferzahlen im Juni 2018) ist ein unseriöses und manipulatives Vorgehen beim Auswerten einer Statistik.

Auf Nachfrage, warum er sich in seinem Artikel ausschließlich auf die Juli-Zahlen 2018 bezieht, teilt Alexander Wallasch mit:

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Der IOM berichtet von einem signifikanten Rückgang der Sterbe- und Vermisstenzahlen von Juni auf Juli 2018. TE (Tichys Einblick, Anm.d.Red.) fragt also: „Sollte sich dieser Trend nun in den kommenden Monaten verfestigen, (…) wie wollen die an diesen „Seenotrettungen“ beteiligten Akteure ihre bisherigen Tätigkeiten rechtfertigen, die eben das verhindern wollten, was sie möglicherweise befördert haben?“

Nun ergeben die Meldungen des IOM, dass in den ersten sieben Monaten in 2017 2409 Tote und Vermisste gezählt wurden dem gegenüber in 2018 im selben Zeitraum 1514 Tote gezählt wurden. Nun hat die Phase des vorläufigen Rückzuges der NGO-Schiffe in letzterem Zeitraum stattgefunden.

Die kumulierten Zahlen der ersten sieben Monate im Vergleich von 2017 auf 2018, die er in seiner Stellungnahme anspricht, erwähnt Wallasch in seinem Artikel gar nicht. Doch auch wenn man diese Zahlen anschaut, ergibt sich ein eindeutiges Bild. Die Zahl der Flüchtlinge, die übers Mittelmeer kamen, ist in diesem Zeitraum deutlich gesunken. 2017 registrierte die IOM von Januar bis Juli 115.796 Ankünfte. Von Januar bis Juli 2018 waren es 57.936 Ankünfte. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Todes- und Vermisstenfälle weniger deutlich von 2.409 auf 1.514 Opfer. Es gilt, wie bereits festgehalten: Weniger Flüchtlinge kommen übers Mittelmeer. Von denen, die die Überfahrt versuchen, sterben prozentual mehr als zuvor. Dass man die Zahl der Toten in Relation zu der Zahl der Überfahrten insgesamt bewerten muss, lässt Wallasch einfach weg.

Aus diesen Zahlen einen “möglichen Trend” herauszulesen, die Zahl der Toten sei wegen des Rückzugs der Seenotretter gesunken, erscheint abenteuerlich. Unter dem Artikel gab es bis kurz vor dieser Veröffentlichung 125 Kommentare. Einige fragten nach Belegen für die Behauptungen, viele gratulierten Alexander Wallasch zu seiner “Recherche”. Nach der Anfrage von MEEDIA wurde der Artikel unter einer neuen Web-Adresse von Tichys Einblick mit Ergänzungen versehen und neu publiziert. Es wurden nunmehr Verlinkungen hinzugefügt und folgende Passage ergänzt:

Jeder Ertrunkene ist zu viel. Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu betrachten: Es ist ein sehr kurzer Zeitraum, ein einziger Vorfall kann diesen „Trend“ ins Gegenteil verkehren. Auch wäre zu berücksichtigen, wieviele Menschen die Reise nach Europa antreten. Zahlen dazu liegen uns nicht vor.

Auch wurde die offenbar falsche Behauptung, die Todeszahlen seien in der “zweiten Julihälfte” gesunken korrigiert (das IOM gibt nur Zahlen für den ganzen Monat heraus). Aus der Dachzeile “Licht ins Dunkel” wurde “Grausame Zahlen” gemacht. So schnell geht’s.

Die Debatte über die Rolle privater Rettungsorganisationen ist richtig und wichtig. Die Diskussion sollte aber auf Basis von Fakten geführt werden. Der hier besprochene Einblick-Text wirft – vor allem in seiner ursprünglichen Fassung – ein Schlaglicht darauf, wie man mit der Interpretation von Statistiken Stimmungen erzeugen kann. Hier gegen NGOs und so genannte Mainstream-Medien. Ob diese Stimmungsmache absichtsvoll oder aufgrund von Fehlern geschieht, sei dahingestellt.

