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“Journalisten sind Feinde des Volkes”: Trumps Pressesprecherin vermeidet Distanzierung, CNN-Reporter Jim Acosta verlässt Pressekonferenz

Erhitzter Schlagabtausch: CNN-Reporter Jim Acosta (li.) und die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders
Erhitzter Schlagabtausch: CNN-Reporter Jim Acosta (li.) und die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders Foto: Screenshot © CNN / YouTube

Der Vorwurf geht auf die frühesten Tage der Trump-Administration zurück, als der neue US-Präsident Journalisten von CNN, der New York Times, ABC, NBC und CBS als "Feinde des Volkes" bezeichnet hatte. Auf einer Pressekonferenz forderte CNN-Reporter Jim Acosta, der von Trump wiederholt denkwürdig gerüffelt worden war, von Pressesprecherin Sarah Sanders eine Distanzierung von der Äußerung, die auch in Diktaturen Verwendung findet. Als Sanders mehrfach auswich, verließ Acosta den Saal.

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Der legendäre Schlagabtausch ist bereits eineinhalb Jahre alt. Neun Tage vor seinem Amtsantritt zerpflückte Donald Trump CNN-Reporter Jim Acosta in einer inzwischen legendären Pressekonferenz und schnitt ihm mehrfach mit der Begründung das Wort ab, sein Sender CNN sei der Inbegriff von “Fake News”, Falschmeldungen also.

Man kann sagen, die Arbeitsbeziehung zwischen Trump und Acosta hat sich von diesem Zusammenstoß bis heute nicht erholt. Im Gegenteil: Für das Trump-Lager ist Acosta der Inbegriff der von Journalisten verbreiteten Falschmeldungen, für weite Teile des liberalen Amerikas dagegen so etwas wie ein moderner Held, der sich vom Präsidenten nicht zurechtweisen lässt und vor allem für die Pressefreiheit kämpft.

19 Monate später wird der Kampf rhetorisch immer noch mit harten Bandagen ausgefochten, diesmal in einer neuerlichen Pressekonferenz zwischen Acosta und Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders. Vorausgegangen war eine denkwürdige Äußerung von Trumps Tochter Ivanka, die gestern auf einer Podiumsdiskussion ihrem Vater widersprochen und erklärt hatte, Journalisten seien nicht “die Feinde des Volkes”.

Diese Rhetorik hatte Trump erstmals im Februar 2017 gegenüber ABC, CBS, CNN, NBC und der New York Times in einem Twitter-Eklat gebraucht – und dabei schlimmste historische Erinnerungen an Diktaturen aufkommen lassen.

Die Steilvorlage der Äußerungen von Ivanka Trump nahm CNN-Reporter Jim Acosta wenige Stunden später dankbar an und konfrontierte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, mit dem Dementi – verbunden mit der Aufforderung, Sanders selbst möge sich ebenfalls von der Rhetorik des US-Präsidenten distanzieren.

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Doch trotz eines dreiminütigen Hin und Her, in dem Sanders auf ihre problematische Behandlung durch die Presse hinwies, wich die 35-Jährige wiederholt aus und wollte sich nicht von dem Vorwurf, “Journalisten sind Feindes des Volkes” distanzieren.

Für Acosta war der Bogen damit überspannt: Der 47-Jährige, der bei Berichterstattungen von Kundgebungen des US-Präsidenten immer wieder unangenehme Erfahrungen mit Trump-Anhängern gemacht hat, die Trumps Sohn Eric gestern auf Twitter dokumentierte, verließ daraufhin den Raum. Auf Twitter gab er eine Begründung für den Abgang und erklärte, Sanders’ Weigerung, sich von der Stigmatisierung zu distanzieren, sei “eine Schande”.

Bei seinem Arbeitgeber CNN erklärte Acosta weiter, die Bezeichnung sei nicht länger hinnehmbar: “Es ist nicht richtig. Es ist nicht fair. Es ist nicht gerecht. Es ist unamerikanisch.”

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