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Ist das noch Journalismus? taz liefert in Abschiebe-Debatte Anleitung zum “zivilen Ungehorsam”

“Zeit, die Sache selbst in die Hand zu nehmen”, schreibt die taz und veröffentlicht eine “Anleitung zum Ungehorsam”, um Abschiebungen in letzter Minute zu verhindern
"Zeit, die Sache selbst in die Hand zu nehmen", schreibt die taz und veröffentlicht eine "Anleitung zum Ungehorsam", um Abschiebungen in letzter Minute zu verhindern

Ob Spartipps oder Hilfe bei der Steuererklärung: So genannte "How to"-Geschichten sind bei Medienmachern beliebte Klassiker des redaktionellen Ratgebers. Die taz sorgt allerdings jetzt mit einem problematischen Stück für Diskussionen: Am Samstag publizierte die linksalternative Zeitung eine "Anleitung zum Ungehorsam" mit Tipps, wie sich Abschiebe-Flüge verhindern lassen. Ist das noch Journalismus?

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Vor genau einer Woche ereignete sich in einem Flieger von Göteborg in Schweden nach Istanbul ein Vorfall, der auf der ganzen Welt für Aufsehen sorgen sollte: Eine junge Studentin weigerte sich, vor Abflug ihren Platz einzunehmen, um so den Start raus aus der EU zu verhindern. Im hinteren Teil des Flugzeuges saß ein 52-jähriger Mann, der über die Türkei nach Afghanistan abgeschoben werden sollte. Elin Ersson war dagegen, aus Prinzip. In Afghanistan drohe dem Mann, über den sie vermutlich nicht viel wusste, weil sie eigentlich die Abschiebung eines anderen verhindern wollte, aufgrund der politischen Lage der Tod, so ihre Argumentation. Ihren Protest samt Wechselbad der Gefühle streamte sie bei Facebook. Fast fünf Millionen Menschen sahen ihr mittlerweile dabei zu.

Deportation from Gothenburg to Afghanistan

Gepostet von Elin Ersson am Montag, 23. Juli 2018

Dass sie den Aufstand erst im Flieger probte, war wohl kein Zufall. An Bord haben Behörden in der Regel keine Befugnisse, allein der Flugkapitän entscheidet über die Situation. Gegen eine friedliche Passagierin, die lediglich ihren Platz nicht einnimmt, lässt sich wenig unternehmen. Die Optionen: Abwarten bis sie aufgibt und eine stundenlange Verspätung riskieren oder entscheiden, den Behörden den Transport des Abgelehnten zu untersagen. In Erssons Fall setzte sie sich durch, was einige Passagiere und tausende Zuschauer mit Applaus honorierten.

Doch Erssons Vorgehen ist nicht unumstritten. Denn die Frau hat sich nicht nur möglicherweise strafbar gemacht (die Staatsanwaltschaft prüft den Verdacht der auf Verletzung der Luftfahrtverordnung), sondern sich durch zivilen Ungehorsam auch über den Rechtsstaat gestellt und eine von Gerichten veranlasste Abschiebung zunächst verhindert. Umso mehr erregt seit dem Wochenende ein Artikel in der taz einige Gemüter. “Zeit, die Sache selbst in die Hand zu nehmen”, schreibt die linke Tageszeitung mit einem Ausrufezeichen am Ende. Darunter hat sie eine “Anleitung zum Ungehorsam” veröffentlicht. Darin erklärt eine Redakteurin anhand von vier Fällen, wie unter Protest Abschiebungen verhindert oder zumindest hinausgezögert werden können. Erssons Aktion ist einer davon.

Dabei gibt die taz konkrete Empfehlungen ab, beispielsweise andere Fluggäste oder den Piloten von der Ungerechtigkeit der Abschiebung zu überzeugen, die Situation zu filmen oder die Presse in die Pläne einzuweihen – auch um spätere, rechtliche Konsequenzen von der Öffentlichkeit begleiten zu lassen.

Die taz beschreibt aber auch, was Aktivisten bereits im Flughafen oder Zuhause für Möglichkeiten haben und zeigt zudem auf, was Zivilisten unternehmen können, wenn sie beispielsweise so genanntes “Racial Profiling” beobachten.

Zwar weist die Autorin auch darauf hin, dass mit den Aktionen Straftaten begangen werden können, dennoch drängt sich auch für die linke taz die Frage auf: Ist das noch Journalismus? Auch wenn sich der taz – dadurch, dass sie keine einzelnen Personen auffordert –nicht vorwerfen lässt, zu Straftaten anzustiften, geht sie für einige Betrachter zu weit. Allen voran Bild-Chef Julian Reichelt greift den Artikel sarkastisch auf und twittert: “In Teil 2 lesen Sie: Freiheit für Jürgen! Wie Sie Leute aus dem Knast holen, die Ihrer Meinung nach zu Unrecht sitzen.”