Der Einblick-Autor beschließt seinen Artikel mit den Worten:

Diese privaten Organisationen werden erklären müssen, wie es passieren konnte, dass sie sich so lange und so vehement Kausalitäten gegenüber verschließen konnten, die zu begreifen, keiner besonderen Denksportaufgabe bedurfte.

Die entsprechende Statistik halbwegs korrekt zu interpretieren, wäre indes auch keine besondere Denksportaufgabe gewesen.

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Alle Kommentare

  1. >Das Thema private Seenotrettung und die Todes- und Vermisstenfälle im Mittelmeer ist komplex und emotional aufgeladen.

    Das Thema ist nicht komplex sondern sehr simpel, Migranten versuchen die 12 Meilen Zonte zu überfahren und verlassen sich hier auf die Abholung durch NGOs.

    Wobei sich sie Schlepper und Migranten nicht blind auf die NGOs verlassen, sondern vorher via AIS Internetseiten nachsehen wo sich die Boote befinden.

    Wenn keine NGO Boote unterwegs sind, wie aktuell, dann werden keine Migranten losgeschickt und keiner ertrinkt.

    Versteht jeder 10-Jährige, nur nicht deutsche Mainstream-Journalisten.

    1. Jeder 10-Jährige versteht auch, dass es Brände nur gibt, weil es die Feuerwehr gibt. Deshalb zündeln sie auch so viel.

      1. Lieber Šuhaj,

        Brände entstehen, weil z.B.
        – ein technischer Defekt vorliegt, oder
        – ein böser Mensch Spaß am Brände legen hat, oder
        – ein natürliches Ereigniß vorliegt.

        Nichts davon orientiert sich daran, ob eine Feuerwehr “zur Rettung” bereit steht.

        Daher, meine bescheidene Meinung, Ihr Vergleich ist unbrauchbar. :-/

      2. Dann drücke ich mich mal anders aus: Klaus (und alle anderen hier) ist der Meinung, dass es Flüchtlinge nur gibt, weil es Seenotretter gibt. Das ist wie zu glauben, dass es Brände nur gibt, weil es die Feuerwehr gibt.

        Besser verständlich? Kleiner Tipp: Um das zu verstehen, braucht es keine Brandursachenforschung!

      3. @Šuhaj

        Auch sie verstehen das, wie gesagt, das Thema ist alles andere als komplex.

        “Komplex” ist die grosse Lüge unserer Zeit !

        Salvini zeigt allen, die Lösungen der Rechtspopulisten sind einfach und wirken.

      4. Vielleicht ist unser Suhaj ja Schüsselschrubber auf einem Schlepperschiff und deshalb ein bisschen begriffsstutzig?

        Das Problem der Asylindustrie und ihrer Vorfeldorganisationen:

        “It is difficult to get a man to understand something, when his salary depends on his not understanding it. (Upton Sinclair)

  2. Sophismus von deutschen Hypermoralisten. Eigentlich ist es doch ganz einfach. Was interessiert uns denn wirklich? Der Prozentanteil der toten Migranten? Oder die absolute Zahl?

    Die italienische Strategie verringert die Anzahl der Toten, und darauf kommt es an.

    Die argumentativen Verrenkungen der deutschen Linksjournalisten werden immer amüsanter. Aber wie heißt es so schön: “Der hier besprochene Text wirft ein Schlaglicht darauf, wie man mit der Interpretation von Statistiken Stimmungen erzeugen kann.” 😉

  3. In den letzten 16 Tagen sind nach UN Angaben 36 Menschen beim Versuch Europa zu erreichen ertrunken.

    In Relation:

    “Jährlich ertrinken weltweit 372 000 Menschen, wobei über 90% dieser Todesfälle auf die Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommen entfallen. In der Europäischen Region der WHO kommen jährlich etwa 37 000 Menschen durch Ertrinken ums Leben”

