Panne beim ZDF: “heute journal” lässt politische Aktivität einer Protagonistin als FDP-Kandidatin unerwähnt

Anke Pöhlmann mit ihrem Sohn im ZDF-"heute journal". Was der Zuschauer nicht weiß: Pöhlmann ist FDP-Politikerin

Das "heute journal" hat vergangenen Donnerstag einen Beitrag über Alleinerziehende in Deutschland ausgestrahlt. Als Protagonistin zeigte das ZDF eine Frau mit einem kleinen Kind. Was die Zuschauer jedoch nicht erfuhren: Die Frau ist FDP-Politikerin in Bayern - und setzt sich politisch selbst für die einfache Kindererziehung ein. Redaktionsleiter Wulf Schmiese hat sich inzwischen für den Fauxpas entschuldigt.

von Robert Tusch

Der Beitrag über die schwierige finanzielle Situation von Alleinerziehenden in Deutschland (hier in der Mediathek) lässt zwei Betroffene zu Wort kommen. Eine davon: Anke Pöhlmann. Das “heute journal” stellt sie als 29 Jahre alte Mutter vor, die ihren elf Monate alten Sohn Anton großzieht. Mit der Schwangerschaft habe sie ihren Job verloren, brauchte eine neue Wohnung und “musste von Kinder-, Elterngeld und Unterhaltsvorschuss leben”. Finanziell würde sie die Situation sehr belasten. Doch seit kurzem könne die Alleinerziehende dank “eines guten Arbeitgebers” wieder in ihrem alten Beruf tätig sein, allerdings Zuhause am Schreibtisch.

Pöhlmann erzählt in dem Film ausführlich über ihre Situation – doch der Zuschauer erfährt nichts über ihren politischen Hintergrund. Aktuell tritt sie nämlich für die FDP im Kreis München-Mitte bei der bayerischen Landtagswahl an. In der Stadt ist auf mehreren Plakaten ihr Gesicht zu sehen. Eine Variante sogar mit dem Wahlspruch: “Familienzeit statt Wartenummer! Leben mit Kindern einfacher machen.”

Der Zuschauer könnte denken, dass Pöhlmann eine x-beliebige, alleinerziehende Mutter ist, die von der ZDF-Redaktion ausgewählt wurde. Einzig ein mobiler Akku mit der kaum lesbaren Aufschrift “Freie Demokraten”, der in dem Film auf dem Schreibtisch der Protagonistin liegt, deutet auf ihre Nähe zur FDP.

Dass das “heute journal” die politische Aktivität Pöhlmanns so kurz vor der Wahl in Bayern verschweigt, ist ungewöhnlich. Zumal die zuständige Redakteurin davon gewusst haben müsste: “Es war bekannt, dass ich Landtagskandidatin bin und es sollte zumindest auf ‘politisches Engagement’ hingewiesen werden”, sagt Pöhlmann auf MEEDIA-Nachfrage. “Der Bericht sollte in seiner Aufmachung jedoch themenfokussiert und keine politische Berichterstattung oder Wahlkampfunterstützung werden. Das war der Tenor der Redaktion.”

Rückblickend muss das ZDF einen Fehler eingestehen. Dass Pöhlmann politisch aktiv ist, sei “im Redaktionsablauf verlorengegangen”, erklärte Redaktionsleiter Wulf Schmiese gegenüber der FAZ. Jedoch stecke hinter dem Fehler kein Vorsatz. Zeitgleich bat Schmiese um Entschuldigung und betont, dass sich so etwas nicht wiederholen dürfe.

Nachtrag: Auf Facebook hat sich die Politikerin mittlerweile öffentlich geäußert. Sie befürwortet die Entscheidung des ZDF, nicht die Kandidatur in den Fokus zu rücken. Dennoch bleibt die Tatsache, dass ihre politische Aktivität in dem Beitrag unerwähnt blieb, wofür sich das ZDF entschuldigt hatte.

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