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Bei Twitter finden sich mehrere Stimmen, die diese “Anleitung” kritisieren, schreiben von “Gesinnungsethik” und “Kampagnenjournalismus”.

Der Kern der Kritik ist dabei derselbe wie jener, der Flüchtlingsgegnern gemacht wird: die Pauschalisierung. Nicht jede Abschiebung ist unfair. Doch besonders Zurückweisungen nach Afghanistan sorgen immer wieder für Streit: In Deutschland wird der Staat seit Ende 2016 wieder als sicheres Herkunftsland gelistet. Immer wieder kommt es aber noch zu tödlichen Anschlägen, was auch für Ersson Grund ihrer Aktion war. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind allein im ersten Halbjahr 2018 1.600 Zivilisten in Afghanistan getötet worden.

Hierzulande erfolgt die Abschiebung offiziell allerdings nur für Asylbewerber, die als Straftäter oder als Gefährder eingestuft werden oder deren Identität nicht eindeutig geklärt ist. Trotzdem gibt es Kritik: Im Falle der zuletzt 69 abgeschobenen Afghanen, die Horst Seehofer vor einigen Tagen fast stolz verkündete, sollen Medienangaben zufolge fünf vorbestraft gewesen sein. Viele weitere waren dabei, sich durch Ausbildungen oder Schulabschlüsse zu integrieren.

 

 

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Alle Kommentare

  1. Typisch ‘taz’: fast so satirisch, wie wenn ‘Titanic’-Redakteure zum Kollegenmord aufrufen

  2. Migrantenkriminalität verhindern: Anleitung zum Ungehorsam

    Fall 1: Drogenhandel im Görlitzer Park

    Wenn Sie schon vorher wissen, dass an einem bestimmten Parkweg Drogentransaktionen geplant sind, können Sie bereits im Park aktiv werden: Informieren Sie rivalisierende Migrantengruppen. Suchen Sie das Drogenlager im Gebüsch, übergießen es mit Benzin und zünden Sie es an.

    Gegen die polizeiliche Drogenhandelsbegleitung selbst aktiv zu werden, ist hingegen nicht empfehlenswert: Die Beamten werden kaum von ihren Anweisungen abweichen und dürfen Ihren möglichen Widerstand mit Gewalt brechen.

  3. Ich habe keinerlei Probleme damit, dass ein Medium über die geltende Rechtslage aufklärt. In den Fachmedien für eine andere Sorte von Flüchtlingen, den Steuerflüchtlingen, geschieht dies seit vielen Jahren und niemand regt sich darüber auf. Obwohl diese Flüchtlinge immer Kriminelle sind.

  4. Die taz ist links, das ist ok. Politisch instrumentalisierte Aktionen, von schieren Gewaltaktionen zahlreicher Vermummter aus dem linken Spektrum wie beim G-20-Gipfel 2017, welche die taz hofiert oder insgeheim wie der Göttinger Mesclero toleriert, bis zu diesem Aufruf zu “zivilem” (?) Ungehorsam bei Abschiebungen, schieben die Berliner Gazette an den extremen Rand des Journalismus. Die Rechte (Presse) macht das in ihrem Sinne auch so – mithin ist es mit der taz wie mit der AfD: wehret des Anfängen.

      1. Posten Sie doch einfach mal Ihre AfD-Mitgliedsnummer.

        Dann wirkt das, was Sie über diese Partei zu wissen glauben, gleich viel authentischer.

        Und falls Sie noch keine haben, unbedingt noch heute beantragen und damit in den Genuß kommen, sich als intelligenter Demokrat fühlen zu dürfen, dem andere Menschen nicht egal sind. Schon gar nicht die eigenen.

      2. Dazu braucht man keine Mitgliedsnummer, werte(r) Ben, das Studium der Programme genügt uns vollauf. Stellen Sie aber doch einmal Ihre Mitgliedsnummer ein, dann wiegen Ihre Kommentare als „intelligenter Demokrat“ (Pardon, aber da können wir uns ein Lachen kaum verkneifen, von dem Sie glücklicherweise nichts mitbekommen!) hier gleich viel mehr Authentizität.