  4. Eine weitere Frage wird von keiner der “Parteien” benannt: Die libysche Küstenwache rettet ebenfalls Flüchtlinge, bringt sie aber an die Küste zurück, von der sie abgefahren sind und zerstört die Schlepper-Boote. Auch dieses “Detail” spricht sich sehr schnell herum. Das Beispiel Australien, die rigoros angekündigt hatten, dass kein Boot das Land erreichen wird, zeigt noch deutlicher, dass klare Ansagen auch klar verstanden werden.. Dass nun Spanien die Anlaufadresse ist – nach einem Regierungswechsel mit anderen Signalen – zeigt doch genauso glasklar, dass sich Schlepper an den “Strand” begeben, an dem sich die abgezockten Migeranten hoffnungsvoll in die Boote setzen, weil sie gerettet und aufgenommen werden. Den Schleppern ist der mögliche Tod der Menschen total egal. Insofern stimmt die These doch: Wenn die Staaten klar signalisieren, dass es so oder so sinnlos ist, sich in Boote zu setzen, gibt es weniger Tote. Oder gibt es anders lautende Meldungen aus Australien? Klingt ganz einfach oder?!

    1. (ANSA) – Rome, June 27 – Interior Minister Matteo Salvini said Wednesday that Italy is set to donate 12 patrol boats to Libya to help the north African country’s coast guard combat human trafficking. “Today, time permitting, in the cabinet we will donate 12 patrol boats to Libya with the related crew training so they can continue to protect lives in the Mediterranean,” Salvini told a question time session in parliament.

      ———

      Nur Verschwörungstheoretiker glauben an vorsätzlich unterlassener Hilfeleistung der EU in dieser Sache.

  5. Äusserungen wie die des Herrn Winterbauer nähren das Vorteil, Journalisten quatschten dummes Zeug

    1. Meine Rede, alles Nazis ausser Mutti! Ach ja, das Bsp. Australien zeigt, wie die Anzahl der Ertrunkenen auf 0 (i. W. null) reduziert werden könnte.

      1. Das Dumme ist nur, dass die Geisterfahrer hier inzwischen vollkommen die Mehrheit übernommen und damit sämtliche Verkehrsregeln außer Kraft haben.

  6. Dass die Toten-Anzahl in der zweiten Juli-Hälfte quasi auf Null gesunken ist, haben in den letzten Tagen mehrere Medien berichtet.

    Der Fehler scheint darin zu liegen, dass Tichys Einblick offenbar UNHCR und IOM als Quelle nennt – während es in Wahrheit wohl diese Twitter-Beiträge von Matteo Villa vom ISPI waren:
    https://twitter.com/emmevilla/status/1024930322322997249
    Diese Tweets werden jedenfalls in den meisten Medien als Quelle genannt; hier ist tatsächlich ganz konkret von der zweiten Juli-Hälfte die Rede. Zu beachten ist allerdings auch, dass es bei den von Matteo Villa veröffentlichten Daten exklusiv um die zentrale Mittelmeerroute von Libyen nach Italien geht.

    In den Grafiken und den verlinkten Spreadsheets mit den Daten werden als Quellen (neben dem ISPI) IOM und UNHCR genannt – daher wohl die irreführende Behauptung auf Tichys Einblick, diese Daten würden von IOM und UNHCR stammen.

    Die auch von anderen Medien vielfach verbreitete Behauptung, der Anteil der Toten und Vermissten wäre zuletzt stark gestiegen, ist allerdings auch extrem irreführend:
    Tatsächlich ist die Anzahl der Toten vier Monate in Folge gesunken, auf einen äusserst geringen Wert (von März bis Juni zusammen insgesamt weniger als 60 Tote); lediglich im Juni kam es zu einem heftigen Ausreisser nach oben, seitdem geht es wieder rasant nach unten.

