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Abo-Abschlüsse vor Reichweite: Funke testet neue Online-Strategie beim Hamburger Abendblatt

Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider: Neue Online-Strategie als Testballon für die Funke-Zeitungen
Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider: Neue Online-Strategie als Testballon für die Funke-Zeitungen

Die Funke Mediengruppe sondiert beim Hamburger Abendblatt ein neue Web-Strategie, um die Zahl der Digital-Abos zu steigern. Dafür muss sich aber die Redaktion umstellen. Sie soll weniger auf Reichweite achten. Gefragt ist dagegen eine Berichterstattung, die zu echten Abo-Abschlüssen führen soll. Ist das Modell erfolgreich, soll es als Vorbild für andere Blätter der Mediengruppe dienen.

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Gestern hatte der Betriebsrat die Belegschaft der Funke Mediengruppe darüber informiert, dass Ex-Spiegel-Chef Ove Saffe die Sparte zentralisieren will. Die Vertriebler könnten in einer eigene GmbH ausgegliedert, ein Personalabbau hierbei nicht ausgeschlossen werden.

Eher beiläufig ließen die Arbeitnehmervertreter noch eine weitere Info raus, die die Redaktionen von Hamburg bis Essen treffen könnte. So plant Chefredakteur Lars Haider, dass Hamburger Abendblatt umzubauen. Haider soll auf der gestrigen Konferenz angekündigt haben, „dass es eine Umstrukturierung in der Redaktion geben wird“, so der Betriebsrat. Auslöser hierfür sei „eine neue Online-Strategie, die eine konzernweite Arbeitsgruppe erarbeite“. Welche Auswirkungen diese haben könnte, sei aber völlig unklar, hieß es dort. Die Formulierung sorgte in der Redaktion für Aufregung. Ein Funke-Sprecher gegenüber MEEDIA: „Die Redaktion des Hamburger Abendblatt soll nicht umstrukturiert werden.“

Dennoch steht die Redaktion der norddeutsche Tageszeitung, eines der wichtigsten Flaggschiffe im viel verzweigten Regionalzeitungs-Reich der Essener Funke Mediengruppe, vor einer großen Herausforderung. Sie soll ein neues Modell testen, das auch bei den anderen Blättern der Funke-Gruppe zum Zuge kommen könnte. Dafür muss sich aber die Redaktion radikal umstellen. Sie soll bei ihrer digitalen Berichterstattung weniger die Reichweite im Blick haben. Gefragt sind künftig tiefgründigere und wohl stärker investigative Artikel, um die Zahl der Digital-Abos zu steigern. „Die Inhalte werden sich insofern verändern, dass beim Hamburger Abendblatt jetzt nicht mehr darauf geguckt wird, welches Thema die meisten Klicks erzielt, sondern welches Thema zu den meisten Aboabschlüssen führt. Das ist, zusammen mit einem neuen, einfacheren Bezahlmodell, die entscheidende Strategieänderung, die jetzt in Hamburg stellvertretend für die gesamte Funke-Gruppe getestet wird“, erklärt der Funke-Sprecher das Konzept. Ist dies erfolgreich, könne es „Vorbild für andere Titel“ sein. „Die Redakteure werden sich nicht mehr in erster Linie an einer möglichst großen Reichweite, sondern daran orientieren, mit welchen Themen sich Digital-Abos verkaufen lassen“, ergänzt der Unternehmenssprecher.

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Hausintern hagelt es deshalb bereits Bedenken. So gibt es Befürchtungen, dass das Print-Produkt unter dem neuen Digital-Modell leiden könnte. Doch für Funke-Geschäftsführer Ove Saffe ist die neue Webstrategie wohl enorm wichtig, um die Erlössituation in seinem Unternehmensbereich zu verbessern. Beim Hamburger Abendblatt sind seit Jahren alle regionalen Inhalte bereits kostenpflichtig – Leser müssen „Abendblatt plus“ abonnieren, wenn sie die Artikel hinter der Bezahlschranke lesen wollen. Dies gilt auch für die Braunschweiger Zeitung oder die WAZ. Hier sind viele Artikel nur mit Digitalpässen ganz lesbar.

Doch die hier erzielten Weberlöse dürften kaum ausreichen, um den zunehmenden Druck auf das Vertriebsgeschäft abzufedern. Denn schrumpfende Auflagen, erhöhte Kosten durch die Zustellung sowie kräftig gestiegene Papierpreise machen den Zeitungen schwer zu schaffen. Vor allem die rückläufigen Print-Auflagen sind ein Problem. Wie der gesamte Regionalzeitungsmarkt verlieren auch viele Tageszeitungen der Funke Mediengruppe seit Jahren an Auflage. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Berliner Morgenpost auf dem zugegeben hart umkämpften Berliner Tageszeitungsmarkt. Hier stieg zwar die verkaufte Auflage im 2. Quartal 2018 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal leicht um 0,3 Prozent auf 80.305 Exemplare. Doch das Plus kam nur zustande, weil die Essener die Bordexemplare drastisch erhöhten. Abo und Einzelverkauf, also die harte Währung, gaben dagegen nach. Die Abos sanken im Berichtszeitraum um rund 7,7 Prozent, der Einzelverkauf um mehr als 5,7 Prozent.

In die jetzige Neuausrichtung der Digitalstrategie passt deshalb auch, dass Saffe den Vertrieb der Tageszeitungen zentralisieren will. Zwar ist noch unklar, wann die Maßnahme vollzogen wird. Doch hausinterne Stimmen gehen davon aus, dass sich der frühere Spiegel-Chef nicht viel Zeit lassen wird. Er muss sich bemühen, gegenüber den Gesellschaftern schnell gute Ergebnisse zu liefern. Die Anteilseigner hatte dem Manager erst im April die gesamte Verantwortung für das Tageszeitungsgeschäft übertragen. Vorher war er nur für das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost zuständig.