        Wir beglückwünschen Sie aber dazu, zu den Menschen gehören, „dem andere Menschen nicht egal sind. Schon gar nicht die eigenen.“ In diesem Zusammenhang würden wir uns allerdings wünschen, wenn Sie Ihre Kommentare mit wenigstens ein wenig Respekt gegenüber Menschen und deren Meinungen, die „nicht die eigenen“ sind, einstellen. Dass Sie sich wirklich als „intelligenter Demokrat“ verhalten und nicht als „“doof” und “ignorant” (Zitat: Ihr Kommentar weiter unten)!

  5. Wann hatte die taz denn bitte mal etwas mit Journalismus zu tun? Das war von Anfang an ein kleines, mieses Zeckenpamphlet für Steineschmeißer und Bombenleger!

    1. Nun, Peterchen, wir kennen z. B. viele Menschen, um nur ein Beispiel für die Leserschaft dieser Tageszeitung zu nennen, die in akademischen Bereichen ausgebildet und in entsprechenden Berufen tätig sind. Menschen also, die sicherlich nicht als „Steineschmeißer und Bombenleger“ zu bezeichnen und über jeden Verdacht erhaben sind.

      Wir kennen jedoch auch eine (scheinbar) zunehmende Gruppe von Menschen, die der Ansicht sind, zu wissen, was Journalismus ist. Menschen, die rechte „Zeckenpamphlete“, um mal in Ihrer Wortwahl zu bleiben, lesen und nun glauben, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Da mag dann stehen, dass ja nur die Linke für Krawalle zuständig ist, wobei regelmäßig rechte Anschläge, die mindestens ebenso häufig stattfinden, unter den Tisch fallen.

      Da mag dann auch stehen, dass die Erde eine Scheibe ist, und es wird geglaubt. Wir empfehlen Ihnen an dieser Stelle eine Mondfahrt, um sich darüber zu informieren, ob diese Sachverhalte denn auch tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Etwas Distanz kann nämlich nie schaden! Und bei Ihrem Namen werden Ihnen sicherlich keine Hindernisse in den Weg zum Mond gelegt werden.

      1. “………die in akademischen Bereichen ausgebildet und in entsprechenden Berufen tätig sind……”

        Lassen Sie mich raten…..Sozial”Wissenschaftler”?
        Oder “irgendwasmitmedien”?

        Alles Bullshit-jobs, die in jedem funktionierenden Staatswesen völlig verzichtbar sind und von den produktiv arbeitenden Menschen mit durchgefüttert werden müssen und welche sich dann zum Dank noch dafür beschimpfen lassen müssen?

        Also die, die eigentlich schon längst im “B”-Shuttle nach Golgafrincham sitzen müssten?

        Auch ziemlich unverfroren, Intelligentere mit der “duglaubstwohldieerdeisteinescheibe”-Redewendung auf sein Niveau herunterziehen zu wollen, wenn Ihro selbst glaubt, man könne “eine Gesellschaft öffnen” (Oxymoron < mal gugeln) oder es wäre möglich, auf ein klar abgrenztes Gebiet mit klar begrenzten Resourcen beliebig viele humanoide Individuen abladen, ohne das irgendwann Schluß wäre.

        Verständlich, wenn man den Gelderwerb, die Besitzstandswahrung und die Systempflege grundsätzlich den anderen überläßt.

        Das die taz so tickt, ist ja bekannt.
        Nur wenn der Hund mehr Zecken hat, als er selbst wiegt, bekommt die Sache eine Dynamik, die letztendlich auch den Zecken abträglich ist.

        Aber erzähl das mal einer Zecke.

      2. Falsch geraten, werte(r) Ben, wir dachten in unserem Kommentar z. B. an einen Zahnarzt, der uns persönlich bekannt ist. Keiner der „Bullshit-job“ also, „die in jedem funktionierenden Staatswesen völlig verzichtbar sind und von den produktiv arbeitenden Menschen mit durchgefüttert werden müssen und welche sich dann zum Dank noch dafür beschimpfen lassen müssen“.

        Wir hoffen sehr für Sie, dass Sie sich nicht eines Tages in die vertrauensvollen Hände eines solchen oder eines anderen Menschen mit einem „Bullshit-job“ begeben müssen! Aber erzähl das mal einer Zecke …

    2. So nett da Frage ich mich ob solche Kommentare statthaft sind! Eine engagierte Demokratin

      1. In der Türkei kommen solche Kommentatoren wie “Peterchen” direkt vor Gericht. Sehr effektiv, hat sogar der PKK-Terroristenfreund Yücel irgendwann kapiert. Das könnte Deutschland auch einführen.