    Anyway, die gute Nachricht ist: Das Sterben im Mittelmeer ist jetzt weitgehend vorüber, weil die zentrale Mittelmeerroute jetzt de facto zu ist. Und die aktuelle Fluchtroute über die Strasse von Gibraltar ist einfach zu kurz und ungefährlich – da kommt man selbst mit Schlauchboot und ein paar Litern Benzin recht problemlos rüber, da braucht man den Shuttle-Service der Seenotretter nicht. Hin und wieder werden natürlich noch ein paar sterben, aber im grossen und ganzen ist das Problem gebannt.

  7. Linksjournalisten “berichten”,
    Tichy “macht Stimmung”.

    Ja nee,
    is klar.

    Und dann schon im ersten Satz.
    Das können Sie doch sicherlich subtiler, Herr Winterbauer.

  8. hahaha – ja, wumms, Eigentor des Herrn Winterbauer.

    Noch mehr, wenn man liest, was Tichys EInblick erwidert. Jeder mag sich selbst ein Bild machen, wer hier die Nase vorne hat:
    https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/alexander-wallasch-heute/meedia-tote-im-mittelmeer-nur-kollateralschaden/

    Und noch schöner, auch von heute: Der Autor Wallasch, den Winterbauer gerne mal mit einem -l- schreibt (Twitter) im Gespräch mit dem UNHCR in Libyen, ein interessantes Interview zur rechten Zeit:
    https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/aus-aller-welt/selbstauskunft-des-unhcr-ueber-sich-in-libyen/

  9. Also, ich würde vorschlagen, dass Leute wie Winterbauer und andere Holtzbrinck-Schreiberlinge mit gutem Beispiel vorangehen und persönliche Bürgschaften für durch NGO durchgereichte (Wirtschafts-) Flüchtlinge übernehmen.

    1. Ja! Sehr guter Vorschlag! Das wird die größte Erfolgsstory für Holtzbrinck seit der StudiVZ-Übernahme. 😉

  10. Herr Winterbauer, eines bleibt doch festzuhalten: Die Zahl der “prozentualen Sterbefälle” ist im Vergleich zu den “absoluten Sterbefällen” völlig nachrangig.

    Will sagen: Wenn insgesamt weniger Menschen sterben, geht der Trend in die richtige Richtung – selbst dann, wenn prozentual mehr sterben.

    Und wenn sich weniger auf den Weg machen, sterben absolut auch weniger. Also scheint (ich betone: scheint) die Abwesenheit der Seenotretter diese positive Entwicklung in der Tat zu begünstigen…

    1. >Die Zahl der “prozentualen Sterbefälle” ist im Vergleich zu den “absoluten Sterbefällen” völlig nachrangig.

      In der militärischen Logik spricht man z.B. bei Truppenübersetzung oder bei Schlachten auch von prozentualen Verlusten – der Mensch als Material.

      Ich stelle mir gerade vor mit welchen Worten die NGOs Statusberichte zur Operation EU-Umvolkung ins Soros-Hauptquartier schicken.

      Übrigens werden immer mehr Migranten von Libyen abgefangen und zurück an Land gebracht, diese Zahlen tauchen bei Winterbauer auch nicht auf.

    2. @Stefan Winterbauer

      Wenn man aussagekräftige Todesquoten berechnen will muss man die ABGÄNGE der nordafrikanischen Küste, nicht die Ankünfte (in Europa), ins Verhältnis zu den Toten/Vermissten setzen.

  11. Es ist uns noch sehr gegenwärtig, Herr Winterbauer, wie die MSM mit dem Foto von einem toten Jungen am Strand auf breiter Front Stimmung machten. Als kürzlich in Hamburg eine Mutter und ihr Baby am hellen Tag auf dem Jungfernstieg von einem Nigerianer massakriert wurden, stand die Hamburger Justiz umgehend zur Hausdurchsuchung vor der Tür des Bloggers um sein Video, das den Tathergang nicht mal zeigt sondern nur nahelegt, zu beschlagnahmen. Breitmedial orchestrierte Begründung: Bilder der Getöteten zu zeigen, ist pietätlos.