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  1. Betriebswirtschaftliche Restrukturierungen in Medienunternehmungen und Zeitungsredaktionen ergeben keinen nachhaltigen Effekt, wenn im Umfeld alle publizistischen Wertschöpfungsketten durch Markteffekte, unlauteren Wettbewerb, Demografie, Kulturwandel, Mediennutzungswandel und Verteilungskampf zerstört werden!

    Es ist inzwischen ein “hybrider Ausnahmezustand” erreicht, der die offene Gesellschaft und die Demokratie insgesamt gefährdet. Wenn Zeitungen und Journalisten nicht mehr frei und unabhängig, sondern unter komplexen existenziellen Kostendruck arbeiten müssen, kann journalistische Verantwortung und Detailschärfe nicht mehr in vollem Umfang wahrgenommen werden.

    Angesichts der Auflagenrückgänge bedeutender Zeitungen und massiver personeller Verschiebungen von freien Journalisten zu PR- und Mediaagnturen sowie staatlichen Pressestellen erkläre ich den “hybriden Ausnahmezustand für die Pressefreiheit”.
    Die offene Gesellschaft und der freie mündige Bürger sind in Gefahr! Die auf Freiheit, Wissen und Vordenken aufzubauenden zivilisatorischen Synergien drohen verloren zu gehen!

    Die “zellulär informierte Gesellschaft” und der “anonym algorithmisch” informierte Bürger produziert eine Zivilisation von “digitalen Mündeln”, die in Populismen und Kontroll-Illusionen abgleitet – mit schwer behebbare Folgen.

    Die politischen Parteien haben z.B. insgesamt nur noch einen Rekrutierungsgrad 1,71% der Bevölkerung (ab 16.J. Parteieintrittsalter – FU-Berlin 2017). In Metropolen wie Berlin gibt es längst Steuerungsverlust in den auf langen Linien bauenden Politikbereichen, wie z.B. Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik.

    Gleichzeitig schrumpft die “Lese-Bevölkerung” und das frei verfügbare Haushaltseinkommen. Gute alte Zeitungshändler werden durch Backshops und Spätis ersetzt. Die datenbasierte Auslistung von Print-Zeitungen in WaWi-Systemen wird zur Bedrohung, wenn die Urlaubszeit anbricht.

    Bei einem Anteil von 20% der Bevölkerung aus dem Ausland (EU, Osteuropa, Migration) und einem Anteil von ca. 30% der jungen Bevölkerung mit Zuwandererhintergrund schrumpft auch die klassische “Abonnenten-Bevölkerung”. Bis zu 40% der Bevölkerung driften in populistische Sphären ab,
    WEIL Journalisten ihren aufklärenden Job nicht mehr ausreichend ausfüllen.

    Es ist Zeit für ein “Re-Engineering des Zeitungs- und Medienmarkts” !*

    EU-DSGVO & ePrivacy sind eine erhoffte Systemwende!

    Für Betriebswirte & Controller in Medienunternehmen gibt es einen neuen Kampfruf:

    “Sturmschützen der Demokratie müssen wie Sturmgeschütze finanziert werden!”

    Journalisten mit kommunaler Garantenstellung für Polis, offene Gesellschaft und Pressefreiheit, für Kultur und Märktet sind so notwendig, wie eine militärisch hinterlegte Sicherheitsgarantie.
    Ihre Finanzierung sollte mindestens auf Basis der VO Pr No. 30/53 (Selbstkostenpreise) plus 6% erfolgen – das ist die Preisformel für die Rüstungsindustrie seit etwa 1953.

    Der Raubzug der PR- und Mediaagenturen durch die Anzeigen-Etats muss thematisiert werden. Für die Vergabe staatlicher PR- und Anzeigen-Kampagnen muss ein kommunal orientiertes Quotensystem eingeführt werden, das durch neutrale Vergabestellen überwacht wird. Es ist genug Geld im System, es muss nur über öffentliche Haushaltskontrolle auch bis zu kommunalen Zeitungen mit
    “Garantenstellung” für Polis, Markt, Kultur & Gesellschaft verteilt werden.

    Statt “Pay-Walls für Leser” sollten bundesweit alle Zeitungsverlage eine “Paywall” für PR- und Media-Agenturen” einrichten!

    Vor allem sollten Redaktionen mit Qualitätsjournalisten und Garantenstellung für Aufklärung, Pressefreiheit und Seriösität der Berichterstattung nicht einfach die Grundlagen des “Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union” mißachten, und ohne Ausschreibung und Wettbewerb “kostenlos” Social-Media-Buttons auf den Titelseiten platzieren!

    Die gesamte Medienökonomie gehört auf den Prüfstand!

    Die “digitale Unversehrtheit der Person”, und abgeleitet der Leser und Abonnenten ist das höchste Vertrauensgut, das Zeitungen und Redaktionen zusammen mit Pressefreiheit und Aufklärung weiter pflegen müssen!

    Das Zeitungswesen, das Prinzip Zeitung und der Journalismus stehen vor einer neuen Blütezeit – denn nur so kann die Welt gerettet werden!

    Allerdings kommt es auch auf die Technik an! Ein universelles Anzeigen-System kommt, das nur an Zeitungen mit Garantenstellung für Kommune, Pressefreiheit, Aufklärung und Interkultur lizensiert wird!

    Im Zeitalter der Plattform-Ökonomien kann der “hybride Ausnahmezustand der Pressefreiheit” in komplexen Gesellschaften nur durch “übergreifende Synergien” und Kodizes überwunden werden!

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