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Sind Lesben nicht homosexuell? Peinliche Fehler im Online-Kinderlexikon der Bundeszentrale für politische Bildung

Screenshot vom Stichwort “Homophobie” im Kinderlexikon “Hanisauland” der Bundeszentrale für politische Bildung. Als homosexuell gelten hier nur Männer. Inzwischen wurde der Fehler korrigiert
Screenshot vom Stichwort "Homophobie" im Kinderlexikon "Hanisauland" der Bundeszentrale für politische Bildung. Als homosexuell gelten hier nur Männer. Inzwischen wurde der Fehler korrigiert

Reporter sind keine Journalisten - und Lesben nicht homosexuell: Diesen Eindruck vermittelte bisher ein Lexikon auf dem Kinderportal „hanisauland.de“ der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB). Niemand störte sich an solchen Fehlern und Ungereimtheiten in dem eigentlich verdienstvollen Online-Nachschlagewerk. Nach einer Anfrage von MEEDIA nimmt die BPB jetzt aber Korrekturen vor.

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Von Eckhard Stengel

Mit den Lexikoneinträgen von „hanisauland.de“ ist es so ähnlich wie bei den Erklärfilmen der „Sendung mit der Maus“: Eigentlich für Kinder gedacht, lösen sie auch bei Erwachsenen manchen Aha-Effekt aus. Bei über 900 Begriffserläuterungen, die teilweise mit Zeichnungen oder Fotos illustriert werden, können sich natürlich auch Fehler einschleichen. Erstaunlich nur, dass sie bisher niemandem aufgefallen sind. Zum Beispiel die Erklärung für „Homophobie“: „Dieses Fremdwort heißt übersetzt Feindseligkeit gegenüber Menschen, die homosexuell oder lesbisch sind oder eine andere sexuelle Orientierung haben.“ Homosexuell oder lesbisch? Sind Lesben also nicht homosexuell?

Screenshot vom Stichwort “Homophobie” im Kinderlexikon “Hanisauland” der Bundeszentrale für politische Bildung. Als homosexuell gelten hier nur Männer. Inzwischen wurde der Fehler korrigiert.

Dasselbe Muster beim Stichwort „Journalist/in“. Dort findet sich die Aufzählung „Journalisten, Reporter und Auslandskorrespondenten“. Sind Reporter und Korrespondenten keine Journalisten?

Nicht nur mit Oberbegriffen, sondern auch mit juristischen Sachverhalten tut sich die Lexikonredaktion manchmal schwer. Das Stichwort „Gericht“ vermengt munter Zivil- und Strafprozesse, ohne von vornherein auf den Unterschied zwischen diesen beiden Verfahrensarten hinzuweisen. An anderer Stelle wird dann doch noch differenziert. Aber dort finden sich erstaunliche Formulierungen wie: „Strafprozesse finden an besonderen Gerichtshöfen statt.“ Dabei hat sogar jedes noch so kleine Amtsgericht eine Abteilung für Strafrecht.

Schaut man sich die Zeichnung zum Stichwort „Gericht“ genauer an, entdeckt man einen Holzhammer auf dem Richtertisch. Ein typischer Fehler, den sich auch viele andere Medien leisten, weil ihre Gestalter wohl zu oft US-Serien gesehen haben. Kleiner Hinweis an alle: Deutsche Richter schwingen keinen Hammer. (Hinweis der Redaktion: Auch bei MEEDIA-Symboloptiken soll der Hammer schon gesichtet worden sein, wir geloben aber Besserung!)

Diese und andere Ungereimtheiten wären nicht groß der Rede wert, wenn es um ein privat verlegtes Lexikon für vorinformierte Erwachsene ginge. Wenn aber eine staatliche Einrichtung Informationen für Kinder zusammenstellt, sollten höhere Sorgfaltsansprüche gelten.

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Immerhin redet die BPB nicht groß um die peinlichen Patzer herum, sondern ist auf Anfrage sofort zu Korrekturen oder Präzisierungen bereit – und hat sie auch überwiegend schon vorgenommen.

