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“Er wird behandelt wie jeder andere Nutzer”: Warum Twitter-CEO Dorsey den Verschwörungstheoretiker Alex Jones nicht sperrt

Twitter-CEO Jack Dorsey (l.) hatte zur Causa Alex Jones seine Entscheidung verteidigt, die Inhalte auf Twitter zu lassen
Twitter-CEO Jack Dorsey (l.) hatte zur Causa Alex Jones seine Entscheidung verteidigt, die Inhalte auf Twitter zu lassen

YouTube, Facebook, Apple und Spotify haben es getan – sie entfernten den Kanal InfoWars von US-Verschwörungstheoretiker Alex Jones von ihren Plattformen. Nun hat der Kurznachrichtendienst Twitter erklärt, warum sie sich diesem Schritt nicht anschließen. Twitter-CEO Jack Dorsey: "Es ist für einige schwer zu verstehen, aber er hat nicht gegen unsere Regeln verstoßen."

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“Wir haben Alex Jones oder Infowars gestern nicht gesperrt”, erklärte Twitter-Chef Jack Dorsey am Mittwoch auf seinem Kurznachrichtendienst. Während sich andere Plattformen wie Facebook und YouTube der Sperrung durch Spotify und Apple angeschlossen hatten, wird Dorsey dies nicht tun. “Wir wissen, dass das für einige schwer zu verstehen ist, aber der Grund ist simpel: Er hat nicht gegen unsere Regeln verstoßen.” Selbstverständlich werde man gegen ihn vorgehen, sollte er diese brechen. Alex Jones hat auf dem Kurznachrichtendienst 856.000 Follower und bewirbt dort vornehmlich die Inhalte seiner Seite Infowars.

Erst zu Beginn der Woche hatte das Netzwerk von Mark Zuckerberg Jones’ offiziellen Facebook-Auftritt sowie die “Infowars”-Seite entfernt, weil der US-Amerikaner Gewalt verherrliche. Außerdem nutze der Populist eine entmenschlichende Sprache, um Transgender, Muslime und Immigranten zu beschreiben. Die verstoße gegen die Hate-Speech-Richtlinien von Facebook, verkündete der Konzern in einem Blogbeitrag. Auch der Alex-Jones-Channel auf YouTube mit mehr als 2,4 Millionen Abonnenten war nicht mehr aufzurufen. YouTube sagte dazu: “Dieses Konto wurde gekündigt, da es gegen die YouTube-Community-Richtlinien verstoßen hat.” Ähnlich argumentierten die erwähnten Musikdienste. Apple entfernte fünf “Infowars”-Podcasts von Jones aus iTunes. In einem Statement gegenüber Buzzfeed hieß es: “Apple duldet keine Hassrede, und wir haben klare Richtlinien, an die sich Urheber und Entwickler halten müssen, um sicherzustellen, dass wir eine sichere Umgebung für alle unsere Benutzer bieten. Wir glauben daran, ein breites Spektrum von Ansichten zu vertreten, solange Menschen mit unterschiedlichen Meinungen respektiert werden.”

Dass Twitter zunächst gar nicht reagierte, sorgte für immer größer werdende Kritik. Nun sah sich der Twitter-CEO wohl gezwungen, ein ausführliches Statement abzugeben. Der Dienst sei in der Vergangenheit schrecklich darin gewesen, Entscheidungen zu erklären. “Jones wird an denselben Maßstäben gemessen wie andere Nutzer”, erläuterte Dorsey. Einmal-Entscheidungen werde es nicht geben, heißt es weiter, “durch die wir uns kurzfristig gut fühlen, die aber neue Verschwörungstheorien entfachen”.

Dorsey betonte, dass das Unternehmen nicht äußerem Druck erliegen wolle, da es den eigenen Prinzipien treu bleiben möchte. Bereits in der Vergangenheit hatte der 41-Jährige immer wieder darauf hingewiesen, dass sein Team an der Förderung einer gesunden Gesprächskultur arbeite. Der Unternehmer führte weiter aus, dass Accounts wie die von Jones häufig unbegründete Gerüchte und sensationslüsterne Meldungen verbreiten würden. “Es ist wichtig, dass Journalisten solche Informationen dokumentieren, verifizieren und widerlegen, damit sich die Menschen eine eigene Meinung bilden können”, schrieb er. “Das hilft der öffentlichen Diskussion am meisten.”

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Um gegen die Verbreitung von Missinformationen vorzugehen, hatte Twitter zuletzt vermehrt Fake-News-Accounts und Bots ins Visier genommen. Allein im Mai und Juni sollen täglich eine Millionen Konten gesperrt worden sein (MEEDIA berichtete). Eine Langzeitstudie hatte erst im März dieses Jahres gezeigt, dass sich Falschmeldungen schneller verbreiten als richtige Informationen – und sie zudem deutlich mehr Menschen erreichen. Die Forscher des Massachusetts Institute of Technology hatten im Fachjournal “Science” eine Langzeitstudie veröffentlicht, die die Verbreitung von Tweets zwischen 2006 und 2017 untersucht.

Alex Jones indes hat kaum noch Kanäle, um seine rechtspopulistischen Botschaften und Verschwörungstheorien zu verbreiten. Der 44-Jährige geriet immer wieder in die Schlagzeilen, weil er unter anderem behauptete, dass die Anschläge auf die World Trade Center am 11. September 2001 von der US-Regierung mitinitiiert wurden. Außerdem sei der Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule inszeniert gewesen. Auf Twitter fährt der Texaner seit der Verbannung von YouTube, Facebook und Co. eine Gegen-Kampagne und spricht von “Zensur” sowie einer politischen Säuberung im Internet.

Aus seiner Sicht ginge es nicht darum, dass sein Kanal durch Hassrede auffalle oder gegen die Richtlinien der Plattformen verstoße. Im Fokus stünde die Meinungsfreiheit und welche Ansichten bevorzugt würden und welche nicht. Unter dem Hastag #FreeInfowars versucht er nun seine Anhänger hinter sich zu versammeln, damit diese sich gegen die Demokraten, Medien und Plattformen wehren.

tb

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Alle Kommentare

  1. Die Linksgrünen wollen alles sperren und die Meinungsfreiheit abschaffen weil sie wissen dass ihre eigenen, dummen Ideen nichts taugen.

  2. “Alex Jones indes hat kaum noch Kanäle, um seine rechtspopulistischen Botschaften und Verschwörungstheorien zu verbreiten.”

    Wer genau legt fest, wer ein “Rechtspopulist” ist?
    Was soll eine “Verschwörungstheorie” sein?
    Wer legt fest, was eine “Verschwörungstheorie” ist?
    Gibt es auch linke Verschwörungstheorien?
    Wenn nein, weshalb nicht?

    “…damit diese sich gegen die Demokraten, Medien und Plattformen wehren….”

    Gegen Demokraten sicher nicht.
    Ich bin Demokrat.

    Wer diese Fragen sich selbst ehrlich beantwortet, sieht, wie der Mainstreamjournalismus hier mit Karacho in nur einem einzigen Satz scheitert….und es selbst gar nicht merkt.

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