    Wie es den Merkel-Medien gerade in den Kram passt.

    1. Ja, nichts wird vergessen.
      Dafür sorgen schon Tausende User, die solche Webseiten als Screenshots archivieren.
      Und irgendwann muß dann jeder die Hosen runterlassen.

  12. Wenn von 1.000 Überfahrern 50% grauenvoll umkommen ist das schlimm.
    Wenn von 20.000 Überfahrern 10% grauenvoll umkommen ist das besser.
    Meint Ihr das?????

    Mal überlegen, … hmmm …:
    50% von 1.000 sind: 500 Tote,
    10% von 20.000 sind: 2.000 Tote.

    Also 2.000 tote Menschen sind besser, als 500 tote Menschen, … weil 10% weinger ist als 50%?

    Hab ich da jetzt was falsch verstanden?
    Ehrlich gemeinte Frage.

      1. Tja, Ben, wenn man nur „alternative Mathematik“ kennt, nach der 12,6 Prozent eine Mehrheit und „das Volk“ sind, muss man schon mal ins Grübeln kommen …

      2. Ohne weiter Erläuterung ist Ihre Rückfrage nicht zu beantworten.

        Wenn Sie der Ben sind, der schon andere Kommentare und Antworten hier verfasst hat, dann ist mir DIESE Rückfrage noch unverständlicher.
        Kann es sein, daß mein Kommentar mißverständlich formuliert ist, so daß Sie ihn mißverstehen mussten?
        Dann präzisiere ich:
        Selbstverständlich sind für mich 2.000 tote Menschen nicht besser als 500 tote Menschen.
        So habe ich aber den Artikel im Endeffekt verstanden, vielleicht falsch, deswegen meine Nachfragen.

        Gerne diskutiere ich mit Ihnen weiter. Aber sollte ich bei einer weiteren Antwort ihrerseit nicht in der Lage sein, den Sinn zu verstehen, bitte ich um Verständnis, wenn ich mich ohne weitere Antwort ausklinke.

      3. Wie können Sie vom mir annehmen, dass ich „Ben“ sein könnte? Um Himmels willen, nein, bloß nicht!

        Es ist doch offensichtlich, dass genau dieser Ben Probleme mit Ihrer (Auf)rechnung hat, oder wie ist sein Kommentar „Wen wollen Sie auf den Arm nehmen?“, an Sie gerichtet (!), zu verstehen?

        Meine Antwort bezog sich allein darauf. Es wäre also auch eben genau dieser Ben gewesen, der Adressat Ihres Kommentars sein sollte, und nicht ich!

    1. Ja, Sie haben was falsch verstanden. Grundsätzlich ist natürlich zu begrüßen, wenn die Zahl an Toten sinkt. Was Wallasch aber macht, ist einen kausalen Zusammenhang herzustellen, der so nicht erkennbar ist. Wallasch argumentiert, es gibt weniger Tote WEIL keine Seenotrettung. Die Zahlen lassen diesen Schluss aber nicht zu und deuten eher auf das Gegenteil hin. Dass es Null Tote gibt, wenn gar niemand die Flucht antritt, versteht sich ja wohl selbst. Aber darum geht es nicht. Wallasch nimmt eine singuläre Ausnahme-Zahl aus der Statistik und wurschtelt Sie so zurecht, dass er NGOs und Medien dafür an den Pranger stellen kann und sogar noch insinuiert, es gäbe hier eine Mitschuld. Darum geht es.

      1. >Wallasch argumentiert, es gibt weniger Tote WEIL keine Seenotrettung.

        Was verstehen sie daran nicht, Herr Winterbauer ?

        Nur 33 Tote seit 31.07.18, sollte das Open-Arms Schiff in die SAR Zone zurückkehren werden wieder mehr Boote starten und mehr Leute ertrinken.