„Bisher gab es keine Beschwerden zu diesen Begriffen“, sagt BPB-Sprecher Daniel Kraft. Die strittigen Stichwörter wurden in den vergangenen Jahren nach und nach in das Online-Lexikon aufgenommen. 2002 war das Portal zunächst mit knapp hundert Begriffen an den Start gegangen. Diesen Grundstock, so Sprecher Kraft, habe damals der Lehrstuhl für Politikwissenschaft an der Universität Münster begutachtet. Später kamen weitere Begriffe hinzu, auch auf Anregung der jungen Leserschaft. Die Kinder können selber Einträge vorschlagen und zudem Nachfragen an die Redaktion richten, zum Beispiel diese: „ähm, mich würde interessiern, was die Hindus generell essen“. Die Antwort: „Hallo Anneke, in Indien wird viel Gemüse gegessen und eben die Nahrungsmittel, die typisch sind für die jeweilige Region.“

Für die teilweise missglückten Einträge ist laut BPB eine externe Autorin verantwortlich. Ihrer Homepage zufolge betreibt sie eine Textagentur und hat Zeitgeschichte, Politik und katholische Theologie studiert. „Selbstverständlich“, so BPB-Sprecher Kraft, „holen wir auch von Fall zu Fall den Rat von anderen Experten (internen und externen) ein, vor allem bei politisch brisanten Themen.“ Aber anscheinend nicht bei juristischen.

Sichtbar Mühe gibt sich die Redaktion mit der Geschlechtergerechtigkeit. Oft werden beide Geschlechter erwähnt („ein Richter oder eine Richterin“), und wenn das zu kompliziert ist, treten Männer und Frauen manchmal abwechselnd auf – zum Beispiel in der Zeichnung zum Gerichtsverfahren: ein Richter, eine Staatsanwältin, ein Verteidiger mit Angeklagtem, eine Gerichtsdienerin.

Neben dem insgesamt sehr informativen Lexikon hält das BPB-Portal hanisauland.de noch etliche andere Angebote bereit, zum Beispiel Tipps für Spiele oder Bücher. Auch Zeichentrickfilme und Bildgeschichten lassen sich anklicken. Sie schildern das Leben im Hanisau-Land, einem Staat, zu dem sich Hasen, Nilpferde und Wildsauen nach einem großen Krieg zusammengetan haben (womit auch der Name des Portals geklärt wäre). „Die Bewohner HanisauLands“, so heißt es in der Einführung zu den mittlerweile 222 Comic-Folgen, „wählen eine Regierung mit der Kanzlerin Bärbel Breitfuß und finden Regeln für ein friedliches und demokratisches Zusammenleben. Langweilig wird es aber nie – Die bösartigen Hass-Hasen klauen die Möhrenernte, die drei Alten drucken einfach jede Menge Geld, und die Reporter Hippa und Hippel decken in ihrer Zeitung allerlei Skandale auf. Dann verliebt sich auch noch der Außenminister Egon Eber in die Prinzessin des Nachbarlandes Speckonien!“

Zielgruppe des BPB-Kinderportals sind die acht- bis 14-jährigen. Im vergangenen Jahr klickten sie (und sicher auch manch Erwachsener) knapp 73.000 mal pro Monat die Seiten an. Was sie dort künftig nicht mehr finden werden, sind sonderbare Strafgerichtshöfe, unjournalistische Reporter und nicht-homosexuelle Lesben.

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Alle Kommentare

  1. Lesben sind nur ein bisschen verwirrte Frauen. Das gibt sich, wenn sie den richtigen Mann kennenlernen.

      1. Jaja, jeder kann sich sein Geschlecht selber aussuchen, wir haben schließlich 2018, nicht wahr?

    1. Es war so klar das der Spruch kommen musste… <.<
      ich kanns langsam nicht mehr hören… <.<

  2. Die Scheiße dieser zur Propagandaabteilung mit ausgedienten Parteisoldateska verkommene Bundeszentrale liest eben niemand mehr. Ideologisch nicht Ausgeschlachtetes ist seit Jahren vergriffen und dann lesen noch nicht einmal die gesellschaftlichen Randgruppen von Queer und IS “ihre“ Texte zur Homophobie und Islamophobie. Hauptsache die Besoldung ist üppig.

    1. Wir lesen die Beiträge dieser „zur Propagandaabteilung mit ausgedienten Parteisoldateska verkommene Bundeszentrale“ im Gegensatz zu Ihnen sehr gern. Dass Sie diese nicht mögen, was allein durch Ihre Wortwahl Ausdruck findet, mag daran liegen, dass dort aufklärende Inhalte zu finden sind, die Sie mit Ihrer kleinen Weltsicht nicht in Einklang zu bringen imstande sind. „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“ in einer zeitgemäßen Form, wobei der Bauer von heute die „Segnungen“ seines Internetanschlusses nutzt, um Rundumschläge auszuteilen. Ihrer vermuteten Meinung, dass „früher alles besser“ war, stimmen wir hiermit wenigstens in diesem Punkt zu.

