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Unangenehme Fragen gestrichen: Vorwürfe der Einflussnahme nach MDR-Sommerinterview mit Ministerpräsident Ramelow

Soll gedroht haben das Sommerinterview mit dem MDR abzubrechen: Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident in Thüringen
Soll gedroht haben das Sommerinterview mit dem MDR abzubrechen: Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident in Thüringen

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat Bodo Ramelow, Ministerpräsident in Thüringen, zum Sommerinterview getroffen und schlägt damit zumindest in der Landespresse hohe Wellen. Allerdings aus journalistischer Sicht aus unerfreulichen Gründen: Der MDR hat nach Diskussion mit dem Ministerpräsident einige Sequenzen gestrichen und sieht sich nun dem Vorwurf der politischen Einflussnahme ausgesetzt.

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Das Sommerinterview mit Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) im MDR begann harmlos. Wo der Politiker seinen Urlaub verbringen werde, fragte die Moderatorin. “Am Thüringer Meer”, antwortete der Ministerpräsident ganz heimatbewusst mit einem kleinen Lächeln. Der Atmosphäre ist nicht anzumerken, dass die Lage einige Minuten zuvor ziemlich angespannt gewesen sein soll. Bodo Ramelow hatte offenbar damit gedroht, das Interview abzubrechen, bevor es überhaupt wirklich begonnen hatte.

Wie die Thüringer Presse, allen voran die Zeitung das Freie Wort sowie die Thüringer Allgemeine, berichtete, war die Moderatorin nämlich mit einem anderen Thema in das Interview eingestiegen – mit Ramelows bereits mehrfach diskutiertem Verhalten bei Twitter. Konkret sprach sie ihn auf einen Tweet an, in dem er dem Sohn von Justizminister Lauinger zum bestandenen Abitur gratulierte. Das Politikum: Ramelow veröffentlichte in dem Tweet Namen wie auch Foto des Sohnes. Eine rechtlich heikle Angelegenheit, die die Datenschutzbehörde des Landes auf den Plan gerufen hat, wie der MDR selbst berichtete.

Auf den Vorfall angesprochen soll Ramelow empfindlich reagiert haben. Den Tweet habe er von seinem privaten Twitter-Account abgesetzt und habe mit seiner Politiker-Rolle nichts zu tun. Dies sei voneinander zu trennen. “Ich würde sehr empfehlen, dass das nicht Teil des Sommerinterviews wird”, zitiert ihn die Thüringer Allgemeine, die das entsprechende Videomaterial gesehen haben will. Was Beobachter nun misstrauisch macht und erzürnt: In der ausgestrahlten Fassung ist die Sequenz nicht vorhanden, das Thema findet sich auch an keiner weiteren Stelle im Interview wieder.

Die Moderatorin soll nach Ramelows Drohung, das Interview abzubrechen, entschieden haben, das Interview neu zu beginnen. Mit der Frage nach dem Urlaub. Dafür muss sich der MDR, der bereits an vielen Stellen auch kritisch über den Ministerpräsidenten berichtet hat, nun den Vorwurf gefallen lassen, sich einer politischen Einflussnahme gebeugt zu haben. Im Rundfunkrat des Senders ist auch die Landesregierung vertreten.

Der Sender dementiert: “Die Interviews werden generell redaktionell unabhängig geführt – die Politiker wissen vorher nicht, was wir fragen und sie haben nach dem Gespräch nicht die Möglichkeit, die Interviews zu ändern”, verteidigte Chefredakteur Matthias Gehler. Es kann jeder sehen, dass das im Netz verfügbare Sommerinterview alles andere als ein Wohlfühlgespräch für Bodo Ramelow ist.” Mehr als ein Dementi kommt dem Sender aber nicht über die Lippen. Auf die Nachfrage von MEEDIA, was die genauen Beweggründe der Redaktion gewesen sind, weicht Gehler aus. Man habe eine “völlig normale redaktionelle Abwägung” vorgenommen, “wie sie bei Interviews in Redaktionen jeden Tag vorgenommen wird.” Wie diese ausgesehen hat, verschweigt er.

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Auch Ramelow will sich zu den Vorwürfen offenbar nicht weiter äußern. Eine MEEDIA-Anfrage an die zuständige Staatskanzlei blieb bislang unbeantwortet. Zuvor hatte er gegenüber der Presse eine unglückliche Figur abgegeben. Er soll die von der Thüringer Allgemeinen zitierten Worte erst zugegeben haben, nachdem die Journalisten ihn darauf hingewiesen hatten, das Material zu kennen.

Statt sich zu erklären, kommentierte er laut Allgemeine: „Das ist ein sehr befremdlicher Vorgang, wenn Journalisten nicht beteiligter Medien entgegen der gängigen Praxis, Gesprächsszenen gesehen haben sollten, die möglicherweise in der nicht ausgestrahlten Rohfassung enthalten sind.“ Er selbst habe das Material nicht gesehen und wolle sich deshalb nicht dazu äußern. Bei Twitter kritisierte er die Berichterstattung als Sommerloch-Thema.

