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Zaster vs. FinanceForward: Kai Diekmann oder Philipp Westermeyer – wer baut das Finanz-Portal mit Zukunft?

Kai Diekmanns (l) Zaster und Philipp Westermeyers FinanceForward wollen in der Finanzbranche Fuß fassen
Kai Diekmanns (l) Zaster und Philipp Westermeyers FinanceForward wollen in der Finanzbranche Fuß fassen

Mit Zaster hat Ex-Bild-Chef Kai Diekmann ein Finanz-Portal gestartet, das ein breites Publikum für das Thema Geld sensibilisieren soll. Auch OMR-Gründer Philipp Westermeyer will sich in der Finanzwelt ausprobieren – und bringt FinanceForward an den Start. Doch die Ansätze der beiden Portale unterscheiden sich: Zaster zielt auf junge Leute, FinanceForward auf die Branche. Welches Konzept ist das bessere? MEEDIA hat sich die beiden Portale angeschaut.

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Als Kai Diekmann und Philipp Westermeyer Anfang März im Podcast der Online Marketing Rockstars (OMR) aufeinander trafen, wussten beide über ihre anstehenden Projekte – doch verraten haben sie es nicht. Dabei hätten sie wahrscheinlich Einiges zu besprechen gehabt. Thematisch bewegen sich das Finanzmagazin Zaster von Diekmann und das New-Finance-Blog FinanceForward von Westermeyer nämlich auf der selben Ebene, auch wenn ihre Zielgruppen gänzlich unterschiedlich sind. Mit den Portalen wollen die Zwei das Tabu-Thema Geld in Deutschland aufbrechen und Neuheiten der Finanzwelt in Zeiten der Digitalisierung behandeln.

Nicht ganz unwesentlicher Unterschied allerdings: Der langjährige Springer-Journalist will die Leser über die Inhalte zudem an die von ihm und dem ehemaligen Star-Banker Leonhard “Lenny” Fischer aufgelegte und vermarktete Geldanlage namens “Zukunftsfonds” heranführen (mehr dazu später). Westermeyer, der mit den Online Marketing Rockstars bereits für das Marketing bewiesen hat, wie aus einem Content-Portal eine sehr erfolgreiche Marke und Konferenz entwickelt werden kann, dürfte vor allem auf Events als Umsatztreiber und Erlösbringer setzen.

Die Voraussetzungen sind gut: Das Thema Geldanlage hat in der Bundesrepublik großen Nachholbedarf. Kaum eine Nation verhält sich bei Anlagen so dilettantisch wie die Deutschen. Und auch die Frage, wie klassische Geldinstitute in Zeiten schrumpfender Filialnetze die Zukunft gestalten, ist hierzulande nicht geklärt. Mit Blockchains, Krypto und anderen Fintech-Themen können die wenigsten Deutschen etwas anfangen. Insofern bedienen die beiden Medienkenner mit ihren Portalen ein zukunftsträchtiges (und finanzstarkes) Metier: eine jahrhundertealte Branche, die mitten in einer Disruption steckt – mit noch ungewissem Ausgang, zumindest was die Frage angeht, wer genau vom Gamechanging am Ende profitiert.

Dennoch unterscheidet sich ihre Herangehensweise: Während Diekmann mit Zaster eine Art zweites Bento erschaffen hat, in dem Finanzthemen bunt aufbereitet und mit “schreiend lustigen Fragen” garniert werden, probiert sich Westermeyer mit FinanceForward in einer tieferen Ebene aus. Mit dem Blog, das Anfang Juli geräuschlos an den Start gegangen ist, möchte der OMR-Gründer testen, ob tiefe Analysen und Nachrichten aus dem New Finance-Bereich Leser finden.

Ein Projekt wie OMR?

Westermeyers Vorbild ist sein eigenes Projekt: Mit OMR hat er sich über Jahre hinweg eine treue und zahlungskräftige Community aufgebaut. Das nerdige Nischen-Festival startete 2010 mit nicht einmal 200 Marketingfans. Dieses Jahr waren es fast 40.000 – eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Doch OMR ist mehr als ein Veranstaltungsformat. Im Online-Blog der Marke erscheinen Analysen und Storys aus der Online-Marketing-Welt. Auch einen Podcast gibt es, in dem sich Westermeyer namhafte Gäste aus der Branche einlädt.