  13. Stefan Winterbauer, was sind Sie nur für ein fürchterlicher Mensch?
    Trotzdem danke, dass Sie mich auf den Blog “Tichy’s Einblick”, und die dortige Gegendarstellung zu diesem Artikel aufmerksam gemacht haben.

  14. aussergewöhnlich entlarvend und zynisch, wie hier von einem “prozentualen” Anteil der Toten geschrieben wird, anstatt sich über die deutlich gesunkene Anzahl der Ertrunkenen aufgrund der festgesetzten NGO-Schlepperhelfer zu freuen.

    Damit ist der Beweis erbracht, dass es hier nicht darum geht, die Anzahl der Ertrunkenen zu reduzieren, sondern möglichst viele afrikanische Migranten illegal nach Westeuropa und damit letztendlich nach Deutschland zu schleppen.

    Dass dabei viel mehr sterben als ohne die NGO-Schlepperhelfer, rechtfertigt offenbar für Sie deren Einsatz, da ja der prozentuale Anteil der Ertrunkenen dadurch reduziert wird.

    Für eine solche Denkweise gibt es nur einen Ausdruck: Menschenverachtend!

    1. Richtig, es soll nicht die Anzahl der Toten minimiert sondern die Anzahl der angekommenen Migranten maximiert werden.

      Das ist die “Menschlichkeit”, die hier unter scheinheiliger moralischer Entrüstung eingefordert wird.

      1. Umvolkung…..nichts sonst.
        Der Journalismus als Steigbügelhalter rassistischer Menschenexperimente einer kleinen Gruppe Großkapitalisten, um Länder und ganze Kontinente zu destabilisieren und gefügig zu machen.

        Genau das bestimmt meinen Eindruck von den heutigen Akteuren in der Journalismusbranche:
        Keine Ehre, kein Gefühl, kein Gedächtnis, kein Stolz.
        Und vor allem große Abscheu vor der Wahrheit und ihren Mitmenschen.

        Abstoßend.

      2. Herr Winterbauer, sie sind einer der letzten Journalisten im Mainstream, der Mut zur Debatte zeigt und auch dahin geht wo es weh tut, dafür gebührt ihnen Respekt.

        Für micht absolut unverständlich warum Sie die wahren Hintergründe dieses NGO-Treibens nicht verstehen wollen.

        Bei ihrer Mitfahrt hat Frau Lau (als linksliberale Migrantin) sofort erkannt was für Leute diese “Seenotrettung” tragen, Antideutsche getrieben nur von (Selbst-)Hass.

      3. Es geht hier nicht um Motive oder generell um Sinn oder Unsinn von privater Seenotrettung, sondern allein darum, wie Wallasch und Tichys Einblick mit einer manipulativ interpretierten Statistik Stimmung machen.

      4. Es ist schön, daß Sie sich zu Wort melden, Herr Winterbauer.

        Man kann ja über eigentlich alle Sachen verschiedener Meinung sein. Je nach eigener Lebenssituation und der damit verbundenden Perspektive.

        Aber weshalb habe ich von Ihnen noch nichts über die Umvolkungspläne gelesen, die in den UN-Verträgen schon vor Jahren festgelegt wurden und deren Verursacher amerikanische Thinktanks samt deren auf der ganzen Welt verteilten Lobbyisten sind?
        Und deren Autraggeber beileibe nicht die US-amerikanische Nation ist, sondern eine schmale Zahl von Finanzclans, die auch diesen Staat über Jahrzehnte parasitiert haben, indem sie an den Schlüsselpositionen ihre Handlanger installiert haben.

        Öffentlich bekannt ist, daß in den Thinktanks mehrere Zehntausend Menschen Vollzeit arbeiten, die “Szenarien ausarbeiten” einschließlich nötig werdender Gegenreaktionen, wenn das anvisierte Ziel sich plötzlich nicht wie erwartet verhält.