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Alle Kommentare

  1. Warum steigen eigentlich “die Medien”, die sich immer noch als 4. Gewalt pro Bürger gerieren, nicht in die Diskussion um das öffentlich-rechtliche Monopol-Konstrukt ein. Dass die Landespolitiker “ihre” ARD-Sender nicht hergeben und schon gar nicht richtig kontrollieren wollen, ist doch Fakt. Wer Interviews dieser Staatskanzlei-Chefs liest, die von “Reformen” faseln aber NullkommaNull Ahnung von dem riesigen Fiction-Bereich ihrer ARD-Sender plus ZDF plus den mindestens 160 volllommen unkontrolierten Töchtern haben, wundert mich diese “kleine MDR-Geschichte” gar nicht. SOWAS wird zum Skandal erhoben.. aber die wirklichen Mega-Skandale interessieren niemanden. Hauptsache “die Politik” hat ihre Plattform im Nachrichten-Bereich der ÖR und kann dort Einfluss nehmen (und natürlich nehmen die Einfluss.. wie “nett” Intendanten mit Politikern umgehen kann man doch sehen hahahaha… ). Weder wundern mich Politikverdrossenheit noch Medienverdrossenheit der Bürger. Wie beim ÖR mit – natürlich externen – Menschen umgegangen wird, ist eine Katastrophe. Zeitungen wie FAZ u.a. haben jahrelang starke Kritik geübt.. inzwischen wohl aufgegeben. Bringt ja nichts… weder bei den ÖR noch bei der Politik. Heute darf man Frauen “massiv diskriminieren im ÖR”… und keinen interessierts? Wahnsinn oder?

  2. Ich versteh es nicht. Muss man jetzt auch seine privaten Mitteilungen öffentlich machen und wenn nicht, woher wissen das denn dann die Medien? Und ist das so ein Eklat, dass man daraus eine Meldung machen muss? Schade irgendwie macht es keinen Spaß mehr, weil alles auf die Goldwaage gelegt wird.
    Bin gespannt, ob ihr dieses mal meinen Kommentar veröffentlicht. Das letzte mal als ich eine andere Meinung hatte, wurde die nicht gepostet.

      1. Das hat vermutlich wenig mit „Meinungsfreiheit“ zu tun, sondern damit, dass man die Seite erst mehrmals neu laden oder sogar kurz auf eine andere Website gehen muss und dann nochmals auf den Artikel, bis der Kommentar für einen selbst hier erscheint.

        Manches hat ganz einfache technische Gründe, man muss also nicht immer gleich mit rechts-versifften „Argumenten“ kommen!

      1. Linke= Offene Grenzen, Keiner wird abgeschoben, Steuergelder für Antifa, NGOs, Ausland, UNO, Banken, Islamverbände, Milliarden für Scheinflüchtlinge, Abschaffung des Rechtsstaat, Islam gehört zu Deutschland/Europa, Verstaatlichung der Autoindustrie, höhere Steuern für die Mittelschicht, gescheiterte Energiewende, Genderwahn usw. usw usw

      2. Was haben denn Banken bitteschön mit linksextrem zu tun? Und die Autoindustrie soll verstaatlicht sein? „Scheinflüchtlinge“? „Gescheiterte Energiewende“? Je komplizierter der Kampfname, desto einfacher die Gemüter …

        Mir würde eine ganz andere Definition von „linksextrem“ einfallen, aber lassen wir das. Da würde nämlich jemand wie der Schulz als Konterrevolutionär erschossen!

      3. Eu-Superstaat, Veggieday, Eurobonds, SOFFIN, ESM, EFSF, Resettlement Programme, Abschaffung der Nationalstaaten, Wahlrecht für Flüchtlinge, Kein Investitionen in die Infrastruktur, Zensur= Netzwerk DG usw usw.

        @ Suhaj, sie können sich gerne das Abstimmungsverhalten der Grünen und SPD zu der Bankenrettung SOFFIN oder Eurorettung ESM anschauen. Einfach mal selber suchen, statt immer nur die linken plattitüden zu bölken.

        LINKEGRÜNESPDFDPCDUCSU Politik:

        Wohlfühlsozialismus für Reiche und Turbokapitalismus die Mittelschicht. Danke (Linksgrüne) Merkel

  3. Ey Leute, nun macht mal halblang. Das ist doch wirklich eine Petitesse, da es um eine Privatmail ging. Und was ich da in den Kommentaren zu “Staatsfunk” lese – da wird mir ganz übel. Was meint ihr denn, wenn wir nur noch Privatsender hätten. Wollt Ihr das???

  4. Matthias Gehler ist nicht Chefredakteur des MDR, Meedia. Bitte etwas mehr Sorgsamkeit. Er ist “Chefredakteur” bzw. Nachrichtenchef vom LFH Thüringen.

  5. Verstehe die Aufregung nicht. Was soll an einem privaten tweet politisch sein? Und warum ist es schlimm, dass Ramelow den Namen genannt haben soll? Das scheint mir alles weniger als ein Fliegenschiss zu sein. Oh Sommerloch – nach dem Özil – Gedöns jetzt auch das noch.

  6. Bei aller Abscheu bei linker Politik kann ich in dem Fall nichts Angreifbares erkennen.
    Ein harmloser privater tweet, vielleicht etwas gedankenlos zu einem unpolitischen Thema und die stringente Aufforderung, ein allgemeines Interview eines doch immerhin nicht ganz unbedeutenden Politikers nicht von so einem Fliegenschiß dominieren zu lassen.

    Nennen Sie mir einen Politiker durch alle Parteien, der das anders gehandhabt hätte.

    Klar, Ramelow gehört da weg, aber dann bitte mit substanzieller Kritik.
    Es ist ja nicht so, daß man davon nicht karrenweise heranschaffen könnte.

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