  6. Bei der taz arbeiten auch keine Journalisten, sondern Hetzer und Verfassungsfeinde mit Presseausweis.

    1. Man sieht sehr gut, dass Sie genau wissen, wovon Sie hier schreiben, werte(r) Jack. Profunde Kenntnis der Materie. Wir müssen uns allerdings fragen, ob Sie überhaupt wissen, was Journalismus ist. Unabhängig von dem, was Sie persönlich für berichtenswert finden und lesen bzw. hören möchten. Und ob Sie selbst noch auf dem Boden der Verfassung stehen oder nicht selbst zu den Hetzern gehören, die diese zugunsten eines Systems mit autoritären Strukturen abschaffen wollen.

      Von uns aus können Sie sich ja gern in „alternativen Fakten“ bis hin zu Lügen und den entsprechenden Portalen suhlen und es steht Ihnen (noch) frei zu entscheiden, was Sie nicht lesen möchten. Doch solange es hier noch Pressefreiheit gibt, entscheiden zum Glück nicht Sie und Ihre werte Meinung über Journalismus und die Verfassung. Sie entscheiden lediglich darüber, weiter zu hetzen oder nicht.

      Eine Wahl, die sehr wohl überlegt sein will!

  7. Wenn Unrecht zu Recht wird, wenn Politiker, wie Seehofer, das Quälen von Menschen (Abschiebungen) als “Geburtsratgsgeschenk” betrachten und wenn Menschen ertrinken, weil Hilfsorganisationen behindert werden (Aufforderung zu unterlassener Hilfeleistung durch den Staat), dann wird ziviler Ungehorsam meiner Ansicht nach sogar zur Pflicht! Hut ab, vor dieser Studentin!

      1. Er hat einen Tippfehler gemacht und Kommata falsch gesetzt, im Gegensatz zu Ihnen, dem es an Grundlegendem mangelt, z. B., wann ein „dass“ zu schreiben ist und nicht ein „das“, wie man an vielen Ihrer Kommentare belegen kann. Im Übrigen: Hut ab, vor dieser Studentin!

  8. Die TAZ, das hatte doch noch nie etwas mit “Journalismus” zu tun.
    Die TAZ, und sind wie ehrlich, das ist links grüner Gesinnungterror.
    Die TAZ, das sind einfachste Schmierfinken denen bei jedem Artikel, je schmieriger je besser, einer abgeht.

  9. Extremsisten aller Seiten haben so ihr Problem mit dem Rechtstaat. Die taz wird von Leuten gemacht, die diesen von der linken Seite aus zerstören wollen. Das verwundert auf der einen Seite nicht, sollte aber doch die Frage aufkommen lassen, warum Vertreter dieses fragwürdigen Blatter regelmäßig zu politischen Runde (z.B. Presseclub) in den öffentlich-rechtlichen Sendern eingeladen werden.

    1. Das ist so.

      Aber mit einem oder zwei linken Stinkern läßt es sich ja immer noch gut leben.
      Das muß ein Staat aushalten können.

      Wenn aber das rechte Gegengewicht in ÖR und Mainstreampresse komplett fehlt, wird die Sache kriminell.
      Und wenn dann bei Falschmeinern Scheiben eingeworfen oder gleich Radmuttern gelöst werden, wenn Allerweltssportler wie Philip Lahm wegen Ansichten, die noch vor 10 Jahren konsensfähig gewesen wären, geschaßt wird, dann brennt die Hütte lichterloh, wenn dann kein großes Medium sich solcher Entwicklungen annimmt.

      Ich hab nichts gegen linke Meinungen; komme ja selbst aus der Ecke.
      Ich hab aber was gegen “doof” und “ignorant”.

  10. Neulich sah ich ein T-Shirt mit dem Schriftzug: “Lebe stets so, dass Jens Spahn etwas dagegen hätte.” Hat mir gut gefallen. Bei der taz haben die Redakteure vermutlich eine Karte mit dem Spruch “Schreibe stets so, dass sich Julian Reichelt per Twitter darüber aufregt” im Spind. Finde ich nicht übel, den Ansatz.

    Ich persönlich finde es übrigens nicht gut, dass die Bundespolizei öffentliche Verkehrsmittel für Gefangenentransporte nutzt. Das verstößt ebenso gegen das Recht der Gefangenen auf Privatsphäre wie gegen Sicherheitsbedürfnisse der Passagiere. Und wenn eine Zeitung beschreibt, was man dagegen tun kann, dann ist das in meinen Augen nicht skandalös.

    1. Vielen Dank für diesen unaufgeregten und damit konstruktiven Beitrag, lieber Frank.

      1. wie kommt der Autor des Meedia-Textes zu dieser Beurteilung . . , Lieber Frank!? Was ist an dessen Kommentar konstruktiv? Mit Kampagne hat das viel, mit Journalismus dagegen wenig zu tun.

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