        Öffentlich bekannt und zugänglich sind auch die entsprechenden UN-Dokumente, nach denen wir im eigenen Land und unserer eigenen Nation wie Laborratten einem “sozialen Experiment” (Yascha Mounk) ausgesetzt werden.

        Macht das nichts mit Ihnen?
        Fühlen Sie dabei nichts?
        Ist Ihnen das alles egal?
        Hauptsache irgendwie links, auch wenn schon in kürzester Zeit alles im Chaos versinken wird, weil die sozialen Systeme schon jetzt überall zu bersten beginnen?

        Und all die schönen Errungenschaften in geschlechtlicher und sexueller Gleichberechtigung und der schwer erkämpften Säkularität den Orkus herunterlaufen auf ein Niveau, wie wir es in Deutschland vor 500 Jahren hatten.

        Sehen Sie, ich bin, im Gegensatz zu Ihnen nur Hauptschüler, aber das hier was komplett anders läuft, als uns das die Mainstream-Journalisten weismachen wollen, habe ich schon vor der Migrantenflut 2015 gemerkt.
        Vielleicht gerade deswegen.

        Als nämlich ein Gegenspieler Merkels nach dem anderen durch wundersame Weise von der Bildfläche verschwand und diese dröge und unintelligente Frau plötzlich Kanzlerin in einer Partei wurde, in der sie aus ihrer eigenen politischen Entwicklung heraus nie hätte eintreten dürfen.

        Auch das hat Sie nie stutzig gemacht und zum Hinterfragen angeregt?

        Konkret:
        Leugnen Sie die Umvolkung?
        Zweifeln Sie die Echtheit der öffentlich zugänglichen UN-Dokumente an?
        Halten Sie ein solches Vorgehen einer Organisation gegen eine Nation für völkerrechtlich, juristisch und humanitär in Ordnung?

      5. Diese “Umvolkungspläne” sind kompletter Stuss, der vor allem in rechtsextremen Kreisen verbreitet wird. Ich werde hier keine Lebenszeit verschwenden, ihnen diesen Unfug auseinanderzusetzen. Wer noch ein paar Hirnzellen beisammen hat, kann sich alles Wesentliche zu dem Thema ergoogeln.

      6. Ich denke, wer hier immer wieder das Nazi-Wort „Umvolkung“ benutzt wie Ben oder „Antideutsche“ wie Klaus, dem ist man weder Rechenschaft noch Antwort schuldig!

    2. Grundsätzlich ist natürlich zu begrüßen, wenn die Zahl an Toten sinkt. Was Wallasch aber macht, ist einen kausalen Zusammenhang herzustellen, der so nicht erkennbar ist. Wallasch argumentiert, es gibt weniger Tote WEIL keine Seenotrettung. Die Zahlen lassen diesen Schluss aber nicht zu und deuten eher auf das Gegenteil hin. Dass es Null Tote gibt, wenn gar niemand die Flucht antritt, versteht sich ja wohl selbst. Aber darum geht es nicht. Wallasch nimmt eine singuläre Ausnahme-Zahl aus der Statistik und wurschtelt Sie so zurecht, dass er NGOs und Medien dafür an den Pranger stellen kann und sogar noch insinuiert, es gäbe hier eine Mitschuld. Darum geht es.

      1. Alexander Wallasch antwortet:
        “Der Versuch eines Chefredakteurs (Winterbauer) der Verlagsgruppe Holtzbrinck über seine Kollegen bei ZEIT und Tagesspiegel hinweg Tichys Einblick zu diskreditieren, der nichts anders tat, als eben dort zu lesen und nachzufragen, wo Winterbauer offensichtlich nicht ins hauseigene Wespennest stechen mag. Wo er sich auf eine Weise in einer Inhumanität verliert, in einer Denke, die das Einzelschicksal von Menschen, die elend ertrinken als Kollateralschaden verrechnet, in Statistiken, die zu lesen Winterbauer anfangs so große Schwierigkeiten machte, weil der die Transzendenz vermisste. Und die bei ihm offensichtlich maximalen Zynismus wecken, wenn er – wir wiederholen uns hier absichtlich: – schreibt: „Opferzahlen gesunken. Aber: Flüchtlingszahlen noch viel stärker gesunken!“

        https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/alexander-wallasch-heute/meedia-tote-im-mittelmeer-nur-kollateralschaden/

      2. Eine der vielen Unzulänglichkeiten dieses Wallasch-Antworttextes ist, dass ich gar nicht Chefredakteur von MEEDIA bin. Was Wallasch eigentlich wissen müsste.