Mit FinanceForward verfolgt der junge Gründer die OMR-Idee, nur dass er sich jetzt in einer ganz anderen Branche wiederfindet: der Finanzwelt. Ähnlich wie es vor acht Jahren beim (Online-)Marketing war, ist auch die Finanzwelt heute im Umschwung. Wenn es gut läuft, soll FinanceForward “eine neue Stimme in dieser spannenden Branche sein”, betont Westermeyer im Gespräch mit MEEDIA. Er profitiert von seiner Erfahrung: Früh in einem Markt dabei zu sein, hat ihm schon einmal den Weg zum Erfolg gepflastert.

Die Inhalte des Portals sind analytisch und dringen zum Teil tief in Finanzthemen ein: FinanceForward berichtet über neue Player auf dem Fintech-Markt, hat den Gründer der digitalen Krankenkasse Ottonova im Podcast-Interview und analysiert die mobilen Bezahldienste von Google und Apple bis ins kleinste Detail. Das zeigt: Westermeyer hat nicht den Anspruch, ein breites Publikum anzusprechen. Er sucht sich in der Nische eine weitere Skalierungs-Möglichkeit für sein Geschäftsmodell, das diesmal mit dem Thema Geld aufgeladen werden soll. Sein Portal adressiert Finanzkenner und -unternehmer.

Doch der erfahrene Startup-Gründer will es ruhig angehen lassen: “Wir haben FinanceForward bewusst ganz offen in den Markt gelegt.” Zunächst will Westermeyer schauen, ob es überhaupt ein Publikum gibt für Analysen und Storys aus dem New-Finance-Gebiet. Nicht zuletzt deshalb hat er auch kaum für das Portal getrommelt, als es vor etwa drei Wochen an den Start ging. Mit der redaktionellen Leitung hat der OMR-Chef übrigens den früheren MEEDIA-Journalisten und Curved-Chefredakteur Felix Disselhoff als “Head of Content” betraut, der bislang auch für die allermeisten Artikel selbst sorgt.

Zaster will Lust aufs Geld machen
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Anders bei Diekmanns Zaster. Das Projekt des Vollblut-Journalisten ist in einer orchestrierten Aktion online gegangen, mit einem Voll-Programm und bereits einer Handvoll vorgefertigter Geschichten in petto. Vom Start weg steuerten Autoren mit Reichweiten-Garantie wie Micky Beisenherz, Laura Karasek und Sven Michaelsen Texte für das Storymachine-Projekt bei. Das zeigt die Stoßrichtung des Portals: Zaster will ein breites, vorwiegend junges Publikum erreichen und der eher drögen Finanzwelt wieder etwas Sex-Appeal verpassen. Gleichzeitig will das Magazin aber auch aufklären in der komplexen Welt zwischen Zinseszins und Fondsrendite. Das treibt mitunter wilde Blüten, wenn etwa neben den “14 nützlichen Lifehacks, mit denen Du viel Geld sparen wirst” ein Beitrag über den “Cost-Average-Effekt” steht.

Diekmann weiß, wie man Massen anspricht, bei der Bild-Zeitung hat er das fast anderthalb Jahrzehnte in Reinkultur praktiziert. So weit weg vom Boulevard ist Zaster daher nicht. Hinter dem Projekt steht eine klare Mission: Diekmann will die Zahl der Deutschen, die am Kapitalmarkt investieren (derzeit rund acht Prozent) signifikant erhöhen – und daraus am liebsten selbst Kapital schlagen. Denn Finanzier von Zaster ist der von Diekmann und seinem Freund “Lenny” Fischer ins Leben gerufene “Zukunfsfonds”. Die Redaktion von Zaster sei zwar unabhängig davon, betont der Ex-Bild-Chef. Doch natürlich steckt hinter dem Content-Projekt das Kalkül, dem Fonds einen Schub zu verschaffen, selbst wenn er redaktionell nicht direkt beworben wird.

Das ist der zentrale Unterschied der beiden jungen Projekte. Während Diekmann die Massen anspricht, um langfristig Kunden in seinen Zukunftsfonds zu treiben, hat Westermeyers Portal einen B2B-Ansatz. Es richtet sich – wie OMR auch – an die Branche direkt und will mit Analysen und Storys deren Aufmerksamkeit erzielen. Im besten Fall wird FinanceForward zu einem Sprachrohr der Branche, mit detaillierten Beiträgen und tief-gehenden Geschichten. Wenn das Projekt gut läuft, kann sich Westermeyer sogar mehr vorstellen: “Natürlich gibt es den Gedanken, langfristig eine Community im New-Finance-Bereich aufzubauen und möglicherweise Angebote entsprechend der OMR-Idee zu entwickeln”.

