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Wochenrückblick: Aus dem Leben der Influencerin Angela M – Foto mit Kälbchen macht 146 Euro

Die heilige Malu aus der Pfalz, Horst Trump, Niedlichkeits-Alarm bei Influencerin Angela M., Po-Dusche für Pressefuzzis
Die heilige Malu aus der Pfalz, Horst Trump, Niedlichkeits-Alarm bei Influencerin Angela M., Po-Dusche für Pressefuzzis

Das Bundespresseamt vermarktet die Instagram-Influencerin Angela Merkel zu marktüblichen Preisen. Der SWR kriegt sich gar nicht mehr ein, wie toll die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Maul Dreyer ist. Horst Seehofer will twittern. Und die "Höhle der Löwen"-Macher beglückten Journalisten mit einer Po-Dusche. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Eine nette Story über Politiker und ihr Instagram-Life, die der Tagesspiegel am Dienstag veröffentlicht hat (Blendle-Link). Wir sehen u.a. Dorothee Bär (CSU) beim Tomatenkosten, Katja Kipping (Linke) beim Baden, einen müden Martin Schulz (SPD) und Cem Özdemir (Grüne) beim Yoga. Auf dem Titel der Zeitung war auch eine Instagramszene mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt hatte sich auf Twitter öffentlich geärgert, dass das Bundespresseamt für die Veröffentlichung von Bildern aus Merkels Instagram-Account Geld will, nämlich 146 Euro pro Bild. Er bezeichnete das als Witz der Woche.

Gezahlt hat der Tagesspiegel für das Foto auf der Titelseite nix, man lasse es darauf ankommen, teilte Maroldt auf Nachfrage mit. Der Medienjournalist Jens Twiehaus veröffentlichte eine Antwort des Bundespresseamtes auf seine Anfrage in der Sache Insta-Merkel. In der Antwort erklärt das BPA, dass die Fotos zu “marktüblichen Preisen” lizensiert würden, um “Marktverzerrungen” zu vermeiden. Im Übrigen habe der Tagesspiegel in seiner Anfrage nicht erkennen lassen, dass es um eine Berichterstattung über den Instagram-Account der Kanzlerin gehe.

Falsch, sagt wiederum Maroldt. Bei der Anfrage sei in mehreren Telefonaten darauf hingewiesen worden, dass es um den Instagram-Account der Kanzlerin gehe. Wer hat recht? Da die Absprachen offenbar (fern)mündlich erfolgten, lässt sich das von außen nicht beurteilen. Man muss sich jedenfalls nicht wundern, dass Medienanfragen fast nur noch schriftlich ablaufen.

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Kennen Sie Malu Dreyer (SPD), die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz? Eine tolle Frau! Sie ist die wohl untypischste Karrierepolitikerin unserer Zeit. Noch vor wenigen Jahren hätten professionelle Politberater oder Marketingleute keinen Pfifferling auf ihren Erfolg gegeben. Zu wenig belastbar, zu sanft, zu leise, zu viel Frau. Doch sie ist eine der Großen des Südwestens: erste Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Power-Frau trotz Handicap und Prototyp eines neuen Politikerbildes.

Da könnte sich mancher und manche in Berlin eine Scheibe abschneiden. Doch was ist ihr Geheimnis? Wie besteht sie als untypische Politikerin im Wettbewerb der Aufmerksamkeit und der Kräfte? Wie bestimmt man als “Überfliegerin” das eigene Tempo? Ganz einfach: Malu Dreyer ist es gelungen, in ihrem Alltag die eigene Einschränkung hinter die politische Agenda zu verweisen. Sie bindet den ganzen Apparat mit ein, motiviert und verteidigt trotz des Images als Antikarrieristin ihren Platz an der Spitze höchst erfolgreich.

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Die in kursiv gesetzten Abschnitte entstammen nicht etwa einer Jubel-Schrift der rheinland-pfälzischen Landesregierung (wäre ja auch ein bisschen arg dick aufgetragen), sondern sind die Ankündigung des SWR für ein Malu-Dreyer-Porträt, das im September ausgestrahlt wird. Man muss bei einem Porträt ja nun ach nicht auf Teufel komm raus nur alles Schlechte hervorkehren, aber ein ganz kleines bisschen weniger Verehrungs-Prosa hätte dem Ankündigungstext schon gut getan, oder lieber SWR?

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Jessasmariaundjosef! Jetzt will der Horst Seehofer auch noch twittern. Hat er jedenfalls bei einem Wahlkampfauftritt in Bayern angekündigt. Ende August soll es losgehen. Er wolle sich damit gegen die “Diffamierungen” durch die Medien zur Wehr setzen. Das klingt schon sehr nach dem großen US-amerikanischen Twitterer in Chief, auch wenn Seehofer diesen allzu offensichtlichen Vergleich von sich weist und erklärt, er wolle den Dienst “in einem anderen Stil” nutzen als Trump. Zwei Fragen drängen sich auf: 1. Warum dauert das so lange (bis Ende August)? 2. Wird Seehofer selbst twittern oder erledigt das sein “Team”. Twittert Seehofer selbst, könnte es sehr interessant bis sehr lustig werden. Lässt er andere für sich twittern, wird’s garantiert langweilig. Andere für sich twittern lassen, ist fad!

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Diese Woche wurde in Berlin die kommende 5. Staffel der Vox-Erfolgsshow “Die Höhle der Löwen” präsentiert. Die startet am 4. September und Georg Kofler wechselt sich nun mit Judith Williams als Investor ab. Es gibt zudem eine neues Studio und eine Zeitschrift zur Sendung. Ich schaue die “Höhle der Löwen” wirklich gerne, aber bei den Produkten kommen immer wieder Erinnerungen an diese seltsamen Kataloge “Die moderne Hausfrau” oder “3 Pagen” hoch. Kennt die noch wer? Das gab es auch immer solche Produkte, die irgendwelche Alltagsprobleme lösen sollten aber auch so ein klitzekleines bisschen ramschig wirkten. Bei dem Löwen-Pressetermin durften sich Journalisten einen Jutebeutel mit ausliegenden Produkten aus vergangenen Löwen-Sendungen befüllen. Dabei war u.a. der Pferdeschwanz-Frisuren-Verdicker Pony Pufin und die Po-Dusche HappyPo, auch bekannt als das “Reise-Bidet”. Bislang habe ich keinen Kollegen gefunden, der zugegeben hätte, sich die Po-Dusche in den Beutel getan zu haben.

Schönes Wochenende!

PS: Die neue Staffel “Die Höhle der Löwen” ist auch Thema in der neuen Folge unseres Podcasts “Die Medien-Woche”. Christian Meier von der WELT und ich sprechen außerdem über die Haltungsfrage im Journalismus und den “YouXit” von Tele 5.

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