  15. This is a very good article.

    What Wallasch argues about is clearly not supported by evidence.
    In an article to be published on Border Criminologies in September, Rob Gruijters, Elias Steinhilper and I analyse the mortality rate also in relation to NGOs’ search and rescue activity, and find that the “policy of total deterrence” has coincided with a higher probability of dying or going missing along the Central Mediterranean route. Even more importantly, the number of absolute dead recorded a spike.

    This occurred 10 months into a sharp drop in departures from Libya (-80%), which had already had the effect of lowering the number of dead and missing at sea by 70%. The drop started in mid-July 2017, with all NGOs still at sea, and continued irrespective of the ebbs and flows in SAR activity by NGOs, showing that NGOs are not a “pull factor” nor a significant determinant in the mortality rate along the route (I am also going to publish a paper on this soon).
    The only arguments relating the change in dead and missing in the Central Mediterranean and policies are related to:
    (a) the shifting tactics and strategies of migrant smugglers in Libya;
    (b) the new policies of the Italian government.
    There is not a speck of evidence that NGOs can be deemed “responsible” for the absolute or relative number of dead and missing in the Central Mediterranean.

    1. Take the NGOs out of the game and the truth comes to light.

      That is why the NGOs are in full panic mode right now.

  16. Nach dem Seenotrettungsgesetz müssen die Geretteten in den nächsten Hafen gebracht werden. Da die NGO’s in der Nähe der libyschen Küste operieren, ist der nächste Hafen an der libyschen Küste. Sie tun das nicht. Also besorgen sie das Geschäft der Schlepper.

  17. Sehr geehrter Herr Winterbauer,

    ich habe sowohl diesen Tichy (die Zeitung kannte ich gar nicht) Artikel, als auch Ihre Replik, sowie die folgende Diskussion hier gelesen. Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, wie Sie dazu stehen, daß gerettete Menschen in Libyen wieder an Land gebracht werden?

    Freundliche Grüße

    Paul Gronert

  18. Mal ne ganz dumme Frage. Wenn es den NGOs darauf ankommt, soviel Leben wie möglich zu retten, warum bringen sie die Geretteten 275 nautische Seemeilen nach Italien und nicht ins 60 Meilen entfernte tunesische Zarzis? Sie könnten dann doch viel schneller wieder im Rettungsgebiet sein, oder?

    Ein Text, den ich neulich gefunden habe (ich glaube, es war nach Lektüre eines Textes in Tichys Einblick), beschreibt, wie ein NGO-Schiff von der italienischen Küstenwache 12 Stunden im voraus über ein Schlauchboot informiert wurde, welches zu diesem Zeitpunkt möglicherweise noch gar nicht in See gestochen war. (Quelle. Ich kann das natürlich nicht nachprüfen, aber das der Menschenschmuggel ein lukratives Geschäft ist mit einem sehr hohen korruptiven Potential, das glaube ich schon. Wie schön, wenn man da auf der Kostenseite sparen kann, wenn man weiß, der Weg muss nicht bis nach Italien gehen.

    Teilweise sind die deutschen NGOs ja gemeinnützige eingetragene Vereine, die erhöhte Transparenzpflichten haben (z. B. Protokolle der JHV beim Amtsgericht einsehbar). Mich würde jedenfalls die Finanzierung dieser Vereine interessieren. Leider erfährt man darüber wenig.

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