      1. RMF

        Ich darf sie ganz höflich ersuchen Bäuerinnen, Bauern, und GelegenheitslandwirtInnen nicht für blöd zu halten.

        Was aufklärende Inhalte betrifft, reicht oftmals der eigene Hausverstand.

      2. Es war mitnichten unsere Absicht, Frau Geierwalli, irgendwelche Berufsstände und hier besonders die von Ihnen aufgeführten in Misskredit zu bringen, insbesondere „für blöd zu halten“. Sollte dieser Eindruck entstanden sein, bitten wir dies vielmals zu entschuldigen. Wir bezogen uns auf das alte und oben zitierte Sprichwort. Dass dies nun einmal so lautet wie es lautet, dafür können wir nichts.

        Wir wissen zwar nicht, wie Sie sich Ihren hier gewählten Namen ausgesucht haben, Frau Geierwalli, wobei wir davon ausgehen, dass dieser nicht Ihrem realen Namen entspricht, aber wir hegen einen vagen Verdacht, dass hier gegen den Tierschutz verstoßen werden könnte oder bereits verstoßen wurde. Deswegen ersuchen wir Sie ganz höflich, Ihre Namenswahl noch einmal zu überdenken.

      3. Verehrte/r RMF!

        Danke für Ihre Berichtigung. Als Gelegenheitsbäuerin fühlte ich mich missachtet, weiß nun Sie meinten es wohl differenzierter.

        Wenn Sie hier über Tierschutz referieren wollen, gerne, aber lassen Sie bitte meinen Geier aus dem Spiel. Und wenn Sie schon so genau wissen wollen wer ich bin, ich bin Bockmayers Geierwally ähnlicher als Sie sich je vorstellen könnten.

        Im Übrigen habe ich bei og Bildungszentrale schon einiges an Material bestellt, kann mich nicht beklagen. Dieses Kinderportal kannte ich allerdings nicht.

  3. Haben wir eigentlich keine anderen Sorgen mehr, als wer wem wo was reinschiebt?
    Wir nähern uns einem Zustand, der mit “unerträglich” nur unzureichend beschrieben werden kann. Irgendwann fliegt Euch dieser ganze Scheiß krachend um die Ohren. Und freue mich DERARTIG auf diesen Tag, das kann ich kaum in Worte fassen!

    1. Während wir Ihrem ersten Satz uneingeschränkt zustimmen, plagen uns jedoch Fragen im Hinblick auf „dieser ganze Scheiß“, der uns „irgendwann […] krachend um die Ohren“ fliegen soll. Können Sie diesen präzisieren? Wir würden nämlich gern entsprechende Vorkehrungen treffen. Zum Beispiel in Form einer Mondfahrt. Bei Ihrem Namen dürften wenigstens Sie in dieser Hinsicht ja keine Probleme zu erwarten haben.

      Wir freuen uns DERARTIG auf den Tag Ihrer Antwort, dass wir dies kaum in Worte fassen können!

    2. Also, ich mache mir große Sorgen um Mitmenschen, die beim Lesen jedes beliebigen Artikels fantasieren, dass dort in Wahrheit gar nicht über Politik, Gesellschaft etc. pp. geschrieben würde, sondern immer nur davon, “wer wem wo was reinschiebt”.

      1. Also, dass jeder jedem alles überall reinschieben können sollte, ist doch einer der Grundpfeiler der “Kritischen Theorie” und der Ideologie der Grünen! Ziehen Sie das nicht so ins Lächerliche, oder sind Sie etwa sexnegativ und Sodomie-phob?

      2. @RTE2018

        Ah, ich sehe, Sie sind auch ein eifriger Sex-Imaginierer. Allerdings scheint die praktische Erfahrung zu fehlen sowie auch ein gewisses Gespür für die Bedingungen und Regeln zwischenmenschlicher physisch-emotionaler Begegnungen, sonst wüssten Sie, dass Ihr herbeifantasiertes Theorem “jeder jedem alles” grober Unfug ist und nur Ihrem überschießenden Hang zur Sex-Imagination entspringt.

  4. Wenn RMF die intellektuelle Speerspitze der BPB sein soll…. kein Wunder, dass dort nur Sozialpädagogen rumlungern, die es sonst zu nichts gebracht haben, als ihre spießige Weltsicht der uninteressierten Mehrheit aufzwingen zu wollen. So wird das nichts mit dem neuen Leistungsfach Analverkehr in Grundschulen und Allah war der Geilste im Kindergarten.

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