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Windiges “VIP-Paket”: FAZ verspricht Neu-Abonnenten Treffen mit Minister Scheuer, doch der weiß davon nichts

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In einer ganzseitigen Anzeige trommelt die FAZ für ein Mini-Probeabo und lobt ein “VIP-Paket” inklusive Treffen mit Verkehrsminister Andreas Scheuer aus. Der CSU-Politiker indes weiß nichts davon, dass die Zeitung mit ihm wirbt, er hätte dem auch nicht zugestimmt, und vor allem ist das Event alles andere als exklusiv: Es handelt sich schlicht um den Tag der offenen Tür des BMVI. Für die Zeitungs-Marketer ein Eigentor, über das Bild titelt: "FAZ verSCHEUERT den Minister”.

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In einer ganzseitigen Anzeige, die am gestrigen Donnerstag auf Seite sechs in der Frankfurter Allgemeinen erschienen war, trommelte der Verlag für den Gewinn von “3x 2 VIP-Paketen”. Bebildert war die Aktion (24. bis 26 August) unter anderem mit einem Foto von Verkehrsminister Andreas Scheuer und des Steigenberger Hotels am Kanzleramt.

Die Highlights der Offerte:

  • Besuch der Redaktion des Hauptstadtbüros inklusive Podiumsdiskussion
  • Führung durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit anschließenden Bürgerdialog von Bundesminister Andreas Scheuer
  • 2 Übernachtungen im Steigenberger Hotel am Kanzleramt inklusive Frühstück und Nutzung des Wellnessbereiches

Hört sich nach einem typischen Abonnenten- und Werbe-Angebot an, wie es die Vertriebs-Abteilungen vieler Verlage mittlerweile gerne schnüren. Die Bild hat allerdings beim Ministerium, bei dem praktischerweise gerade erst der ehemalige Bild-Journalist Wolfgang Ainetter Sprecher wurde, nachgefragt und erfahren, dass der Minister offenbar nichts von der Nutzung seines Fotos wusste. “Die Aktion ist weder im Wissen des Ministers noch in seinem Sinne erfolgt“, so eine Sprecherin gegenüber dem Boulevard-Titel. Tatsächlich handelt sich bei der Führung und dem Bürgerdialog um den Tag der offenen Tür und der ist keine exklusive Veranstaltung, er steht vielmehr allen Bürgern offen.

Diese Anzeige erschien am Donnerstag in der FAZ auf Seite sechs

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Die Bild hält die Aktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für “peinlich” und meint unnachahmlich: “Die FAZ verSCHEUERT den Minister”.

Die Qualitätszeitung widerspricht und will den Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen. So erklärt die FAZ auf MEEDIA-Anfrage:

Die FAZ veranstaltet jährlich einen Tag der offenen Tür in der Berliner Redaktion, der zeitgleich mit dem Tag der offenen Tür der Bundesregierung stattfindet. In diesem Rahmen lobt der FAZ-Verlag jedes Jahr ein Gewinnspiel für Abonnenten aus. Dieses besteht aus einem Berlin-Aufenthalt, einem Besuch der FAZ-Redaktion sowie einem Besuch in einem Bundesministerium. In den letzten Jahren waren dies beispielsweise das Bundesministerium für Bildung und das Bundesministerium für Gesundheit. In diesem Jahr ist es das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Selbstverständlich sind die Gewinnspielaktion und die Anzeige mit dem Ministerium abgestimmt worden.

Wusste Scheuer also nun von der Werbung oder nicht? Die Antwort aus der Berlin auf eine entsprechende MEEDIA-Anfrage ist eindeutig. So sei die Aktion weder im Wissen des Ministers, noch in seinem Sinne erfolgt, wie das BMVI in einer Sachinformation erklärt. Künftig werde sichergestellt, dass sich solche Aktionen nicht wiederholten. 

Mit Blick auf die stilbewusste FAZ mutet die Werbeaktion angesichts auf das glasklare Dementi des Ministeriums zumindest befremdlich an. Denn “exklusiv” und “VIP” sind vielleicht der Besuch der Redaktion und die Übernachtungen im Steigenberger, aber nicht das Treffen mit dem Top-Politiker und der Besuch im BMVI. Zumindest der Ruch des Etikettenschwindels lastet auf dem Leser-Angebot für Premium-Zielgruppen, die sich im Fall der FAZ von einem VIP-Paket sicherlich mehr erhoffen als eine Art Event-Highjacking durch die Abo-Werber einer Zeitung.

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Alle Kommentare

  1. Haha, wer will dafür bezahlen so einen Kartoffel-Minister zu treffen? Bietet mal Treffen mit unserem Präsident Erdogan an, dann gehen die Verkäufe durch die Decke!

    1. Hahaha! Ich schätze eher, dass sie in diesem Fall ganz nach unten gehen würden. Es sei denn, die ganzen Erdoğan-Wähler wollen sich sich das Abonnement nicht entgehen lassen …

      „Kartoffel-Minister“ entbehrt allerdings einer Prise Humor nicht!

  2. ohne nähere Kenntnisse zu haben: wenn es so ist, wie beschrieben, muss das Blatt die Agentur statt bescheuern einfach feuern.

  3. Vor ein paar Monaten entdeckte ich auf faz.net einen interessanten FAZplus-Artikel und kaufte daraufhin die Printausgabe. Der Beitrag war aber offenbar schon tags zuvor erschienen. Daraufhin bescheidene Anfrage bei info@faznet, ob man mir, einem ehemaligen Abonnenten, den Text freundlicher- und ausnahmsweise mailen könne.

    Null Reaktion, keine Antwort.
    Zu faul und zu hochnäsig für eine klitzekleine Gefälligkeit.

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