Derartige Detailverliebtheit hat Zaster nicht, was daran liegt, dass die Zielgruppe eben keine Finanz-Kenner sind, sondern im besten Fall Interessierte, was sich möglicherweise als Geburtsfehler der Plattform herausstellen könnte. “Zaster betrachtet alles durch die Geldbrille, will Lust auf Geldanlage machen und das Tabuthema Geld aufbrechen“, so Diekmanns Credo. Mehr als zwei Monate ist Zaster nun am Markt, für eine Bilanz war die Pressestelle urlaubsbedingt nicht zu erreichen. Ein Blick auf die Statistik-Seite Similarweb verrät, das zumindest die Seite Zukunftsfonds.de, die Hauptdomain von Zaster, steigende Besucherzahlen verzeichnet. Rund 36.000 Visits soll diese Seite dem Tool zufolge im Monat haben. Erfahrungsgemäß läge der Wert bei Messung durch die IVW (Zaster wird dort nicht ausgewiesen) eher doppelt so hoch – und wäre dennoch für ein auf breite Nutzergruppen zugeschnittenes Portal verschwindend gering.

Der überwiegende Teil der Besucher kommt von den Springer-Seiten Bild und Welt. Wieviele Besucher auf Zaster abfallen, lässt sich nicht klar ausmachen, da das Portal keine eigenständige Domain aufweist. Auf Facebook hat das Magazin derzeit aber nur 245 Likes, was für eine Seite dieser Machart verschwindend gering ist. Auch die knapp 1.400 Follower auf Twitter stehen nicht gerade für den übermäßig starken Start des Projektes. Insgesamt also ernüchternde Zahlen, mit denen Diekmann & Co. nicht zufrieden sein können.

Zaster will erklären und Lust machen, FinanceForward analysieren und mitreden. Wer der beiden Medienmacher, Diekmann oder Westermeyer, den richtigen Dreh gefunden hat, wird die Zeit zeigen müssen. Es scheint so, als sei Diekmanns Magazin noch lange nicht aus den Kinderschuhen heraus. Auch nach zwei Monaten am Markt und einem stark inszenierten Start mit der Reichweite zahlreicher Promi-Autoren hat das Projekt offensichtlich noch nicht den großen Sprung geschafft. FinanceForward ist als Pilot sowieso noch nicht für das breite Publikum gedacht.

Und das könnte sich am Ende als ein Riesenvorteil erweisen, denn die schiere Zahl der Klicks ist hier nicht der Treiber des Business-Modells, eher die Uniqueness, das Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt, das auf Kundenseite eine zahlungskräftige Branche anziehen könnte. Die wiederum die neue Content-Marke für Kongresse oder Recruiting-Messen nutzen würde. Siehe Online Marketing Rockstars-Festival. Westermeyers Erfolgsrezept reloaded, diesmal mit einer Bank-Klientel, die hipper sein will als ihr Ruf.

Beide Gründer haben mächtig Erfahrung auf ihrem jeweiligen Gebiet. Und das Potenzial in dem Markt ist riesig. Doch es scheint schwierig, in einer so speziellen Nische Leser zu finden, die sich für Finanzen interessieren. Von daher hat Diekmann wohl den steinigeren Weg gewählt; der zähe Start von Zaster deutet darauf hin. Am Ende könnte gerade das, was den Blattmacher Diekmann groß und erfolgreich gemacht hat, die Achillesferse seines Konzepts sein: die Orientierung an der Masse, der Anspruch, ein großes Rad zu bewegen.

Westermeyer indes zielt auf Naheliegenderes, nämlich auf die Etats von Unternehmen, die gar nicht anders können, als sich dem Wandel zu stellen und entsprechend unter Zugzwang sind. Sein Content-Angebot rund um Krypto, Blockchain und Fintech mag recht speziell wirken, innovativ und auf seinem Feld konkurrenzlos ist es allemal. Gut möglich, dass sich im Duell der Finanz-Portale am Ende die Nische als sichere Bank erweist.

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